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Anti-Atom-Tour: Sylvia Kotting-Uhl bei ka-news [23]

Karlsruhe (trs/fn) - Der "Ausstieg aus dem Ausstieg" wird der schwarz-gelben Koalition unter Angela Merkel und Guido Westerwelle wohl noch lange anhaften - besonders, falls das neue Energiekonzept mit einer Verlängerung der AKW-Laufzeiten verabschiedet wird. Um dies zu verhindern, sind die Grünen derzeit bundesweit auf Anti-Atom-Tour und stellen ihr eigenes Konzept vor. Am Montagabend "streitet" sich die Karlsruher Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl in Philippsburg mit Mirko Krück von der EnBW - ka-news stand sie bereits im Vorfeld Rede und Antwort.

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Sylvia Kotting-Uhl
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Sylvia Kotting-Uhl zu Besuch in der ka-news-Redaktion (Archivbild).
Foto: ErS

"Wir kommen langfristig nicht um den Atomausstieg herum - warum also beim Weg dorthin den Anschluss verpassen?", diese These stellt Kotting-Uhl gleich zu Beginn des Gespräches in den Raum. Das Thema ist ihr wichtig, das merkt man. "Ein Ausstieg aus dem Ausstieg kostet Arbeitsplätze und verhindert den dringend nötigen Ausbau regenerativer Energien", erklärt sie energisch. Der Berg an Atommüll wachse und während das finanzielle Risiko auf die Bürger abgewälzt wird, würden die Energiekonzerne die Gewinne einstreichen.

"Beim Ausstieg aus dem Ausstieg geht es um Lobby-Interessen"

Genau wie ihre Parteikollegen kann sie nicht verstehen, wie die Bundesregierung nach einem derart wichtigen Signal nach außen - Klimaschutz und Atomausstieg offensiv anzugehen - wieder umschwenken will. Die Wirkung einer solchen Entscheidung in Europa und der Welt dürfe man nicht unterschätzen. Zudem sei es eine Entscheidung gegen den Willen der Menschen, die in Deutschland leben.

"Das ist nicht das Interesse des Bürgers, sondern da geht es hauptsächlich um Lobby-Interessen", betont sie. Der von der Bundesregierung und den Betreibern von Atomkraftwerken ins Feld geführten Argumentation, man brauche Atomstrom als Brückentechnologie, widerspricht sie vehement: Den Atomstrom als Brückentechnologie im Rücken zu haben erleichtere den Umstieg auf regenerative nicht, sondern mache ihn schwerer, weil es dann keine Notwendigkeit mehr gebe, die Alternativen voranzutreiben, so Kotting-Uhl: "Eine Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke ist keine Brücke zu regenerativen Energien, sondern eine Brücke in die entgegengesetzte Richtung!", betont sie.

Und nicht nur das. "Je länger die Atomkraftwerke laufen, desto gefährlicher werden sie auch", erklärt sie. Denn bis 2030 wolle die Bundesregierung 50 Prozent des Stromes durch Erneuerbare Energien produziert sehen - dies sei aber lediglich ein Durchschnittswert. "Das bedeutet auch, dass an manchen Tagen 100 Prozent des Stromes aus Windkraft, Solar und Co. kommen." Deshalb müssten eigentlich die Atommeiler und Kohlekraftwerke nach Bedarf an- und ausgeschaltet werden können. "Das funktioniert aber technisch nicht - bei Kohle überhaupt nicht und Atomkraftwerke kann man kurzfristig nur um 30 Prozent herunterfahren, alles andere dauert mehrere Tage."

100 Prozent Ökostrom bis 2030

Zudem würden die AKWs durch häufige Lastwechsel stärker belastet, alterten schneller und würden somit im Betrieb immer riskanter. "Deshalb wollen wir bis 2030 einen Umstieg zu 100 Prozent geschafft haben. Das ist möglich!" Dazu müsse man aber wegkommen von den zentralen Großkraftwerken und hin zu einem dezentralen, europäischen Verbundnetz. Sonnenenergie aus Spanien könne hier fehlenden Wind in Norddeutschland ausgleichen, Energiespitzen durch Wasserspeicher-Kraftwerke in Skandinavien ausgeglichen werden.

Getan werden müsse allerdings auch etwas an der Verbraucherseite. "Was die Häuser-Sanierung anbelangt, muss sehr viel investiert werden. Bislang verschwenden wir viel zu viel Strom", bedauert Kotting-Uhl. Zumal gleichzeitig die Förderung von regenerativen Energien wie Solarzellen auf privaten Dächern zurückgefahren würde. "Da könnten bald mehrere hunderttausend Arbeitsplätze in Gefahr sein", warnt sie.

