Einiges erinnert zwar an das Ende der Welt, aber eines gibt es auch hier: Internet - seit fast drei Jahren.
Statt in Deutschland Zivildienst zu leisten, ging ich, Sebastian Erb, nach Übersee, um für die Gemeinschaft tätig zu sein. Im Rahmen des "Freiwilligen Friedensdienstes" der Evangelischen Landeskirche in Baden lebe und arbeite ich für ein Jahr in Puerto Cabezas/Bilwi an der Karibikküste Nicaraguas. Während dieser Zeit berichte ich für ka-news über Land und Leute und sende auch meine ganz persönlichen Eindrücke nach Karlsruhe.
Wie aus der Pistole geschossen kommt das Datum, seitdem Bilwi online ist. Sergio Cassis kann sich noch gut an den 13. Februar 2002 erinnern, als die erste Internetverbindung hergestellt wurde. Heute gibt es drei Internetcafés in der Stadt, aber bei Cecom, dessen Internetbereich Cassis leitet, konnten die Einwohner als erstes online gehen. Überhaupt gab es hier die erste Verbindung mit dem weltweiten Datennetz. Es war ein Projekt zusammen mit der Universität URACAN, die ihren Studenten ermöglichen wollte, im Internet zu recherchieren. Der heute 26-jährige Cassis war von Anfang an dabei.
Plan B per Satellit
Er erzählt von Plänen, die eigentlich vorsahen, die erste Internetverbindung über ein Glasfieberkabel herzustellen. Das Kabel habe sogar schon aus dem Atlantik herausgeführt, habe bis zum Strand vor der Stadt gereicht. Eine Verbindung kam nicht zu Stande. Das Projekt sei aus "politischen Gründen" beendet worden. Dann also der teurere Plan B. Eine Verbindung per Satellit wurde aufgebaut, so funktioniert es noch heute. Mit 128KB im Down- und Upload.
 | | Sergio Cassis, ein Internetmann Bilwis der ersten Stunde (Foto: Sebastian Erb) |
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Von Computern gehört hatte er schon vorher, das erste Mal in Kontakt mit einem PC kam er aber erst vor acht Jahren. Die Stadtverwaltung bekam fünf Computer geschenkt, um Kurse ausrichten zu können. Cassis, der den Computerlehrer gut kannte, hatte so die Möglichkeit, mehr zu erfahren. Lesen gefällt ihm nicht, er hörte ihm zu, dem Computerfachmann, und konnte so sein Wissen stetig erweitern. Er studierte dann später eine Art Kombination von Informatik und Manegement, mit Computern wollte er zu tun haben, das war klar. Schließlich arbeitete er vor drei Jahren daran mit, dass Bilwi um eine "Basisversorgung" reicher wurde. Dass der Zugang zum Internet dazu gehört, steht für ihn außer Zweifel.
"Das Internet hat die Stadt verändert"
Eine Stunde surfen kostet umgerechnet rund 1,40 Euro und damit fast dreimal soviel wie in der Hauptstadt Managua. Kein Wunder, dass hier kaum einer einfach mal so zum Spaß im Web unterwegs ist. Die meisten Besucher kommen aus beruflichen Gründen. Sie arbeiten zum Beispiel für verschiedene Projekte, suchen im Netz nach Informationen und kommunizieren mit Geldgebern im Ausland. Oder aber es sind Menschen, die Familienangehörige irgendwo in der Ferne haben und online mit ihnen in Kontakt bleiben wollen. Eine E-Mail ist in Sekunden verschickt und dauert nicht Wochen wie ein Brief, der vielleicht auch gar nie ankommt.
 | | Seit fast drei Jahren kann man auch in Bilwi ka-news lesen (Foto: Sebastian Erb) |
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Eines ist aber bisher kaum möglich - zu Hause zu surfen. Es gebe zwar ein Funknetz, das aber sei sehr unzuverlässig, sagt Cassis. Vielleicht wird es eines Tages über das bestehende Fernsehkabelnetz möglich sein, online zu gehen, irgendwann.
"Das Internet hat die Stadt verändert" meint Cassis. Bilwi hat sich der Welt ein Stück genähert. Mit dem nötigen Kleingeld kann man nun leichter mit Menschen in anderen Ländern in Kontakt treten - oder E-Mails in die Heimat schicken. Wenn aber fuer längere Zeit der Strom ausfällt oder heftige Gewitterstürme die Übertragung stören, ist alles so wie früher. Dann ist die Stadt nicht nur dunkel, sondern auch offline.
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