Köpfe im Profil

Karlsruhe Ecke links
Karlsruhe Ecke rechts
  • Drucken
  • Speichern
03.08.2009 10:12
 
Schrift: 

Ingo Juchler: Erststimmen-Wahlkämpfer [0]

Bild:ps

- Seine Partei steht hinter ihm. Davon zeugt eine 100-prozentige Zustimmung bei der Nachnominierung als SPD-Bundestagskandidat. Ingo Juchler will von Graben-Neudorf nach Berlin und bezeichnet sich selbst als "Quereinsteiger".
Anzeige

Personell steht Juchler für den Neubeginn der SPD Karlsruhe-Land; zur "Causa Tauss" möchte er sich im Gespräch allerdings nicht mehr äußern.

Die 100-prozentige Zustimmung bei seiner Nachnominierung "klingt ein bisschen nordkoreanisch", wie er selbst sagt, doch die SPD hat sich offensichtlich entschieden. "Wir wollen diesen Neubeginn mit Juchler machen", das liest er ganz persönlich aus dem Abstimmungsergebnis heraus. Dieser Neubeginn ist ein Erststimmenwahlkampf, denn Juchler hat durch seine Nachnominierung keinen Listenplatz.

Will er in den Bundestag einziehen - und das ist sein Ziel - kann er das also nur durch ein Direktmandat. Juchlers Wahlkampf hat gleich nach der Nominierung Ende Juni angefangen. "Es ist wichtig, mich persönlich bekannt zu machen", weiß der Bundestagskandidat. Im nördlichen Wahlkreis sei er "recht bekannt", den restlichen Wahlkreis versucht er mit bis zu zehn Veranstaltungen pro Wochenende zu erschließen.

"Ich will zu den Leuten hin", so Juchler. "Erstens: Ich will mich vorstellen und zweitens möchte ich zuhören, wo ihnen der Schuh drückt" - Letzteres sei "nur im direkten Gespräch" möglich. Außerdem möchte er die eigene Klientel mobilisieren, "dass ist bei der Europawahl nicht geglückt". Eine weitere Chance sieht der Bundestagskandidat darin, dass es seiner Meinung die Einstelltung "von der Wiege bis zur Bahre", also die lebenslange Bindung der Wähler an eine Partei, nicht mehr gibt. "Inzwischen rechne ich mir gute Chancen aus", verrät er.

Selbstverständlich hat Juchler trotz seiner Aussage, dass ein Bundestagsabgeordneter das große Rad nicht alleine drehen kann, politische Ziele: Aus dem "riesigen politischen Bereich" pickt er sich drei Bereiche raus. Dazu gehören Wirtschaft und Arbeit, Bildung und Forschung sowie das große Feld der Außenpolitik.

"Wirtschaft und Arbeit liegen auf der Hand: Das Maß soll wieder Einzug halten." Ganz der SPD-Linie treu spricht Juchler vom Mindestlohn und den Arbeitsbedingungen. Im zweiten Bereich Bildung und Forschung ist er zu Hause. "Den Einwand, dass Bildung Ländersache ist, lehne ich ab", so der Politiker. "Viel im Argen" liegt in seinen Augen im Verfahren der Hochschulbewerbung - damit machte er erst kürzlich eigene Erfahrungen, als er seiner Tochter bei den Bewerbungen half. Juchler ist "absolut" für den Bologna-Prozess, aber es sei an der Zeit die Kinderkrankheiten anzugehen.

Der "heikelste Punkt" ist die Außenpolitik, dabei spricht er von einer Gratwanderung. In diesem Bereich gebe es keine einfachen Lösungen. Wichtig ist es in seinen Augen, "der Bevölkerung zu erklären, warum wir in Afghanistan sind". Dabei dürfe kein falsches Vokabular verwendet werden und es könne nicht sein, dass man dabei das Wort Krieg nicht in den Mund nehmen darf. Juchler fordert eine offene Auseinandersetzung und dass künftig mehr kommuniziert wird.

