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27.12.2007 09:30
 
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Philipp Ziser: Journalist [0]

(mwz) - "Nitwa Philippo" lautet die Vorstellung seines Namens auf Kirundi, der Landessprache Burundis. "Nitwa Philippo" oder das freundliche "Amahoro", das burundische "Guten Tag", wird den Menschen des kleinen ostafrikanischen Staates demnächst wieder häufiger in den Ohren klingen, wenn seine Rückkehr in die Republik Burundi perfekt ist. Philipp Ziser arbeitete ein Jahr lang vor Ort für "burundikids", einer Organisation, die sich seit 2003 um die Kinder des Landes kümmert. Ab dem kommenden Frühjahr will er dort für zwei Jahre erneut tätig sein. "Amahoro" bedeutet wörtlich übersetzt so viel wie "Friede sei mit dir". Das hat Burundi nach dem jahrelangen Bürgerkrieg zwischen den Ethnien der Hutu und Tutsi wahrlich nötig. Und als "Muzungu", Weißer, wird der Karlsruher Journalist und ka-news-Mitarbeiter mit seiner Begrüßung gleichermaßen verdutzte wie strahlende Gesichter unter den Burundern hervorrufen.
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Philipp Ziser
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Philipp Ziser
Foto: pr
Philipp Ziser

"Das Jahr in Burundi hat mich um 180 Grad gedreht. Deshalb mache ich das so extrem, weil ich gar nicht mehr anders kann", erzählt Philipp Ziser. Beinahe magisch ziehts den 25-Jährigen zurück in das laut Welthunger-Index 2007 ärmste Land der Welt. Seit Oktober 2006 war Burundi ein Jahr lang seine Heimat, bis September diesen Jahres absolvierte er dort ein soziales Jahr. Mit der Absicht, die '99 in Burundi gegründete Organisation "Fondation Stamm" zu unterstützen, will "burundikids" eine verbesserte Lebenssituation von Straßenkindern, Kriegs- und Aidswaisen erreichen - durch eine Heim-Unterkunft, Kleidung, medizinische Grundversorgung und eine schulische Ausbildung. So wie "burundikids" ohne seine Person kaum mehr vorstellbar ist, so ist Philipp Ziser ohne Burundi nicht mehr denkbar.

Geboren wird er am 7. November 1982 in der Fächerstadt, seine Reifeprüfung legt er 2002 am Humboldt-Gymnasium ab, danach leistet er seinen Zivildienst in der katholischen Sozialstation im Karlsruher Kolpinghaus (Kurzzeitpflege mit alten Leuten). Zwischen '03 und '06 studiert er an der hiesigen Universität Geschichte und Journalismus. Seit 16 ist er journalistisch tätig: ka-news, Badische Neueste Nachrichten, Wochenblatt Pfalz/Baden, Frankfurter Rundschau, Stuttgarter Zeitung, Heilbronner Stimme - die Liste der Zeitungen, die von seiner Recherchier- und Formulierlust profitieren, ist lang. Derzeit verdient er sich seine Brötchen als freier Journalist (Wochenblatt). Sein journalistischer Fokus ist seit einiger Zeit das dichtbevölkerte Land in Ostafrika; Ergebnisse seiner Arbeit sind unter anderem bei Africa-Live, schwarzweiß-magazin.de oder fluter.de einsehbar - oder bei ka-news: Unter dem Titel "Für ein Jahr in Burundi" schilderte er in mehreren Teilen seine Erlebnisse und Eindrücke aus Burundi.

Wie man sich seine Arbeit vor Ort vorzustellen hat? "Die Projektumsetzug begleiten, das Kontaktnetzwerk ausbauen, Anträge schreiben, mit den Kids Basketball spielen, Hausaufgaben machen und Englisch-Unterricht für ehemalige Kindersoldaten geben oder eine kleine Bibliothek einrichten", zählt er auf. "Nur wenn du länger da warst, kannst du ein Gespür dafür entwickeln, was die Kinder brauchen", meint er. Vor allem durch die Medien könne man etwas verändern. Für "burundikids" sitzt er hierzulande täglich am Schreibtisch, verfasst Artikel oder bearbeitet die elektronische Post. Zudem hält er Vorträge über das Land.

