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Karlsruhe AVG trifft Politik: "Land will Karlsruher Modell nicht zerstören"

Politiker der Grünen-Landtagsfraktion besuchten in der vergangenen Woche die AVG-Leitstelle in der Karlsruher Tullastraße. Zuvor tauschten sich die Abgeordneten in einem Gespräch mit Verantwortlichen der Albtalverkehrsgesellschaft (AVG) aus. Es ging unter anderem um die Herausforderungen beim Betrieb der Eisenbahninfrastruktur und die anstehenden Ausschreibungen im Schienenpersonennahverkehr. Hat das "Karlsruher Modell" eine Zukunft?

Die Landespolitiker wollten bei ihrem Besuch wissen: Wie funktioniert das Karlsruher Modell, wie ist die AVG aufgestellt, wo gibt es Probleme? Der Karlsruher Landtagsabgeordnete Alexander Salomon (Grüne) war auch bei den Gesprächen dabei. "Insgesamt kann man sagen, die AVG ist gut aufgestellt", so Salomon gegenüber ka-news.

Karlsruher Modell: "Land hat kein Interesse dieses Vorzeigemodell zu zerstören"

Auch Befürchtungen, das Karlsruher Modell sei durch eine neue Wettbewerbspolitik in Gefahr, erteilte Salomon erneut eine Absage: "Das Karlsruher Modell ist nicht bedroht, das Land hat kein Interesse dieses Vorzeigemodell zu zerstören". Im Gegenteil: Es könnte sogar Vorbild für andere Verkehrsverbünde im Land sein, so der Grünen-Politiker. "Diese Mischform aus Eisenbahn- und Straßenbahnbetrieb hat Vorbildcharakter. Auch als Infrastrukturbetreiber geht die AVG mit positivem Beispiel voran." Die AVG betreibt insgesamt 285 Kilometer an Streckeninfrastruktur. Davon gehören 113 Kilometer der AVG, 172 Kilometer sind gepachtet.

Doch auch für die AVG soll es keinen Freifahrtschein geben. So müsste auch das Karlsruher Modell auf den Prüfstand. Es müsse gepürft werden, ob wirklich jede Strecke bis in den letzten Winkel von der AVG betrieben werden müsse. So gebe es im Umland vielleicht Strecken, bei denen es mehr Sinn mache und wirtschaftlicher sei, wenn sie von einem anderen Unternehmen betrieben würde, so Salomon. Das betreffe aber keine Linien, die in die Karlsruher Innenstadt fahren.

"Die Landesregierung steht voll und ganz hinter dem 'Karlsruher Modell'", betonte auch Gisela Splett, Staatssekretärin im baden-württembergischen Verkehrsministerium, bereits im November. Nur auf Linien, welche das Karlsruher Innenstadtnetz gar nicht berühren und die keine besonderen Zweisystemfahrzeuge erfordern, werde sich die AVG mittelfristig, ebenso wie die Deutsche Bahn, dem Wettbewerb stellen müssen, so Splett.

Landesregierung will Wettbewerbspolitik fördern

Die Staatssekretärin reagierte damit auf Äußerungen des Karlsruher Oberbürgermeisters und Aufsichtsratsvorsitzenden des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) und der AVG, Heinz Fenrich, sowie Walter Casazza, Geschäftsführer des KVV und der AVG. Diese hatten sich mit deutlichen Worten gegen eine pauschale Ausschreibung von Schienenleistungen durch das Land Baden-Württemberg an die Öffentlichkeit gewandt. Denn sie sehen durch die Pläne des Ministeriums das "Karlsruher Modell in ernster Gefahr". Ihre Befürchtungen: Bei einer Ausschreibung und den dann geltenden gleichen Bedingungen für alle, müssten die Stadtbahnlinien so angepasst werden, dass sie nur noch zum Hauptbahnhof Karlsruhe fahren, da andere Anbieter als die AVG weder die Zweisystem-Fahrzeuge noch das entsprechende Personal zur Durchfahrt durch die Innenstadt haben.

Kurz zuvor hatte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) angekündigt, er wolle das Bahn-Monopol im Nahverkehr brechen und damit für einen bezahlbareren und besseren Service auf der Schiene sorgen. Dabei will der Grünen-Politiker vor allem auf mehr Wettbewerb zwischen den Anbietern von Nahverkehrsleistungen und Landeshilfen für Konkurrenten der Bahn setzen. Insbesondere die Netze S-Bahn Rhein-Neckar, Breisgau und Stadtbahn Karlsruhe müssten überarbeitet werden, weil dort jährliche Mehrkosten von insgesamt 150 Millionen Euro drohten, die durch Vergabegewinne bei anderen Netzen nicht hätten aufgefangen werden können.

