Conny Kluge: Extremradler für krebskranke Kinder
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- Was er sich vorgenommen hat, beeindruckt sogar ehemalige Tour-de-France-Fahrer: In nur acht Tagen will Conny Kluge mit dem Fahrrad von Monaco nach Vaduz fahren. Das bedeutet 1.300 Kilometer über 25 Bergpässe - jeden Tag etwa zehn Stunden im Sattel. "Das ist ganz viel Kopfsache", erklärt der 57-Jährige, "da muss man seine Schmerzgrenze hochsetzen."
"Ich habe einen Willen - da bekommt meine Familie Angst", so der zweifache Vater mit ernsthafter Miene. Denn ungefährlich ist sein Vorhaben wahrlich nicht. Begleitet wird der Hobby-Radler nur von einem Freund, der mit dem Wohnmobil mitfährt. "Ich muss eben jeden Tag sehen, wie es läuft", räumt er ein und erzählt, dass er dem Wunsch seiner Frau, einen Arzt mit auf die Tour zu nehmen, nicht nachkommen werde. "Ich muss dabei allein sein, sonst geht es nicht."
Eigentlich wollte er daraus gar keine so große Sache machen, "aber es ist ja für die Kinder". Der Hobbysportler ist erst relativ spät zum Radrennsport gekommen. "Ich war immer Ballsportler, aber mit 27 wurden die Knieprobleme so groß, dass mein Arzt das Ende meiner sportlichen Karriere diagnostizierte." Später brachte ihn ein Kollege darauf, es mit dem Radfahren zu probieren. Schnell wurde aus dem Freizeitvergnügen mehr für Kluge: "Die Sportart eignet sich hervorragend, um an seine Grenzen zu gehen." Das tat er auch, er fuhr die Tour de France nach, doch dabei blieb es nicht. Inzwischen hat er halb Europa mit dem Rad befahren. Südfrankreich übt auf ihn jedoch eine besondere Faszination aus. Deshalb hat er sich auch diese Strecke ausgesucht, um sein "sportliches Lebenswerk", wie er es bezeichnet, zu vollenden.
"Ich habe noch nirgends gefunden, dass das jemand in acht Tagen gefahren ist", so Kluge. Selbst ein ehemaliger Tour-de-France-Fahrer hätte ihm gesagt, das sei "irre". Dabei bleibt das KSC-Mitglied bescheiden: "Ich sehe mich selbst nur als Werkzeug für die Sache." Denn die Spendenerlöse, die er mit der Tour erzielen möchte, gehen komplett an den Förderverein der onkologischen Abteilung der Kinderklinik Karlsruhe (FuoKK). Dafür hat er sich Unterstützung aus dem Kader des KSC geholt: Godfried Aduobe und weitere Spieler stehen hinter seiner Aktion. Aduobe sei besonders engagiert und wolle sein Trikot für eine Versteigerung stiften.
Kluge ist kein unbekanntes Gesicht am Wildpark. Er ist nicht nur seit 35 Jahren KSC-Mitglied, sondern repariert auch hin und wieder die Autos der Spieler - im Gegenzug kam dann auch mal Maik Franz mit zum Kindertraining. "Es ist natürlich für die Aktion ein Handicap, dass der KSC abgestiegen ist", bedauert Kluge, "dadurch haben wir eindeutig Spendengelder verloren." Dennoch ist er guter Dinge, dass eine ordentliche Summe zusammenkommt und sich die Kinderklinik endlich einen kindgerechten Kernspintomographen leisten und in ein Kinderhospiz investieren kann.
Geboren in Chemnitz, kam Kluge in den 50er Jahren in den Westen, nach Wörth - wo er auch heute noch zu Hause ist. Nicht nur der KSC bringt ihn regelmäßig in die Fächerstadt, auch für seine Arbeit beim TÜV-Süd überquert er jeden Tag die Rheinbrücke. Abends ist im Moment trainieren angesagt: 8.000 Kilometer möchte er vor der Tour absolviert haben, Ende dieser Woche soll das geschafft sein. Am 19. Juli geht es dann los, sein persönlicher Startschuss wird voraussichtlich am 21. Juli fallen. Und dann heißt es nur noch Durchbeißen: "Wenn es gar nicht mehr geht, fahre ich eine Halbetappe - dann werden es eben neun Tage", so der Hobbyradsportler. Aber geplant ist das nicht.
Beschreiben Sie sich mit drei Worten.
Geradlinig, ehrlich, "treue Seele"
Was ist Ihre größte Stärke?
Zielstrebigkeit und Willenskraft
Was ist Ihre größte Schwäche?
Ich kann schlecht Nein sagen.
Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf? Haben Sie damals jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
Koch - Da kann man am Tisch sofort sehen, ob die eigene Leistung gut war. Beim TÜV zu arbeiten hätte ich mir nicht vorgestellt.
Was würden Sie im Leben gerne noch erreichen?
Auf eine gesunde Familie schauen; meine Kinder zufrieden und versorgt sehen; einen Ruhesitz im Süden, als Nachbar von Godfried Aduobe.
Was nervt Ihren Partner am meisten an Ihnen?
Ich bin zu Hause der Koch und wahrscheinlich räume ich nicht gut genug auf.
Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?
Auf mein Rennrad - mein Leben war immer der Sport, trotz beschädigter Kniegelenke.
Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?
Niemanden - ich möchte mit jedem Menschen zurecht kommen.
Welcher Mensch beeindruckt Sie?
Gorbatschow. Ich bin in Chemnitz geboren - die Ost-West-Entspannung und der Mauerfall sind für mich ein Wunder.
Welche Musik und welcher Film haben Sie am meisten beeindruckt?
Musik: Paul McCartney: "Hey Jude" - Gänsehautstimmung, ich war live dabei.
Film: Schindlers Liste
Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?
Udo Bölts: "Quäl Dich Du Sau"
Sie werden als Tier geboren. Als welches?
Leopard
Sie tauschen einen Tag mit einer Person des anderen Geschlechts - wer wäre das?
Meine Frau
Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
Den Standort: Nähe zu Frankreich, Pfalz, Schweiz
Was würden Sie an Karlsruhe ändern, wenn Sie Oberbürgermeister wären?
Nordtangente, zweite Rheinbrücke, ein Stadion für den KSC
Sie leben in einem anderen Land. Welcher Grund könnte Sie dazu bewegen beziehungsweise davon abhalten, nach Deutschland einzuwandern?
Der deutsche Stress
Es geht um das Glück der Republik. Welche Person, Gruppierung oder Idee sollte mehr Einfluss gewinnen?
Mir ist jeder recht, der Hass, Neid, Missgunst und Kriege bekämpft.
Wie und wo möchten Sie sterben?
In der letzten Stunde meine Familie sehen: Alle versorgt und glücklich; meine Werke vollendet, keine Aufgabe noch offen; einschlafen.
Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
Ich schaue mir beides an. Eine lange Aufenthaltsgenehmigung brauche ich nicht! Vielleicht muss ich auf einer Wolke Harfe spielen. Dann blicke ich auf die Welt und versuche schnellstens wieder zurück zu kommen. Es gibt noch viel zu tun auf unserer Erde.
(tan)



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