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22.05.2012 02:15
 
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Amoklauf: So schützen sich Karlsruher Schulen [14]

Der Amoklauf von Winnenden geschah vor drei Jahren. Foto: Boris Roessler/Archiv

Karlsruhe (sas) - Im April jährte sich der Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt zum zehnten Mal. 2002 hatte dieser die gesamte Republik erschüttert, denn nie zuvor hatte sich in Deutschland ein solcher Vorfall ereignet. Seit diesem und dem Amoklauf 2009 in Winnenden haben Bund und Land verschiedene Maßnahmen ergriffen, um Amokläufe zu verhindern beziehungsweise in einem solchen Fall souverän zu handeln. Auch die Karlsruher Schulen haben Krisenpläne für den Notfall entwickelt.
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Ein junger Mann geht in eine Schule, packt eine Waffe aus, schießt wahllos um sich - ein Szenario, das vor 2002 eher an einen Action-Film Marke Hollywood erinnerte, als an eine real mögliche Situation. Doch mit dem Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium hat sich das grundlegend geändert. Amokläufe sind mittlerweile auch in Deutschland traurige Realität.

Erfurt zwang zum Umdenken

"Die Situation 'Amok in Deutschland' gab es bis dahin nicht", erinnert sich Ulrich Jäck, Fachkoordinator "Amok" bei der Karlsruher Polizei. Deshalb hätten sich die Verantwortlichen vorher nicht so umfassend mit dem Thema befasst. "Nach Erfurt wurde dann umgedacht, weil man plötzlich eine Situation vor sich hatte, die es vorher noch nicht gab", berichtet Jäck. Erst mit diesem tragischen Ereignis habe man die Notwendigkeit dazu erkannt.

Bereits seit einigen Jahren existiert nun eine Verwaltungsvorschrift des baden-württembergischen Kultusministeriums, die die Schulen im Land dazu verpflichtet, sogenannte Krisenpläne zu konzipieren und Krisenteams zu ernennen. "Die Schulen erstellen individuelle Pläne und geben diese an den zuständigen Polizeiposten weiter", erläutert der Experte. Die Krisenpläne umfassten neben den Gebäudeplänen auch die Namen der Ansprechpartner. "Die Einsatzkräfte müssen wissen, wo sie hinfahren müssen und wer vor Ort verantwortlich ist."

Mit "Pagern" Warnmeldungen an Schulen senden

Um die Kommunikation in akuten Krisensituationen zu verbessern, sind alle öffentlichen Schulen in Baden-Württemberg jetzt mit Alarmierungsgeräten ausgestattet. Mit Hilfe der sogenannten "Pager" sollen dann in Absprache mit dem Lagezentrum der Polizei Warnmeldungen an die Schulen verschickt werden. "Damit hat man jetzt die Möglichkeit, in kürzester Zeit, alle zu informieren", beschreibt Ulrich Jäck die Vorteile der Geräte.

Die "Pager" seien eine weitere Reaktion auf den Amoklauf in Winnenden 2009, als das Handynetz kurzzeitig zusammengebrochen war. Allerdings könnten die Schulen mit diesen nur Nachrichten empfangen. Notrufe nach außen könnten die Geräte keine senden. Allerdings würden die Verantwortlichen beim Land kontinuierlich an weiteren Maßnahmen arbeiten, wie sich Menschen im Amokfall am besten verhalten sollten.

So hat ein Expertenkreis, bestehend aus Vertretern der Polizei und politischer Gremien, erst vor einigen Wochen die Verwaltungsvorschrift über das Verhalten an Schulen bei Gewaltvorfällen und Schadensereignissen erneuert. Verhaltenshinweise im Fall der Amokdrohung und der Amoklage seien nun ausführlich berücksichtigt, heißt es in einer Pressemitteilung des Kultusministeriums. Es müsse sichergestellt sein, dass sich die Alarmsignale und Reaktionspläne an den Schulen je nach Gefahrensituationen klar unterschieden.

Gewisse Mitverantwortung für Schüler bei der Gewaltprävention

Abgesehen von den Krisenplänen seien die Karlsruher Schulen für Krisensituationen sensiblisiert, versichert Schulamtsdirektorin Elisabeth Groß gegenüber ka-news. "Das Thema ist in den Schulen sehr präsent und wird auch beim Schulamt regelmäßig besprochen." So seien die Schulen auch untereinander vernetzt und könnten im Gefahrenfall schnell handeln und miteinander in Kontakt treten.

