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17.02.2004 03:00
 
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Zu Besuch bei der Ex-Steffi [0]

Karlsruhe tja -
Wie gehen die Ex-Steffi Bewohner mit der Räumungsklage um?
(Foto: ka-news)
Was wird nicht alles über die Ex-Steffi behauptet? Ist das Projekt in der Schwarzwaldstraße 79 ein Schandfleck für Karlsruhe oder eine Bereicherung für die (Sub)-Kultur? Sind die Bewohner Kriminelle und asoziale Schmarotzer oder lediglich Menschen mit hohen Idealen und dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben? Und wem platzt zuerst der Kragen, der Stadtverwaltung oder den Bewohnern der Ex-Steffi? ka-news fragte nach.

"Natürlich suchen wir die Konfrontation mit der Stadt", erklärt Bewohner Alex, 19-jähriger Gymnasiast, der sein Geld mit Nachhilfestunden verdient. "Aber nach der Aktion am Kronenplatz ist das ja auch verständlich." Alex bezieht sich auf den einst angestrebten Punkverbot am Kronenplatz, der von einem Jurastudenten aus der Punkerszene erfolgreich abgewehrt werden konnte. "Das wirklich Schlimme daran war ja die Definition eines Punks", beschwert sich der Schüler. Es war eine Definition, die ein Verbot für Punks, Goths, Raver und alle möglichen Menschen, die anders aussehen, ermöglichte. Am Ende habe die Stadt ihren Willen jedoch durchgesetzt. "Sie bauten dort einen Brunnen aus Beton, deklarieren es als eine Grünanlage und prompt darf dort nicht getrunken werden und der nächtliche Aufenthalt ist auch untersagt."

"Wir sind keine Kommunisten"

Einblick in das Büro der Ex-Steffi
(Foto: ka-news)
Alex fühlt sich von den Medien und der Öffentlichkeit missverstanden. So lassen sich die "Schnorrer", die auf der Straße betteln, unter den 25 Bewohnern entgegen der weit verbreiteten Ansicht an einer Hand abzählen. Bewohner Mischa hat derzeit beispielsweise zwar keine Arbeit, geht aber weder betteln noch kassiert er Arbeitslosenunterstützung vom Staat: "Ich habe seit meinem 17. Lebensjahr an gearbeitet und habe noch genügend Rücklagen", erklärt Mischa. Und was ist mit dem kommunistischen Ideal? "Das kann man so doch nicht sagen, wir sind schließlich alle Individuen", meint "Fusch", der deutlich älter ist, als seine Mitbewohner. Während sich manche Bewohner deutlich vom Kommunismus absagen, hängt Alex diesem Ideal an, allerdings meine er damit nicht etwa den Staatskapitalismus Stalins.

"Wir sind keine Kommunisten, sondern eine linke Szene, worunter sich alles mögliche mischen kann", korrigiert "Fusch", der sein Geld als Selbstständiger mit Webdesign und Internet verdient. Dann gibt es noch Vorgänge, die auf einem breiten Konsens beruhen. So wird auf der Volxküche (Vokü), ein für jeden zugängliches Gemeinschaftsessen in der Ex-Steffi an jedem Donnerstag, veganisch gekocht. "Darüber herrscht eben ein breiter Konsens. Das bedeutet natürlich nicht, dass bei uns niemand vegetarisch isst oder auch Fleisch verzerrt." Ein breiter Konsens scheint auch der Widerspruch zur Stadtverwaltung zu sein.