Karlsruher Modell: 177,5 Millionen Fahrgäste jährlich

Aktuell laufen bereits Ausschreibungen von Schienenverkehrsleitungen für AVG-Strecken. Wie stehen die Chancen für einen AVG-Zuschlag? "Das entscheiden nicht wir selbst", so Stefanie Haaks. Die AVG sei allerdings zuversichtlich. Mehr wollte die Prokuristin der AVG gegenüber ka-news nicht zu den anstehenden Ausschreibungen sagen.

Das in Karlsruhe entwickelte Verkehrssystem "Karlsruher Modell" ist weltbekannt. Das besondere daran: die speziellen Zweisystem-Stadtbahnen können sowohl als Eisenbahn in der Region wie auch als Straßenbahn in der Stadt unterwegs sein. Fahrgäste können ohne umzusteigen vom Umland direkt bis in die Innenstadt fahren. So können beispielsweise die Fahrgäste in einem Zug von Bad Herrenalb bis zum Karlsruher Europaplatz reisen. Mit dem Karlsruher Modell werden jährlich etwa 177,5 Millionen Personen befördert.

Siehe auch:

Karlsruher Modell: Heftiger Streit um Bahnverkehr entbrannt

Karlsruher Modell in Gefahr? Casazza kritisiert Minister

Staatsekretärin Splett weist Kritik zurück: Karlsruher Modell nicht gefährdet

Die Pressemittelung des Ministeriums im Wortlaut

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Kommentare (19)
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  • 0
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    19.02.2013 01:15
    Zum Glück
    werden die Autobahnen ausgebaut!

    Bis die Bahnvögel ihr explodiertes Vorzeigemodell wieder fahrbar gemacht haben ist 50 % der Kunddschaft wieder aufs Auto umgestiegen. Mit der Bahn fährt doch nur noch wer gar keinen anderen Ausweg hat.
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  •   Wuehlmaus
    (3488 Beiträge)

    18.02.2013 18:19
    Mal über den Tellerrand schauen
    Mit der Regio Karte ist man für 51,- Euro in den Landkreisen Emmendingen, Freiburg Land und Freiburg Stadt unterwegs.

    Hier in KA muß man 100,- Euro von Grötzingen nach Pforzheim (eine Linie, 30min) blechen.

    Somit stellt sich mir die Frage, wer mit dem KA Modell einen Erfolg hat.
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    18.02.2013 15:49
    Das einzige was
    zu zerstören wäre ist der innerstädtische Autoverkehr allerdings nicht durch Gängelei, sondern durch eine konsequente und überzeugende Weiterentwicklung des öffentlichen Verkehrs, welche zuletzt doch arg an Schwung verloren hat und das nah wie fern. Ein Blick über die Grenze (nein, nicht in die Pfalz) zeigt, wie es besser geht.
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  •   ramius
    (128 Beiträge)

    18.02.2013 12:28
    Wieso
    entstehen denn bei der Stadtbahn Karlsruhe jährliche Mehrkosten von 150 Millionen Euro?
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  •   vielfahrer
    (410 Beiträge)

    18.02.2013 15:18
    nicht nur
    Karlsruhe, sondern zusammen mit anderen, großen Verkehrsverbünden. Die Mehrkosten sind wohl unter anderem mit der Anschaffung neuer Fahrzeuge begründet und da beißt sich die Katze in den Schwanz. Wenn - beipielsweise - die AVG neue Fahrzeuge kauft und sich diese Fahrzeuge von den Landkreisen (ÖPNV-Bestellern) bezuschussen lässt, die Fahrzeuge dann aber auch auf anderen Strecken einsetzt, dann wäre das wohl Wettbwerbsverzerrung. Deshalb muss jede Strecke einzeln betrachtet werden, so wie wenn die Wettbewerber ihre Fahrzeuge selbst (und möglicherweise nur wegen dieser Strecke) kaufen müssten.
    Alles nicht ganz einfach und schon gar nicht transparent, aber es geht mit Sicherheit nicht um das Kerngebiet des Karlsruher Modells, sondern eher die Randgebiete rings um Freudenstadt, Heilbronn usw.
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  •   ettlinger
    (133 Beiträge)