Allerdings sei das Hauptziel, insgesamt ein Klima an den Schulen zu schaffen, in dem sich alle Schüler wohlfühlten und erst gar kein Aggressionspotential entwickelten. Prävention könne dabei viel ausrichten, ist sich Groß sicher. "Die Schulen tun dabei sehr viel." So gebe es Präventionsbeauftragte, die versuchen, das Gewaltpotential bei Schülern insbesondere mit Hilfe von Gesprächen zu reduzieren. Auch die Lehrer müssten sensibler auf ihre Schüler reagieren. "Ich denke schon, dass an allen Schulen ein Bewusstsein dafür vorhanden ist", ist die Amtsleiterin überzeugt.

Gleichzeitig müssten die Lehrern den Schülern eine gewisse Mitverantwortung bei der Prävention geben, indem sie darüber sprechen, wie man Amokläufe erst gar nicht geschehen lässt. "In diesem Zusammenhang kann man einiges tun, unter anderem durch entsprechendes Training", erläutert Groß. Die Zugangsweisen können jedoch, anhängig von der Schulsituation, recht unterschiedlich sein.

Mehr zu: Amoklauf Sicherheit Polizei Krisenplan Topmeldung



Kommentare [14]
Hinweis: Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung von ka-news wieder.
  • (227 Beiträge) | 23.05.2012 08:04
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    Amoklauf, der neue "Terrorismus"
    Es tut wirklich weh zu sehen, wie einmal mehr Gefahren fernab von aller Eintrittswahrscheinlichkeit aufgebauscht werden. Weckt mich, wenn es alle zwei Wochen einen Amoklauf gibt. Aber dann wäre die Berichterstattung darüber so selbstverständlich wie über tötliche Verkehrsunfälle.

    Ja, ernsthaft. Jeden Tag stirbt in Deutschland ein Schulkind. An Dingen, die nicht sein müßten. Aber da juckt es keinen, denn das passiert immer nur anderen, woanders. Aber genauso wie beim Terrorismus wird von den wirklich Lebensgefahren der Menschen sehr erfolgreich abgelenkt.
  • (81 Beiträge) | 22.05.2012 18:09
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    ka-news ...so aktuell wart ihr selten
    quasi schon der Zeit voraus.
    zum Glück ist in Memmingen bisher alles gut gegangen- hoffentlich finden sie den 15jährigen bald, ohne dass jemand zu Schaden kommt.
  • (5528 Beiträge) | 22.05.2012 15:38
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    Sorry
    "Amokläufe sind mittlerweile auch in Deutschland traurige Realität."
    Auch wenn Erfurt und Winnenden tragische Ereignisse waren,aber dieser Satz hört sich an,als gäbe es seit dem ständig Amokläufe.
    Und das ist nun wirklich nicht der Fall.
  • (3024 Beiträge) | 22.05.2012 12:05
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    Die
    Prävention gegen solche Amokläufe kann eigentlich nur die Einstellung von mehr Lehrern und kleineren Klassen sein, damit auf die Kinder besser eingegangen werden kann, damit die Kinder lernen in einer Gesellschaft zu Leben und nicht als Einzelkämpfer aufzuwachsen während ihre Eltern damit beschäftigt sind Geld zu verdienen um ihnen eine scheinbar gesicherte Zukunft zu sichern.

    Man könnte auch sagen gebt den Eltern mehr Geld und Zeit aber das ist ein anderes Kapitel.

    Soziale Kommunikation ist in der Schule angesagt und wenn das verpasst wird ist das der Anfang vom Ende.
  • (161 Beiträge) | 22.05.2012 11:41
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    Wer lesen kann ist klar im Vorteil...
    Ich schrieb zudem das ist schon ein guter anfang zum vorbeugen.das man nicht geschützt werden kann zu 100% ist auch klar.aber versuchen sollte man es die Kinder zu schützen...
  • (3 Beiträge) | 22.05.2012 11:24
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    Türknauf?
    So ganz leuchtet mir dieser Austausch der Türdrücker nicht ein:
    Es soll verhindert werden, dass ein Amokläufer in die Klassenräume eindringen kann, in denen sich die Schüler verschanzen können.
    Was aber passiert, wenn ein Amokläufer in der großen Pause loslegt, kein Schüler in die dank Knauf verschlossenen Klassenräume flüchten kann und es auf dem Flur ein freies Schußfeld mit vielen Kindern bietet.....
  • unbekannt
    (1272 Beiträge) | 22.05.2012 10:11
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    Dinge!
    Das muss auch noch dazu. Im Fernsehen schauen wir uns das Leben der reichen an. bzw. es wird ein MUSS auf dinge gelegt. Wenn du die nicht hast bist du Out. Es wird also schon im DisneyChannel damit angefangen!!! Es werden die Kinder, wie es auch schon McD. macht, zu Konsumzombies. Wenn dann die Kinder in Geldarmen Familien aufwachsen - wächst die Frustration etwas nicht zu haben sehr! Der Hass auf andere lässt das ganze dann in Gewalt ausarten. Kinder können sehr Grausam sein! Es ist wichtig was in einem bestimmten Alter vermittelt wird. Oft haben die Leute gar keine Zeit zu sehen was ihre Kinder machen. Das ist das Übel!
  • (4340 Beiträge) | 22.05.2012 11:11
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    Alles richtig,
    nur die Amokläufer In Erfurt und Winnenden stammen eben nicht aus "geldarmen" Familien.