Viel Hoffnung liegt in der Kulturoase

Im Café treffen sich Bewohner und Besucher zum Entspannen (Foto: ka-news)
"Wir haben in sechs Jahren 210.000 Euro Miete an die Stadt bezahlt und verlangen keinen einzigen Cent. Das können nicht viele Kultureinrichtungen von sich behaupten", so die gängige Meinung der Steffis. Inwieweit das jedoch ausschlaggebend sein wird, ist fraglich, denn immerhin ist die Ex-Steffi keine reine Kulturinstitution und ihr kultureller Wert wird vom Kulturdezernat in Frage gestellt. Vielleicht wird sich das mit der "Kulturoase", einem Verein bestehend aus allen Kulturschaffenden auf dem Areal hinter dem Bahnhof, ändern. In Zusammenarbeit mit den Gemeinderatsfraktionen und anderen Vereinen möchte die "Kulturoase" die Existenz der bestehenden Einrichtungen sichern. Dazu gehört auch ein eigener Bebauungsplan für den Time-Park. Sollte das seit Jahren verfolgte Großprojekt, für das bislang noch kein Investor gefunden ist, um zehn bis 20 Prozent kleiner ausfallen, könnte die "Kulturoase" an Ort und Stelle weiter bestehen.

In Folge des "Kulturoase"-Engagements finden aber auch Veränderungen in der Ex-Steffi statt. So wurde die Fassade neu bemalt und der Zaun neu repariert, das soll auch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Wobei es vielen Bewohnern schwer fällt, das Gelände mit einer Räumungsklage im Genick umzugestalten. Es gibt auch Bedenken anderer Art. "Wenn wir infolge der ’Kulturoase’ weiter bestehen bleiben, dann wird sich hier einiges ändern. Wir müssten hier ständig putzen und so, das wäre nicht mehr die Steffi, die ich kenne. Ich fühle mich hier wohl im Chaos", verkündet Bewohner Reiner. Dass Veränderungen schwer fallen, wird in dieser Situation offensichtlich.

Sollten die Bewohner der Ex-Steffi eine Ersatzunterkunft erhalten, bleibt auch noch die Frage, ob dort genügend Plätze vorhanden wären und ob ihnen weitere Beschränkungen auferlegt werden (die oberen Stockwerke des Steffi-Gebäudes sind beispielsweise versperrt und dürfen nicht benutzt werden). Auch die Miete wird ein Streitpunkt sein, haben die Künstler des Offenen Ateliers das ihnen angebotene ehemalige Thomy-Werk wegen einer zu hohen Miete ablehnen müssen. "Der Gedanke wie es weitergeht, wenn es die Ex-Steffi nicht mehr gibt, ist beängstigend", meint denn auch Stammgast Anne.

FDP-Fraktion könnte ausschlaggebend sein

Bibliothek im Steffi-Büro; mit historischer, sozialistischer, philosophischer und Szeneliteratur. (Foto: ka-news)
Inwieweit die Ängste und Wünsche der Bewohner und Besucher für die Zukunft des alternativen Wohnprojektes ausschlaggebend sind, ist fraglich. Denn rein gesetzlich ist die Lage eindeutig. Der Mietvertrag ist ausgelaufen, seit Anfang des Jahres ist das Haus wieder besetzt und darf geräumt werden. Darüber hinaus haben die Bewohner zahlreiche Forderungen der Stadtverwaltung ignoriert, was jedoch auch auf Gegenseitigkeit beruht. Die Entscheidung über die Kulturoase und dementsprechend auch über die Ex-Steffi wird jedenfalls im Gemeinderat fallen. Dort scheint es dann auch ein umstrittenes Thema zu sein.

Vertreter der Grünen, SPD und der Karlsruher Liste haben gegenüber den Bewohnern Verständnis signalisiert. Da es von den Stadträten auch Kritik und Skepsis gegeben haben soll, ist nicht unbedingt von einer Zustimmung der jeweiligen kompletten Fraktionen auszugehen. Bei der CDU bestünde hingegen wenig Aussicht auf Unterstützung. Ausschlaggebend könnte nun die FDP-Fraktion sein, die der Einladung zu einem ausführlichen Gespräch bislang noch nicht nachgegangen ist. Ob Ausführungen und Fakten die jeweiligen Stadträte überzeugen können, auch darüber sind sich die Bewohner nicht ganz schlüssig. Angesichts ihrer Erfahrung mit Medien und der Öffentlichkeit glauben die Bewohner, dass die Entscheidung über die Ex-Steffi weitgehend auch von einem Punkt abhängig ist: Ob die städtischen Entscheidungsträger sie als linksextremistische Terroristen oder als Menschen betrachten.

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