Bruchsal Heimatforscher Thomas Adam: Wo man sich dem Kraichgau zugehörig fühlt

Durlach und Besigheim im äußersten Süden, Heidelberg und Aglasterhausen im Norden: Nach fast zwei Jahren und 60 Vorträgen ist für den Heimatforscher Thomas Adam seine Autoren-Lesereise zu Ende gegangen, auf die er sich im Sommer 2010 mit "Kleinen Geschichte des Kraichgaus" begeben hat.

Bei allen Lesestationen des bereits in zweiter Auflage erschienenen Buches kam immer wieder die Frage an das Publikum auf, ob man sich hier dem Kraichgau zugehörig fühle. "Insbesondere an den Rändern grenzt man sich durchaus ab", beschrieb der Autor seine gewonnenen Erfahrungen. "Die Menschen dort verstehen sich eher als Pfinzgauer, Enztäler, Zabergäuer und Kurpfälzer, selten nur als Kraichgauer."

"Revolutionäre Sprachgrenze" im Kraichgau

Selbst im Herzen des Kraichgaus, östlich von Eppingen, werde zuweilen das Detail über das Ganze gestellt: Dort erinnerten sich manche noch der historischen Zugehörigkeit zum so genannten Gartachgau und würden unter Berufung darauf einen sachten Grenzstrich ziehen. Auch wenn der archaische Begriff selbst urkundlich letztmals im Hochmittelalter verwendet wurde.

Den Kraichgau durchziehe eine "revolutionäre Sprachgrenze", gab Adam zu schmunzeln. Den Begriff "heckerisch" beispielsweise für einen, der sich aufsässig und vorlaut gebe, kenne man vom revolutionären Achtundvierziger Friedrich Hecker, der in Eichtersheim bei Sinsheim geboren wurde. Sein Versuch, Mitte des 19. Jahrhunderts aus Baden eine demokratische Republik zu machen, sei am Hochrhein im Kugelhagel gescheitert.

Jenseits des Anekdotischen, betont Adam, sei es ihm immer auch darum gegangen, bei seinen Zuhörern Interesse für die Landschaft zu wecken, in der sie leben. "Geschichte hat nicht irgendwo stattgefunden, sondern stets an einem konkreten Ort, und oft genug vor unserer Haustüre", ist sich Adam sicher.

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