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Karlsruhe Margret Mergen im Interview: Darum will ich Stadtoberhaupt werden

Mit ihrer Ankündigung, für die CDU als Oberbürgermeisterin kandidieren zu wollen, hat Margret Mergen Anfang Januar viele überrascht. Im Interview mit ka-news-Redaktionsleiter Felix Neubüser spricht sie darüber, wie ihre Ankündigung aufgenommen wurde, welche Herausforderungen sie für Karlsruhe in der Zukunft sieht, und was sie tun würde, wenn ihre Partei sich im März doch für einen anderen Kandidaten entscheidet.

Frau Mergen, warum möchten Sie Karlsruher Oberbürgermeisterin werden?
Kurz gesagt: Weil ich Karlsruhe kenne und weil ich Karlsruhe liebe.

Mit Ihrer frühen Ankündigung, dass Sie als Kandidatin für die CDU zur Verfügung stehen, haben Sie viele Leute überrascht, auch in der Partei selbst. Wieso haben Sie mit der Ankündigung nicht bis zur Kreisvorstandssitzung am 2. Februar gewartet?
Es war nie die Rede davon, dass mögliche Kandidaten sich erst auf der Kreisvorstandssitzung erklären sollen, nur dass hier darüber gesprochen werden würde. Ich habe den CDU-Kreisvorsitzenden Ingo Wellenreuther einen Tag vor meiner Ankündigung angerufen und ihn mündlich und am selben Tag auch noch schriftlich informiert, dass ich als Kandidatin zur Verfügung stehen werde.

Wie ist ihre Ankündigung in der CDU aufgenommen worden?
Ich habe viel Zuspruch erfahren. Viele sagen mir, dass sie es gut finden, dass ich mich für eine Kandidatur bereit erklärt habe. Auch in meiner Familie bekomme ich große Unterstützung, obwohl eine Kandidatur natürlich bedeuten würde, dass ich noch weniger freie Zeit haben würde.

Hatte es denn einen Grund, dass Sie sich so früh erklärt haben?
Als ich erfahren habe, dass die CDU im März einen Kandidaten nominieren will, war es mir wichtig, frühzeitig den Dialog zu suchen. Welche Eigenschaften muss ein Karlsruher Oberbürgermeister haben? Welche Erfahrungen muss er oder sie mitbringen? Diese Fragen stellt man sich doch vor allem dann, wenn man einen möglichen Kandidaten hat, mit dem man sich kritisch auseinandersetzen kann. Und diese Auseinandersetzung braucht nun einmal Zeit. Aus Liebe zur Stadt müssten eigentlich alle ein Interesse daran haben, den bestmöglichen Kandidaten ins Rennen zu schicken.

Warum sollte die CDU Sie denn als Kandidatin nominieren und warum sollten die Wähler sie anschließend zur neuen Oberbürgermeisterin wählen?
Ich bringe 25 Jahre kommunalpolitische Erfahrung mit. In dieser Zeit habe ich viel anstoßen und vieles realisieren können. Ich kenne Karlsruhe und die Karlsruher Verwaltung sehr gut und bin mit den Themen aus der Vergangenheit und der Zukunft bestens vertraut. Ich bin kompetent und zuverlässig. Mein Wort gilt. Außerdem bemühe ich mich stets darum, Dinge zügig voran zu bringen und arbeite gern in Teams.

Allerdings hat man manchmal den Eindruck, als würde ihr möglicher Gegenkandidat bei der CDU, Ingo Wellenreuther, in der Öffentlichkeit dennoch stärker wahrgenommen …
Mich selbst nach außen darzustellen ist eine Rolle, die mir nicht auf den Leib geschneidert ist. Allerdings tragen Sie als OB immer Verantwortung auf zwei Schultern, wie es Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth einmal treffend ausgedrückt hat. Zum einen geht es um die Dinge, die aktuell vor Ort passieren. Fragen wie: Funktioniert die Müllabfuhr? Läuft der öffentliche Personennahverkehr reibungslos? Gibt es genug Kindergartenplätze? Auf der anderen Schulter tragen Sie aber auch die Verantwortung dafür, wie die Stadt in zehn oder 20 Jahren aussieht. Sie müssen Visionär sein und Dinge anstoßen können, die jetzt noch gar nicht so klar absehbar sind. Gewählt wird man deswegen natürlich selten.

Was sind denn Ihrer Ansicht nach die größten Herausforderungen, die Karlsruhe in den kommenden Jahren zu bewältigen haben wird?
Erstens: Kinderbetreuung und Bildung. Es ist wichtig, dass jedes Kind in Karlsruhe bestmöglich betreut und ausgebildet wird. Mit dem richtigen Wissen und Können im Kopf ist man für alle Widrigkeiten des Lebens gerüstet. Besonders wichtig ist in dem Zusammenhang auch die Zusammenarbeit mit Vereinen.

Zweitens: Zukunftssichere Arbeitsplätze. Derzeit läuft die Konjunktur gut, aber wir wissen, dass es hier auch wieder bergab gehen kann.

Und welche Arbeitsplätze sind dann zukunftsfähig?
Die richtige Kombination aus traditionellen Fachrichtungen wie Ingenieurwesen, Betriebswirtschaft, Maschinenbau oder Informatik kombiniert mit neuen Arbeitsfeldern wie Nanotechnologie oder regenerativen Energien. Ein Beispiel ist hier das E-Mobil. Wäre es nicht toll, wenn in Karlsruhe die Akku-Technik der Zukunft entwickelt würde, also wieder ein Karlsruher das Auto erfinden oder eben neu erfinden würde? Das Potenzial dafür haben wir.

Was ist die dritte Herausforderung?
Lebensqualität. Karlsruhe hat zum Beispiel eine vielfältige und lebendige Kulturlandschaft. Hier geht es auch darum, Potenziale zu nutzen und zu fördern. Nur wenn das Umfeld stimmt und man sich in einer Stadt wohlfühlt, ist man auch bereit, sich in dieser Stadt zu engagieren.

Sie haben 1999 schon einmal als Oberbürgermeisterin kandidiert - in Rastatt. Damals haben Sie knapp gegen Klaus-Eckard Walker verloren.
Ich bin damals gegen den Amtsinhaber angetreten. So etwas ist immer schwer, denn als Amtsinhaber können Sie ganz anders Dinge zusagen. Außerdem glaube ich, dass man damals auch einfach noch nicht bereit war für eine weibliche Oberbürgermeisterin. Inzwischen, 13 Jahre später, sind wir da weiter - siehe Angela Merkel als erste weibliche Bundeskanzlerin.

Die CDU möchte sich im März für einen Kandidaten oder eine Kandidatin entscheiden. Was tun Sie, wenn man sich nicht für Sie entscheidet?
Ich bin noch bis 2017 als Erste Bürgermeisterin gewählt und werde diese Arbeit dann fortsetzen und zusehen, dass ich mit dem gewählten Oberbürgermeister gut zusammenarbeite. Ich wünsche mir allerdings, dass es anders kommt.

Fragen: Felix Neubüser

Margret Mergen wurde 1961 in Billerbeck in Westfalen geboren. Sie ist seit 2007 Bürgermeisterin und seit 2009 Erste Bürgermeisterin in Karlsruhe. Für Ihre Nominierung als OB-Kandidatin wirbt sie auf margret-mergen.de.

Mehr zur Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe und den übrigen Kandidaten haben wir für Sie in unserem Dossier zur Wahl zusammengefasst.

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