Ettlingen Ettlinger Wattkopftunnel für Unglücke gerüstet - Fluchtstollen in Betrieb

Noch vor wenigen Tagen sorgte ein tragischer Unfall im Wattkopftunnel für Aufsehen, als ein 19-Jähriger dort den Freitod suchte. Am Freitag hat Staatssekretärin Gisela Splett den fertigen Fluchtstollen des Tunnels in Betrieb genommen. Seit November 2008 war der Stollen nachgerüstet worden, um die gestiegenen Sicherheitsstandards zu erfüllen.

Bei der Einweihungszeremonie spielte auch der Suizid vom Mittwoch eine Rolle. "Dieser tragische Unfall führt uns vor Augen, wie wichtig das sicherheitsrelevante Nachrüsten im Wattkopftunnel war", waren sich Staatssekretärin Gisela Splett und Ettlingens Oberbürgermeister Johannes Arnold einig.

Bauzeit: 2008 bis 2012

"Wir sehen es als unsere Aufgabe an, vermeidbare Gefahren durch den Straßenverkehr auf das Möglichste zu reduzieren", so Splett weiter. Dazu gehöre auch, Tunnel nach dem neuesten technischen Standard zu prüfen und gegebenenfalls nachzurüsten. Denn nachdem in den vergangenen Jahren vor allem in den Alpenländern schwere Tunnelunglücke passiert waren, wurden die Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln (RABT) aktualisiert.

Bei dem 1.950 Meter langen, einröhrigen Wattkopftunnel, der nach den Richtlinien aus dem Jahr 1988 gebaut wurde, mussten unter anderem Notausgänge sowie Flucht- und Rettungswege nachgerüstet werden. So investierte das Land Baden-Württemberg insgesamt rund 28 Millionen Euro in den Bau eines parallel zum Wattkopftunnel verlaufenden Fluchtstollens sowie die richtlinienkonforme Modernisierung der Betriebstechnik im Wattkopftunnel selbst. Die Bauzeit begann im November 2008. Nach seiner Fertigstellung ist der Fluchtstollen nun 1.550 Meter lang, befahrbar, läuft im parallelen Abstand von 25 Metern zum Straßentunnel und verbindet ihn mit insgesamt sechs Querschlägen im Abstand von rund 270 Metern.

Videokameras und Lautsprecher

Zur Belüftung des Rettungsstollens und zur Vermeidung, dass Rauchgase im Unglückfall in die Notausgänge eindringen können, wurden drei Strahlventilatoren in einem außenliegenden Lüftergebäude installiert. Für die Überwachung des Fluchtstollens sind im Abstand von etwa 80 Metern Videokameras an der Decke angebracht. Zur Kommunikation im Rettungsstollen dienen 37 Lautsprecher. Sämtliche sicherheitstechnischen Einrichtungen werden automatisch bei Öffnung einer Fluchttür oder eines Brandalarms aktiviert. Außerdem werden die Videobilder direkt an das Polizeipräsidium übertragen, von wo aus auch Lautsprecherdurchsagen gemacht werden können.

Zur Herstellung des 3,10 Meter hohen und 2,80 Meter breiten Fluchtstollens musste rund 36.000 Kubikmeter Fels- und Erdmaterial ausgebrochen werden, etwa zwei Drittel davon im Sprengvortrieb. Des Weiteren wurden rund 31.000 Quadratmeter Spritzbetonsicherung aufgebracht, 22.000 Quadratmeter Dichtungsbahn verlegt, 6.000 Kubikmeter Beton eingebracht und 800 Tonnen Stahl verbaut.

Tunnelpatin vertritt heilige Barbara

Für den Regierungsbezirk Karlsruhe ist und bleibt diese sicherheitsrelevante Nachrüstung von Tunnelbauwerken kein Einzelfall. Derzeit laufen in Baden-Baden an der B500 die Arbeiten am Michaelstunnel. Noch in diesem Jahr beginnen die Nachrüstarbeiten im Tunnel Gernsbach im Zuge der B462, im Tunnel Grötzingen an der B10 und im Meisterntunnel an der L351 bei Bad Wildbad.

Tunnelpatin ist in Ettlingen Rosemarie Vetter. Sie hatte zum zweiten Mal das wichtige Amt der irdischen Vertreterin der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute und Mineure übernommen und bereits die Baumaßnahme des Wattkopftunnels begleitet.

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