    Es sind auch keine hochgradig Gestörten. Eher kalt geplant und deswegen schwierig zu entdecken.
  • (6277 Beiträge) | 22.05.2012 11:49
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    ?
    Was versteht man denn unter hochgradig gestört?
    Die waren auffällig unauffällig. Das Problem ist immer, wie solche jungen Leute, bei denen sich etwas angesammelt hatte, dann noch an Waffen kommen.
  • (3024 Beiträge) | 22.05.2012 11:35
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    Aber
    sie waren Außenseiter!

    Ich glaub das meint "Defendor".
  • unbekannt
    (1272 Beiträge) | 22.05.2012 10:05
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    Kranke Gesellschaft!
    Da les ich was von "von aussen die Türklinken entfernt". Vielleicht sollte man sich Fragen wie diese gemacht werden ?
    Es geht los mit Mobbing. Dann bilden sich Gruppierungen in der Schule. Die haben das sagen und die bestimmen wer in/out ist. Bestimmte Personen werden also solange lächerlich gemacht oder blosgestellt bis sie austicken. Sie Columbine Highscool.

    Was getan werden kann:
    Einheitliche Schuluniform!
    - Ein ganz wichtiger Aspekt der die Schüler auch zusammenführt und es kommt eine Einheit zustande.
    - Keine Wertgegenstände in der Schule. Hier mein neues Handy! Nein, gar nichts! Hatten wir damals auch nicht braucht keiner!
    - Kameras in Gängen und Zimmer.
    - Teambildende maßnahmen! Kletterpark oder sonstige geschichten wo der eine auf den anderen achtgeben muss!
    - Ethik für alle! Wertevermittlung. z.b. jemand hat sich jahrelang was aufgebaut. Person x kommt her und Zerstört es. Das MUSS vermittelt werden!
    Sollte das alles nichts helfen könnt ihr eure Türklinge komplett Abschra
  • (227 Beiträge) | 23.05.2012 08:12
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    Ja, natürlich
    Zitat von Defendor
    - Kameras in Gängen und Zimmer.- Kameras in Gängen und Zimmer.

    Und unbedingt auch noch auf den Toiletten!

    OK, mal ohne Sarkasmus: Was soll das bringen? Und zu den anderen Sachen, wie soll das funktionieren? Die Kinder wachsen in einer immer kaputteren Gesellschaft auf. Du kannst nicht Ethik und Wertevermittlung fordern, während draußen nur noch Egoismus, Imponiergehabe und Gewalt herrschen, sowieso sind die sehr verwurzelt, die kannst Du nicht durch Verbote überwinden. Totalkontrolle und Überwachung erzeugen nur Druck, keine freien Menschen, verlagern unerwünschters halt aus der Schule heraus. Wenn Du das willst, bitte. Aber willst Du das?
  • (152 Beiträge) | 22.05.2012 06:39
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    Vorbeugen
    damit ein Amoklauf garnicht erst zustande kommt, wäre wünschenswert! Bei meinen Söhnen (5.&7. Klasse) sind schon einige Vorfälle gewesen, wo die Schule viel härter reagieren müßen. Es wurden z. B. schon Messer bei Mitschülern gefunden, die stolz damit auf dem Schulhof rumgefuchtelt haben, oder mit Haarspray und Feuerzeug die Büsche angefackelt haben. Es ist erschreckend, daß bei solchen Aktionen keine Reaktion der Schulleitung kommt! Und vorallem sollten die Eltern solcher Kinder in die Verantwortung genommen werden!!
  • (161 Beiträge) | 22.05.2012 09:19
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    Bei uns...
    ...in der Grundschule meines Sohnes (Südstadt) wurden an den Klassenzimmertüren von aussen die Türklinken entfernt,für den fall eines Amoklaufes gibt es ein besonderes Klingeln und der Täter kann nicht einfach in ein Klassenzimmer stürmen. Das ist schon ein guter Anfang zum vorbeugen
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