Dass sich sein Augenmerk auf den kleinen Staat im Osten des Kontinents gerichtet hat, ist purer Zufall: Nach dem Schulabschluss wollte Ziser für ein Jahr ins Ausland. "Ich wollte mein bisher Gelerntes in diesem Auslandsjahr einbringen - und dafür kommt eben eine NGO (nichtstaatliche Organisation, die nicht auf Gewinn ausgerichtet ist, Anmerk. d. Red.) in Frage." Und die führte ihn zur Organisation "burundikids" und deren Vorstand Martina Wziontek. "Menschlich hat die Chemie zwischen uns sofort gestimmt. Zudem gibt es die Partnerschaft zwischen Baden-Württemberg und Burundi. Es hätte aber auch Bangladesch oder Honduras sein können", erklärt er. Für die Hilfsarbeit in Burundi müsse man Offenheit, Flexibilität und die Fähigkeit, verzichten zu können, mitbringen. "Wenn morgens kein Wasser da ist, putz ich mir die Zähne halt am Nachmittag." Auch der Faktor Zeit sei ein anderer. Wenn man sich mit einem Burunder in einem Bistro verabredet, muss man eine Dreiviertel Stunde Verspätung einplanen: "Zu spät kennen sie nicht", lacht er.

"Zeit ist das, was dir kein Mensch wiedergeben kann", erklärt Philipp Ziser die Maxime der Burunder. Dass sie sich in Deutschland wohlfühlen könnten, kann er sich nicht vorstellen. Auch für ihn war es nach dem Jahr in Burundi bei seiner Rückkehr nach Deutschland anfangs nicht leicht, sich wieder zu aklimatisieren - in zweifacher Hinsicht: "In Burundi hatte ich keinen einzigen Tag Heimweh. Als ich dieses Jahr am 3. September nach Deutschland kam, war es in der ersten Woche für mich katastrophal. Ich habe gefroren wie ein Schwein und mich unwohl gefühlt, hatte ständig die Burundi-Bilder in meinem Kopf. Das hat nicht zu meinem Umfeld hier gepasst. Und die Erwartungshaltung der Freunde ("Erzähl doch mal") konnte er nicht bedienen: "Ich hatte nicht die richtigen Worte parat."

Viele würden ihn fragen: "Warum muss ich etwas für Burundi tun?" Seine Antwort: "Du musst nichts für Burundi tun! Dann tu' etwas für eine Obdachlosentafel in Karlruhe!" Aber viele würden es sich einfach machen, sich zurücklehnen, hätten Angst, das Thema zu nahe an sich heranzulassen. Und der jüngste Unicef-Skandal würde sie bestätigen, nach dem Motto "ich hab's doch immer gesagt!" Für sie ist es zu anstrengend zu differenzieren (nebenbei: Wer doch etwas Geld spenden möchte - möglich ist es unter www.burundikids.org). Wenn er jemanden mit nach Burundi nehmen könnte, wären das "kalte" (Ex-)Firmenchefs wie Josef Ackermann oder Utz Claassen. "Ich würde ihnen die Ernährungssituation im Landesinneren zeigen. Dafür bräuchte ich nur einen Tag."

