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Karlsruhe Amoklauf: So schützen sich Karlsruher Schulen

Im April jährte sich der Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt zum zehnten Mal. 2002 hatte dieser die gesamte Republik erschüttert, denn nie zuvor hatte sich in Deutschland ein solcher Vorfall ereignet. Seit diesem und dem Amoklauf 2009 in Winnenden haben Bund und Land verschiedene Maßnahmen ergriffen, um Amokläufe zu verhindern beziehungsweise in einem solchen Fall souverän zu handeln. Auch die Karlsruher Schulen haben Krisenpläne für den Notfall entwickelt.

Ein junger Mann geht in eine Schule, packt eine Waffe aus, schießt wahllos um sich - ein Szenario, das vor 2002 eher an einen Action-Film Marke Hollywood erinnerte, als an eine real mögliche Situation. Doch mit dem Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium hat sich das grundlegend geändert. Amokläufe sind mittlerweile auch in Deutschland traurige Realität.

Erfurt zwang zum Umdenken

"Die Situation 'Amok in Deutschland' gab es bis dahin nicht", erinnert sich Ulrich Jäck, Fachkoordinator "Amok" bei der Karlsruher Polizei. Deshalb hätten sich die Verantwortlichen vorher nicht so umfassend mit dem Thema befasst. "Nach Erfurt wurde dann umgedacht, weil man plötzlich eine Situation vor sich hatte, die es vorher noch nicht gab", berichtet Jäck. Erst mit diesem tragischen Ereignis habe man die Notwendigkeit dazu erkannt.

Bereits seit einigen Jahren existiert nun eine Verwaltungsvorschrift des baden-württembergischen Kultusministeriums, die die Schulen im Land dazu verpflichtet, sogenannte Krisenpläne zu konzipieren und Krisenteams zu ernennen. "Die Schulen erstellen individuelle Pläne und geben diese an den zuständigen Polizeiposten weiter", erläutert der Experte. Die Krisenpläne umfassten neben den Gebäudeplänen auch die Namen der Ansprechpartner. "Die Einsatzkräfte müssen wissen, wo sie hinfahren müssen und wer vor Ort verantwortlich ist."

Mit "Pagern" Warnmeldungen an Schulen senden

Um die Kommunikation in akuten Krisensituationen zu verbessern, sind alle öffentlichen Schulen in Baden-Württemberg jetzt mit Alarmierungsgeräten ausgestattet. Mit Hilfe der sogenannten "Pager" sollen dann in Absprache mit dem Lagezentrum der Polizei Warnmeldungen an die Schulen verschickt werden. "Damit hat man jetzt die Möglichkeit, in kürzester Zeit, alle zu informieren", beschreibt Ulrich Jäck die Vorteile der Geräte.

Die "Pager" seien eine weitere Reaktion auf den Amoklauf in Winnenden 2009, als das Handynetz kurzzeitig zusammengebrochen war. Allerdings könnten die Schulen mit diesen nur Nachrichten empfangen. Notrufe nach außen könnten die Geräte keine senden. Allerdings würden die Verantwortlichen beim Land kontinuierlich an weiteren Maßnahmen arbeiten, wie sich Menschen im Amokfall am besten verhalten sollten.

So hat ein Expertenkreis, bestehend aus Vertretern der Polizei und politischer Gremien, erst vor einigen Wochen die Verwaltungsvorschrift über das Verhalten an Schulen bei Gewaltvorfällen und Schadensereignissen erneuert. Verhaltenshinweise im Fall der Amokdrohung und der Amoklage seien nun ausführlich berücksichtigt, heißt es in einer Pressemitteilung des Kultusministeriums. Es müsse sichergestellt sein, dass sich die Alarmsignale und Reaktionspläne an den Schulen je nach Gefahrensituationen klar unterschieden.

Gewisse Mitverantwortung für Schüler bei der Gewaltprävention

Abgesehen von den Krisenplänen seien die Karlsruher Schulen für Krisensituationen sensiblisiert, versichert Schulamtsdirektorin Elisabeth Groß gegenüber ka-news. "Das Thema ist in den Schulen sehr präsent und wird auch beim Schulamt regelmäßig besprochen." So seien die Schulen auch untereinander vernetzt und könnten im Gefahrenfall schnell handeln und miteinander in Kontakt treten.

Allerdings sei das Hauptziel, insgesamt ein Klima an den Schulen zu schaffen, in dem sich alle Schüler wohlfühlten und erst gar kein Aggressionspotential entwickelten. Prävention könne dabei viel ausrichten, ist sich Groß sicher. "Die Schulen tun dabei sehr viel." So gebe es Präventionsbeauftragte, die versuchen, das Gewaltpotential bei Schülern insbesondere mit Hilfe von Gesprächen zu reduzieren. Auch die Lehrer müssten sensibler auf ihre Schüler reagieren. "Ich denke schon, dass an allen Schulen ein Bewusstsein dafür vorhanden ist", ist die Amtsleiterin überzeugt.

Gleichzeitig müssten die Lehrern den Schülern eine gewisse Mitverantwortung bei der Prävention geben, indem sie darüber sprechen, wie man Amokläufe erst gar nicht geschehen lässt. "In diesem Zusammenhang kann man einiges tun, unter anderem durch entsprechendes Training", erläutert Groß. Die Zugangsweisen können jedoch, anhängig von der Schulsituation, recht unterschiedlich sein.

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