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Karlsruhe 19.000 Euro für Tablets: Konnte der Gemeinderat die Papierflut stoppen?

Ein Schritt in die Zukunft: Vor rund einem Jahr sagte die Karlsruher Stadtverwaltung der Zettelwirtschaft in einem ersten Schritt den Kampf an. Um den Papierverbrauch zu senken und die ehrenamtliche Arbeit zu erleichtern, wurden den Stadträten Tablets ausgehändigt. Ging der Plan auf?

Anträge, Beschlussvorlagen und Bebauungspläne - das kann sich vor Gemeinderatssitzungen schnell zu  großen Papierbergen anhäufen. Diese Zettelwirtschaft gehört seit jeher zur Arbeit eines Stadtrats. Vor rund einem Jahr beschloss die Karlsruher Stadtverwaltung diese Arbeit ein Stück weit leichter zu machen und klimafreundlicher zu optimieren.

Mehrere Tausend Euro für neues Angebot

Die Idee: Die Karlsruher Stadträte sollen die Unterlagen in digitaler Form abrufen können. Dafür stellte die Stadt den Gemeinderatsmitgliedern Tablets für ihre Arbeit zur Verfügung. Kostenpunkt: 400 Euro pro Stück zuzüglich Mobilfunkkosten. Gerechnet auf 48 ehrenamtliche Stadträte ergibt sich damit ein Betrag von mindestens 19.200 Euro. Bereits kurz nach der Bereitstellung wurde das Angebot von fast allen Mitgliedern genutzt.

Die Stadt erhoffte sich, den jährlichen Verbrauch von mehreren hunderttausend Blatt Papier senken zu können. Zudem sollen Druck- sowie Versandkosten minimiert werden. Nach einer Eingewöhnungsphase kündigte die Stadt an, Sitzungsunterlagen in Papierform insgesamt deutlich reduzieren zu wollen.

Ein Drittel der Stadträte setzt auf digital

"Die Möglichkeit, Sitzungsunterlagen für bestimmte Gremien ausschließlich elektronisch zu erhalten, wurde mit Beginn dieses Jahres eröffnet", erklärt eine Sprecherin der Stadt auf Nachfrage von ka-news. Die bisherige Handhabe: Die Stadträte bekamen die Unterlagen in Papierform ausgehändigt. Nun haben sie die Wahl.

Wirft man 2016 einen Blick in den Sitzungssaal im Karlsruher Rathaus fällt auf: Noch immer türmen sich auf manchen Tischen Papierberge - neben den Tablets. Vereinzelt wandern die Unterlagen noch während der Sitzung in den Mülleimer. Widerspricht das nicht dem Ziel der Verwaltung?

Eine klare Antwort auf diese Frage scheint es nicht zu geben. Während im Vorfeld angekündigt wurde, langfristig und konsequent Papier einsparen zu wollen, scheint es mittlerweile so, als seien die Tablets lediglich ein zusätzliches Angebot für die Stadträte. Wie viel Papier tatsächlich eingespart wurde, kann die Stadt auf Nachfrage von ka-news noch nicht konkret beziffern.

Tablets sollen Arbeit erleichtern

Dennoch: "In den ersten Wochen haben sich bereits über ein Drittel der Mitglieder des Gemeinderates bereit erklärt, auf Unterlagen in Papierform teilweise oder vollumfänglich zu verzichten", erklärt die Stadt. Bei den Stadträten kommt das Angebot gut an. Daran will die Stadt weiter festhalten.

"Da die Sitzungsunterlagen immer umfangreicher werden, ist eine Unterstützung durch digitale Technik unabdingbar", betont die Pressesprecherin, "die Möglichkeit eines mobilen Zugriffs auf Dokumente ist im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Ehrenamt, Beruf und Familie eine Notwendigkeit."

Die nachhaltige Einsparung von Ressourcen sei für die Stadt aber nicht nur ein "untergeordneter Begleiteffekt", sondern durchaus ein weiteres wichtiges Ziel. Das Angebot für die digitale Gremienarbeit werde in den nächsten Monaten durch die Stadtverwaltung schrittweise erweitert, so dass weitere Einsparungen bei den  papiergebundenen Unterlagen realisierbar werden, so die Pressesprecherin abschließend.

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