    18.02.2013 08:52
    Schienenverkehrsleitungen?
    Zitat von Artikel Aktuell laufen bereits Ausschreibungen von Schienenverkehrsleitungen für AVG-Strecken


    Was soll das sein? zwinkern
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  •   mueck
    (8793 Beiträge)

    18.02.2013 12:09
    ?
    ... das wer anderes die Organisation der AVG-Strecken leiten soll? *flöt* zwinkern
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  •   lenkdreiachser
    (340 Beiträge)

    18.02.2013 08:14
    Vergabe als Chance
    Ich sehe durchaus auch eine Chance darin, die reinen 15kV-Strecken unter derzeitiger AVG-Obhut in den Wettbewerb zu geben. Mittlerweile zeigen sich doch deutlich die Grenzen des Möglichen. Wo ein "Übervater" Ludwig den komplexen Betrieb noch einigermaßen beherrschen konnte, sieht es nach seinem Abgang ziemlich düster aus. Es ist sicher nicht verkehrt, unter diesen Rahmenbedingungen an eine Schrumpfungsstrategie zu denken und sich auf die verbleibenden Strecken zu konzentrieren. Das bietet noch genügend Herausforderungen! Nachdem sich bei den Neufahrzeugen bereits ein langwieriges Zulassungsdrama abzeichnet, würde dies der AVG sogar mehr Luft zum Atmen geben. Und generell stellt sich für mich auch die Frage der Sinnhaftigkeit, auf reinen und sehr langen EBO-Strecken die teure Zweisystemtechnik herzumzuschleppen. Da sehe ich für die Fahrzeuge nutzbringendere Einsatzgebiete.
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  •   Smallwood
    (1478 Beiträge)

    18.02.2013 17:23
    richitig
    die avg muss keinesfalls bis bietigheim bissingen fahren, und damit bis vor die tore stuttgarts. andererseits muss man sich nun ebenfalls überlegen, was mit überschüssigen fahrzeugen passiert, falls die avg mehr strecken verliert, statt gewinnt.

    im bus-linienbündel ettlingen 1, hat die avg kürzlich als 100% städtische tochter gegen südwestbus (DB) auch den kürzeren gezogen. man muss sich natürlich hinterfragen, was dann mit überschüssigen kapazitäten geschieht und ob sowas im sinne der allgemeinheit ist, wenn zum teil busse mit rastatter oder VRN aufklebern durch die dörfer tuckern. die verantwortlichen politker, sollten sich mal lieber über ihre tochterunternehmen kümmern und druck ausüben. am ende soll es dem bürger dienen und nicht auf teufel komm raus immer nur an den billigheimer denken. bei großbaustellen sieht man ja , was dann passiert, wenn man immer nur an die billigsten firmen vergiebt, wie es die gestzlage leider vorgibt und man europaweit ausschreibt.
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  •   ralf
    (3487 Beiträge)

    18.02.2013 23:52
    Bietigheim-Bissingen
    Es gibt Überlegungen, die S5 zukünftig in Pforzheim enden zu lassen und stattdessen die S6 von Bad Wildbad nach Bietigheim-Bissingen zu verlängern. Problem beim Einsetzen von Einsystem-Eisenbahnfahrzeugen auf der S6 ist aber die Stadtdurchfahrt in Bad Wildbad. Hier können wieder nur Zweisystemer fahren.
    Vielleicht einfach die S5 von Wörth nach Bad Wildbad fahren lassen und zwischen Pforzheim und Bietigheim-Bissingen Eisenbahn-Einsystemer einsetzen? Auch auf der S9 könnte man eigentlich reine Eisenbahnfahrzeuge einsetzen. Bei S31 und S32 wegen gemeinsamen Umläufen mit S4 und S41 (sowie Sondergenehmigungen auf den nördlichen Ästen?) Einsatz reiner Eisenbahnfahrzeuge eingeschränkt möglich.

    Was passiert mit den Fahrzeugen? Evtl. reicht die Kapazität dann auf den anderen Strecken mal wieder. Zudem wird das Netz der Heilbronner Stadtbahn wohl in den nächsten Jahren ausgebaut und die erste Generation wegen U-Strab Inkompatibilität langsam ausgemustert.
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