Ein Jahr kann ziemlich schnell um sein - zumindest im Nachhinein betrachtet. Jetzt heißt es Abschied nehmen von Bilwi, der Atlantikküste und der ka-news-Serie.
Es war vorauszusehen, aber nicht zu ändern. Der Regen rauscht in der Ferne, der Regen kommt näher und der Regen prasselt heftig auf mich ein. Es dauert nur ein paar Sekunden und die Kleider triefen vor Nässe. Unterstellen lohnt sich jetzt auch nicht mehr, also laufe ich weiter. Auf beiden Seiten der matschigen Sandstraße fließen rotbraune Bäche entlang. Bald wird das für mich anders sein. Das Jahr in Puerto Cabezas/Bilwi ist in Kürze zu Ende. In Deutschland wird dann der Regen nicht mehr so stark sein, dafür aber deutlich kälter. Und die Straßen sind dann auch geteert.
Unbekannte Früchte und vieles mehr
 | Bald gibt es anderen Regen... (Foto: Sebastian Erb) |
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Vor knapp einem Jahr bin ich, Sebastian Erb, an die Karibikküste nach Nicaragua geflogen, um dort im Rahmen des "Freiwilligen Friedensdienstes" der Evangelischen Landeskirche in Baden für zwölf Monate zu leben und zu arbeiten. Die Möglichkeit letzteres zu tun, musste ich mir meistens selbst suchen. Aber ich konnte mich sinnvoll einbringen, konnte den Schülern etwas beibringen, ihren Horizont erweitern. Auch bei anderen Gelegenheiten konnte ich helfen, ob nun größere oder kleinere Dinge zu erledigen waren.
Ich habe ein Land und besonders eine Region kennengelernt. Bin die knapp 600 Kilometer von der Hauptstadt Managua an die Ostküste mit dem Bus gefahren, einen Großteil der Strecke über ungemütliche Sandpisten (und das einmal sogar in rekordverdächtig schnellen 15,5 Stunden). Ich habe Kokosnüsse leergetrunken, Früchte gegessen, von denen ich keine Ahnung haben, wie sie auf Deutsch heißen und war an Orten, an denen es keine Softdrinks großer US-amerikanischer Brausehersteller gibt (da muss man übrigens ganz schön weit in den Urwald hineinlaufen). Und oft habe ich auch auf irgendetwas gewartet oder einfach nichts getan, hier gewöhnliche Beschäftigungen, die ich erst einmal lernen musste und an die ich mich bis heute nicht vollständig gewöhnt habe.
Erfahrungen, die man in Deutschland nicht machen kann
 | | ... anderes Essen... (Foto: Sebastian Erb) |
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Vor allem habe ich viele Menschen getroffen in diesem Jahr. Die meisten mit einem ganz anderen Lebenshintergrund. Viele, mit denen ich mich nett und lange unterhalten konnte, einige, die ich vermissen werde und auch ein paar, wo ich ganz froh bin, sie nicht mehr wieder zu sehen (zum Beispiel die Straßengangs in Managua). Ich war nicht im Urlaub hier, nicht als Tourist. Ich konnte mit den Leuten anders umgehen als einer der kommt, ein paar Fotos macht und wieder geht. Ich bin überzeugt davon, dass das ein wichtiger Beitrag zur Völkerverständigung ist.
Einen kleinen Teil meiner Erfahrungen und Erlebnisse konnten auch die ka-news-Leser in dieser Serie mitempfinden, die mit diesem Artikel ihren Abschluss empfindet. Geschichten aus einer Region, die auf ihre Weise etwas ganz besonderes ist. Wobei: Jeder Artikel, jedes Foto und selbst ein Film zeigt nur einen kleinen Ausschnitt der Realität. Wirklich erfahren kann nur der, der sich selbst auf den Weg macht und genügend Zeit mitbringt.
 | ...und die Wäsche wird auch nicht mehr von Hand gewaschen (Foto: Sebastian Erb) |
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Aber eine Nachricht hat die Leser anscheinend erreicht: Der großen Mehrheit in Deutschland geht es, zumindest materiell, nicht schlecht. Trotz oder gerade wegen der (schwachen?) Konjunktur, Hartz IV und Co. Nur mal so als Vorschlag: Mit weniger Jammern geht alles ein bisschen besser und das Leben macht auch mehr Freude.
Ich bin gespannt, was sich verändert hat in Deutschland, in Karlsruhe. Dank Internet und Radio war ich zwar nicht abgeschnitten vom Informationsfluss, der manch regelrecht lächerliches Thema mitsichbrachte, von hier aus betrachtet. Aber hier wie dort sind es Kleinigkeiten, die einem auffallen. Oder vielleicht werde ich manche Dinge nur anders wahrnehmen, weil ich mich verändert habe?
Ein bisschen Costeño
Interessant wird auch sein, mit den Freiwilligen, die ein Jahr in anderen Ländern verbracht haben, zu reden und Erfahrungen auszutauschen. Viele Erlebnisse werden wohl ähnlich sein und manche ganz anders. Ich habe in einem "Entwicklungsland" gelebt. Dieser sehr theoretische Begriff wurde lebendig, trotz aller Widersprüche. Vieles hier ist mir immer noch etwas fremd, aber zu einem Teil bin ich auch zum Costeño geworden.
 | | ¡Adios Bilwi! Aisabe! See you, man (Foto: Sebastian Erb) |
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Jetzt gehe ich bald. Freue mich auf zu Hause, auf Deutschland, ein Land, das glaube ich gar nicht so schlecht ist zum Leben wie alle immer tun. Und zugleich empfinde ich Wehmut, werde bestimmt einiges vermissen. In einem bin ich mir sicher: Ich komme wieder an die Costa. Irgendwann...
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