"Zurück auf den Stand von 1998 ist keine Option"

"Ich kann abschließend nur sagen: Wenn die Bundesregierung ihr neues Energiekonzept verabschiedet und damit auf den Stand von 1998 zurück möchte, dann sind wir deswegen noch lange nicht durch mit dem Thema." Zumal sie sicher ist: Versucht die Bundesregierung den Ausstieg ohne den Bundesrat zu kippen, würden vermutlich gleich mehrere grün-mitregierte Bundesländer vor dem Bundesverfassungsgericht klagen.

Was meinen Sie: Doch kein Atomausstieg? Notwendige Verlängerung oder unnötiges Aufschieben? Stimmen Sie ab.

Das AKW Philippsburg 1 ist annähernd baugleich mit den störanfälligen Reaktoren in Krümmel und Brunsbüttel. Nach Atomausstiegsbeschluss würde es etwa Mitte 2012 abgeschaltet - durch die in Aussicht gestellte Laufzeitverlängerung jedoch erst nach 2020. Mit rund 330 meldepflichtigen Zwischenfällen - elf pro Bretriebsjahr - gehört der Reaktor zu den anfälligsten in Deutschland. Aktuell steht der Block 1 wegen eines Defektes an einem Brennelement still. Zudem ist der Reaktor nicht gegen Flugzeugabstürze geschützt.

Die Diskussion von Sylvia Kotting-Uhl mit Mirko Krück von der EnBW steht unter dem Titel "Atomstrom - Brücke oder Bremse" und findet um 19 Uhr in der Festhalle in Philippsburg statt.