Persönlich orientiert er sich an einem Zitat von Max Weber, das beschreibt, was einen Politiker auszeichnen solle: Leidenschaft für die politische Sache, Verantwortungsgefühl gegenüber seinen Wählern und Augenmaß, das strebt Juchler an.

Beschreiben Sie sich mit drei Worten.
Ausgleichend, weltoffen, durchsetzungsstark.

Was ist Ihre größte Stärke?
Die Fähigkeit zum Vermitteln.

Was ist Ihre größte Schwäche?
Ungeduld.

Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf? Haben Sie damals jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
Ich wollte als Kind immer Taucher werden. Die Liebe zum Wasser hat sich gehalten – ich schwimme und paddle sehr gerne. Da ich als Kind noch nicht wusste, was ein Professor ist, habe ich damals natürlich noch nicht daran gedacht, Hochschullehrer zu werden.

Was würden Sie im Leben gerne noch erreichen?
Da wären viele Ziele anzuführen – auch politische …

Was nervt Ihren Partner am meisten an Ihnen?
Die Ungeduld.

Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?
Bücher. Denn sie eröffnen einen anderen Zugang zur Welt.

Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?
Die Verantwortlichen für die diversen verantwortungslosen Fernsehshows à la "Germany´s Next Topmodel". Der Umgang mit den Kandidatinnen und Kandidaten dort steht nicht mehr mit der Würde des Menschen im Einklang. Und den Zuschauer müsste eigentlich ein Schmerzensgeld entrichtet werden.

Welcher Mensch beeindruckt Sie?
Sportler wie der Schwimmer Paul Biedermann. Sie bringen eine unheimliche Leistung, hohe Disziplin und persönlichen Einsatz auf, ohne eine fürstliche Entlohnung wie so mancher Fußballstar oder Rennfahrer in Aussicht zu haben.

Welche Musik (Interpret und Titel) und welcher Film haben Sie am meisten beeindruckt?
Gloria Gaynor: I will survive - Ein Lied, das über die Unbilden der frühen Liebe hinweggeholfen hat.
Francis F. Coppola: Apocalypse Now (1979) – Ein Film über den amerikanischen Krieg in Vietnam. Kongenial adaptiert von Joseph Conrads Erzählung "Herz der Finsternis" über den Kolonialismus im Kongo.

Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?
Denis Johnson: Ein gerader Rauch, Hamburg: Rowohlt Verlag, 2008.

Sie werden als Tier geboren. Als welches?
Fisch im Meer.

Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
Die schöne Mischung von Kultur und Lebensfreude.

Was würden Sie an Karlsruhe ändern, wenn Sie Oberbürgermeister wären?
Ich würde die Stadt noch attraktiver für Fußgänger und Fahrradfahrer machen.

Welches sind die markantesten Karlsruher / deutschen Köpfe?
Ludwig Marum: Als Rechtsanwalt wie als SPD-Politiker setzte er sich auch für die weniger Privilegierten in Karlsruhe ein. Er starb 1934 im KZ Kislau bei Bruchsal.
Helmut Schmidt: Deutschlands markantester elder statesman mit weltpolitischer Weitsicht - auch wenn ich als Jugendlicher mit dem NATO-Doppelbeschluss nicht einverstanden war.

Sie leben in einem anderen Land. Welcher Grund könnte Sie dazu bewegen beziehungsweise davon abhalten, nach Deutschland einzuwandern?
Dass ich mir ein falsches Bild von Deutschland im Ausland gemacht habe.

Es geht um das Glück der Republik. Welche Person, Gruppierung oder Idee sollte mehr Einfluss gewinnen?
Die Vorstellung davon, dass jede Kette nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied.

Wie und wo möchten Sie sterben?
Beim Schwimmen in einem See – natürlich nicht ertrinkend!

Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
Meine Vorstellungen vom Jenseits haben andere Kategorien

(ram)

Mehr zu: Profil "Ingo Juchler"



Anzeige
V-Kalender
Noch nichts vor am Wochenende? Jetzt schnell und einfach planen mit dem neuen ka-news.de Veranstaltungskalender. Alle wichtigen Termine übersichtlich und geordnet! [Mehr..]
aktuelle Fotogalerien