Aber ist sein Engagement für Burundi nicht "nur ein Tropfen auf den heißen Stein"? "Die Welt ändere ich nicht", weiß Philipp Ziser. "Aber bis der Rahmen sich geändert hat, kann ich die Leute doch nicht verrecken lassen." Ein Satz des Journalisten Franz Alt hat sich bei ihm eingebrannt: "Wenn ein Journalist Elend sieht, muss er es in die Welt hinausschreien." Klar, komme es häufig genug vor, dass man sehr motiviert sei und dann Kinder vor Hunger sterben sieht. "Da kommt man an seine Grenzen, liegt im Bett und heult. Aber die Kinder geben einem sehr viel zurück. Diese Momente treiben mich an", sagt Philipp Ziser - und zieht mit leuchtenden Augen einen an ihn adressierten Brief eines neunjährigen Burundi-Mädchens aus der Tasche.

Beschreiben Sie sich mit drei Worten:
Anstrengend, zielstrebig, begeisterungsfähig.

Was ist Ihre größte Stärke?
Durchhaltevermögen.

Was ist Ihre größte Schwäche?
Gutmütigkeit.

Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf? Haben Sie damals jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
Ich bin journalistisch tätig seit ich 16 bin - und das wollte ich schon immer sein. Was ich jetzt in Burundi mache - daran habe ich seit dem vergangenen Jahr gedacht.

Was würden Sie im Leben gerne noch erreichen?
Dass meine Hilfe in Burundi nicht mehr gebraucht wird. Leider ist das utopisch. Machbar ist aber, dass in Burundi niemand mehr an Hunger leiden muss.

Was nervt Ihre/n Partner/in am meisten an Ihnen?
Ich habe aktuelle keine Partnerin (mehr). Meine Arbeit, meine Berufung hat mich voll und ganz vereinnahmt.

Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?
Da fällt mir nichts ein.

Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?
All diejenigen, die Waffen in den Kongo verkaufen.

Welcher Mensch beeindruckt Sie?
Da gibt es viele: Zum Beispiel, der südafrikanische Anti-Apartheid-Kämpfer Nelson Mandela sowie Verena Stamm, die seit fast 35 Jahren in Burundi lebt und die Initiative "Fondation Stamm" gegründet hat und Martina Wziontek, Vorstand von "Burundikids".

Welche Musik (Interpret und Titel) und welcher Film haben Sie am meisten beeindruckt?
Musik: Das Lied "Umutima Wanje" (deutsch: "Mein Herz") von einem Sänger aus Burundi (sein Name fällt mir nicht ein). Film: Terry Georges "Hotel Ruanda" von 2004 - ein Film über den Völkermord in Ruanda.

Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?
"Ach, Afrika" von Bartholomäus Grill, ehemals politischer Redakteur der "Zeit". Zur Zeit lese ich "From Bloodshed To Hope In Burundi. Our Embassy Years During Genocide" vom ehemaligen US-Botschafter Robert Krueger sowie Kathleen Tobin Krueger und Desmond Tutu.

Sie werden als Tier geboren. Als welches?
Da fällt mir keines ein.

Sie tauschen einen Tag mit einer Person des anderen Geschlechts - wer wäre das?
Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
Ich mag die Stadt, sie hat was Gemütliches. Ich halte mich gerne darin auf.

Was würden Sie an Karlsruhe ändern, wenn Sie Oberbürgermeister/in wären?
Dafür halte ich mich zu wenig in Karlsruhe auf.

Welches sind die markantesten Karlsruher / deutschen Köpfe?
Karlsruhe: Boxerin Regina Halmich. Deutschland: Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Sie leben in einem anderen Land. Welcher Grund könnte Sie dazu bewegen beziehungsweise davon abhalten, nach Deutschland einzuwandern?
Davon abhalten, nach Deutschland einzuwandern, würde mich die Kälte vieler Leute. Gründe, die mich dazu bewegen würden, nach Deutschland zu ziehen? Da gibt's keine!

Es geht um das Glück der Republik. Welche Person, Gruppierung oder Idee sollte mehr Einfluss gewinnen?
Kein Kommentar.

Wie und wo möchten Sie sterben?
Schnell. Am Besten macht's irgendwann einen Schlag und ich falle um! Der Ort ist egal.

Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
Das habe ich nicht zu entscheiden. Ich glaube aber eher in den Himmel.

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