Mehr zu: "Sylvia Kotting-Uhl" Grüne Atomkraft AKW Philippsburg

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Kommentare [23]
Hinweis: Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung von ka-news wieder.
  • (32 Beiträge) | 18.10.2010 09:43
    Bis 2030 komplett Öko-Strom...
    ...das ist ein gutes Ziel. Weiß jemand, wo man in Karlsruhe Elektro-Autos kaufen oder leasen kann, die man mit Sonnenenergie auflädt? Lasst die Politik mal reden. Man kann ja selber schon mal was tun und die Erde retten.
  • (1702 Beiträge) | 18.10.2010 09:56
    Und
    wer bezahlt das? http://www.bild.de/BILD/politik/wirtschaft/2010/10/15/strom-wird-teurer/umwelt-zuliebe-wichtigsten-fragen-und-antworten-eeg-umlage.html
  • (32 Beiträge) | 18.10.2010 18:16
    erde retten kostet geld
    danke für den reinkopierten BILD-Link. Das nenne ich mal eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema. Dass es zunächst teurer ist, die Energiewende einzuleiten, sollte doch klar sein. Es geht beim Umwelt- und Naturschutz doch nicht darum, ob es teurer wird, sondern ob es bezahlbar und realisierbar ist. Und das ist es doch. Soll sich jeder mal persönlich die Frage stellen: Was ist es mit wert, die Erde zu retten? Fünf Euro pro Woche, oder zehn? Die meisten schmeißen doch bei dieser Frage schon das Handtuch und die eigenen Gedanken über Bord, weil sie alte Gewohnheiten nicht verlassen wollen. Und sie kommen sich bei den naiven Fragen doof vor.
  • (2727 Beiträge) | 18.10.2010 20:21
    die Frag ist eher
    rentiert sich die Investition, ja oder nein.
    Greenpeace hat errechnet, dass die Atomkraft mit der jetzt beschlossenen Verlängerung den Steuerzahler 304 Milliarden Euro gekostet haben wird (soweit man langfristige Kosten wie für die Lagerung richtig berechnen kann). DA erscheint mir die geringe Umlage vernachlässigbar, zumal das Gesetz ja eh zu Anpassungen in der Vergütung in der Lage ist und das auch von Anfang an passieren sollte. Der Boom zeigt aber eins: es war höchste Zeit für eine solche förderung, die über die Maßen von den BürgerInnen angenommen worden ist. Der Preis für Solarstrom ist nahe dran, sodass es sich rentiert, den Strom selbst zu erzeugen und nur welchen einzukaufen, wenn die Sonne nicht scheint. Wie bei Solarthermie ja auch. Ein kluges Modell für die Zukunft.
  • (2170 Beiträge) | 18.10.2010 10:13
    z.B. ganz aufs
    Auto verzichten wenn man meint was tun zu müssen..
    Ich meine das zum Glück nicht...
    Ökostrom wird halt teuer, um den Strom von den Offshore Windparks zu uns zu bringen benötigt D. bzw. Europa ertsmal ein nahezu verlustfreies Gleichstromnetz, und das kostet richtig....
    Vorher ist es alles rumgedoktert..
    Und ein Auto in KA nur mit Solarenergie zu laden ist ein Witz oder du hast genügend Platz für die Solarzellen...
  • (300 Beiträge) | 18.10.2010 15:22
    sich..
    ... einzubilden man könnte das Klima ändern indem man sein Auto verkauft grenzt sowieso an Größenwahn....
  • (32 Beiträge) | 18.10.2010 18:03
    Hä?
    Jeder nicht gefahrene Kilometer mit Otto-Motor ist doch gut, weil dadurch Emission eingespart werden. Ist doch besser, wenn ich bei jemandem mitfahren und so zwei Leute im PKW sitzen, als wenn ich und der andere jeweils separat fahren. Oder nicht?
  • (13748 Beiträge) | 18.10.2010 21:40
    Augenwischerei
    der Sprit wird verfahren, so oder so. Bis zum letzten Tropfen. Das Klima interessiert das überhaupt nicht.
  • (2170 Beiträge) | 19.10.2010 06:26
    das istz richtig, kannst du
    ja machen. Trotzdem bringt es nichts da es mind. 85% der Autofahrer völlig egal ist was mit dem Klima passiert.
    Du kannt natürlich ohne Auto einige 100kg CO2 im Jahr sparen..
    Wenn du dann noch auf Rindfleich verzichtest und nur noch regionale Produkte kaufst nochmal ein paar hunder Gramm, Urlaub ist dann auch gestrichen, aber da kann man ja mit dem Rad in den Oberwald fahren...
  • (32 Beiträge) | 18.10.2010 18:20
    solarzellen
    Ich habe gehört, dass es solche Anlagen hier in der Region Baden-Württemberg geben soll; auch die Akkus reichen wohl für etwa 60 km Fahrstrecken. Viel weiter und mehr ist man in Karlsruhe an einem Tag eh nie unterwegs.
    Aber wie es aussieht, sind hier alle eh nur am rummeckern und einander auslachen. Liegt das an KA-News?
  • (2170 Beiträge) | 19.10.2010 06:23
    sowas gibts
    das Problem ist nur das man damit 10 Autos laden kann. Wenn du einen großen teil der Fahrzeuge rein elektrich bertzeiben wolltest müsste man gabz Deutschland mit Solaranlagen zupflastern. dann kommen aber wieder die Grünen und jammer das deswegen der Schwarzwald abgeholzt wird. Bei Windenergie braucht ma Zwischenspeicher in Form von Talsperren und Speicherkraftwerken, dann kommen due grünen wieder wenn ein Tal zugestaut wird. Und E-Autos mit Strom aus Kohlekraftwerken erzeugen wesentlich mehr CO2 als ein Benziner,
  • (2727 Beiträge) | 19.10.2010 08:25
    Stromspeicher
    könnten auch die Elektroautos sein. Denk doch mal drüber nach, wann Autos aufgeladen würden - und wann Stromspeicher notwendig sind: nachts. Richtig schlau, die Sache mit den E-Autos.
  • (347 Beiträge) | 18.10.2010 10:39
    Die Umweltfreundlichste Energiegewinnug
    wäre durch Wasser, Solar und Windkraft. Da das aber nicht von heute auf morgen geht, bedarf es eines zeitlichen Übergangs, den man logischerweise durch die jetzigen Energiegewinnungsverfahren ausgleichen muß.
  • (353 Beiträge) | 18.10.2010 22:02
    ja, aber ...
    Genau, wir brauchen noch weitere Kraftwerke, die wir bei mangelnder Sonne oder mangelndem Wind kurzfristig zuschalten können und wieder abschalten können, wenn wieder genug Ökostrom da ist. So werden die Abgase nur kurzfristig erzeugt.

    Aber genau das können AKWs nicht, das steht ja auch im Artikel.

    Schon heute ist es so, dass mitunter Stromüberproduktion entsteht und Windkraftwerke bei starkem Wind abgeschaltet werden müssen, weil es bei den AKWs ja nicht geht. Bei den Kohlekraftwerken auch nicht.

    Funktionieren würde es z. B. bei Pumpspeicherwerken oder Gaskraftwerken.
  • (128 Beiträge) | 18.10.2010 17:11
    Lobby
    was für eine Lobby ???
    Die EnBW tut wenigstens etwas und das in alle Richtungen. Was ist eigentlich mit den Arbeitsplätzen rund um die Kernenergie?? Interessiert das den niemanden. Eines ist doch sicher, so ein Stahlrohr mit 2 Flügeln, das bauen die Polen oder die Chinesen in 5 Jahren für viel weniger Geld zusammen als wir in Deutschland und dann möchte ich diese GRÜNE Zicke mal sehen. Vielleicht treffe ich sie ja dann beim Arbeitsamt wieder, da nach ihrer Aufassung, dann mein Arbeitsplatz ja längst Geschichte ist. Von der Technik hat die Dame eh keine Ahnung, das merkt man an ihren Aussagen und zu sagen, die Anlagen würden immer anfälliger werden, das ist eine rießen Frechheit. PRO-ATOM !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
  • (32 Beiträge) | 18.10.2010 17:58
    Lieber tomkscole,
    Du bringst es echt zu aggressiv. So aggressiv strahlt ja noch nicht mal der Atommüll. Oder etwa doch? Außerdem versteht man Dich nicht. Mit der Energiewende werden doch neue Arbeitsplätze entstehen, das belegen ja heute schon die Studien und das hat auch EnBW schon stolz verkündet. Dass mit dem Ausstieg Arbeitsplätze in der Kernenergiewirtschaft wegfallen, das ist doch logo. Und gewollt. Da gibt's doch Umschulungen und ähnliches. Das ist doch das normalste auf dem Arbeitsmarkt.
  • (2727 Beiträge) | 18.10.2010 20:23
    naja
    aber von der Technik haben Sie anscheinend wenig Ahnung. Selbstverständlich weren die Anlagen immer anfälliger, der Beton spröde. Wenn dem nicht so wäre, müsste man sie ja überhaupt nie stillegen. Aber das zweifelt noch nicht einmal die EnBW an - nur Sie.
    Und die Arbeitsplätze werden noch lange gebraucht, so lange, bis die Anlagen zurückgebaut sind. Und der Atommüll nicht endgelagert ist.
  • (3154 Beiträge) | 18.10.2010 23:30
    @tomkscole. Atomlobby
    Frau Künast und Frau Merkel treffen sich im Magen der Atomlobby. Frau Künast erwähnt, daß sie sich von der Atomlobby verschluckt fühlt.
    Die Antwort von Frau Merkel lautet: "Das kann ich nicht nachempfinden, ich kam von hinten rein".
  • (6204 Beiträge) | 18.10.2010 19:07
    Hört doch auf...
    Ihr (Ökofaschisten) wollt die Welt retten. Schaut nur mal nach China, was da am Tag in die Luft geblasen wird. Und ihr wollt aufs autofahren verzichten, mit Umweltzonen, mit Tempolimits, Ich lach mich weg...
    Ganz nebenbei: Wie setzt sich die Luft zusammen? Genau! Da bleibt für CO2 fast nix mehr übrig. Also, lebt und seid fröhlich.
  • (32 Beiträge) | 19.10.2010 10:53
    Warst du mal in China?
    In China wird zum Beispiel sehr viel Rad gefahren, und man heizt das Wasser mit Sonnenkollektoren auf, die auf den Hausdächern montiert sind. Da können sich die Deutschen eine Scheibe abschneiden. Und wenn Du das jetzt lächerlich findest, kannst Du ja mal Deine eigenen Vorurteile und Dein Chinabild überdenken.
    Zum Thema Welt retten, kann ich nur vermuten, dass auch Du schon mal was getan hast, was der Erde zumindest nicht geschadet hat. Kann mir nicht vorstellen, dass Du mutwillig Umweltschmutz betreibst. Falls doch, solltest Du einen Psychiater aufsuchen. Vielleicht stimmen Dich "grüne Gedanken" aggressiv, weil bei Dir die grauen Zellen nicht mehr bunt genug leuchten? Und im übrigen bitte ich Dich, das Wort Faschisten nur in dem Zusammenhang zu verwenden, wo es tatsächlich faschistisch zugeht. Ökologische Gewissensfreiheit ist nicht faschistisch. Öko-Faschismus wäre unter Gewaltandrohung durchgesetztes Umweltrecht. Das hat in diesem Forum niemand vorgeschlagen & jetzt lach dich...

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