Karlsruhe Ecke links
Karlsruhe Ecke rechts
Fussball-Tipp
3.9.2010 06:25 Uhr
 
26.09.2004 03:00
 
Schrift: 

Karlsruher in Nicaragua [0]

Puerto Cabezas/Karlsruhe pes -
Viele Menschen in Bilwi bekommen ihr Wasser aus einem Brunnen vor dem Haus (Foto: Sebastian Erb)
Wer die Stadt und ihre nähere Umgebung erkunden will, setzt am besten auf ein geländegängiges Auto und bringt genügend Zeit mit. Ihn erwarten Weite, viel Ruhe und deutsche Spuren, die mehr als ein Jahrhundert überdauerten. Statt in Deutschland Zivildienst zu leisten, ging ich, Sebastian Erb, nach Übersee, um für die Gemeinschaft tätig zu sein. Im Rahmen des "Freiwilligen Friedensdienstes" der Evangelischen Landeskirche in Baden lebe und arbeite ich für ein Jahr in Puerto Cabezas/Bilwi an der Karibikküste Nicaraguas. Während dieser Zeit berichte ich für ka-news über Land und Leute und sende auch meine ganz persönlichen Eindrücke nach Karlsruhe.

Wer nur sieht, was er sehen will, für den ist das hier ein Urlaubsparadies. Ein traumhafter Blick auf das Meer, der Atlantik leuchtet in kräftigem Blau. Die Sonne scheint, Palmen wiegen sich sachte im Wind. Hier, in der Nähe des Hafens, führt der Bürgermeister ein kleines Restaurant. Wer hier speist, kann sich wie ein Karibikurlauber fühlen.

Auf den Straßen fast nur Taxis

Sonne, Palmen, Meer - ein Urlaubsparadies?
(Foto: Sebastian Erb)
Aber schon gleich daneben sieht alles ganz anders aus. Es ist keine Urlaubsgegend hier, das wird auf den ersten Blick deutlich. Es gibt keine Ferienhotels, keine Swimming Pools. Armut ist weit verbreitet in Puerto Cabezas. Die Menschen wohnen in einfachen Holzhäusern, manche sollte man wohl eher Hütten nennen. Strom hat nicht jeder, fließend Wasser schon gar nicht. Ich bin an diesem Nachmittag mit ein paar Leuten der Kirche aufgebrochen, um eine Rundtour zu machen, mit dem Auto. Das ist ein ungeheures Privileg, denn ein eigenes Auto hat hier kaum jemand. Auf den Straßen sind hauptsächlich Taxis unterwegs.

Wir fahren eine der beiden parallel verlaufenden Hauptstraßen entlang, eine befestigte Straße. Links und rechts viele Kioske, die die wichtigsten Dinge verkaufen. Vor uns der "Park" im Zentrum: Bänke, ein bisschen Rasen, ein paar große Bäume, die Schatten spenden, auf dem Boden liegt Abfall.

Politisches und kulturelles Zentrum

Die meisten Straßen in der Stadt sind unbefestigt (Foto: Sebastian Erb)
Puert Cabezas ist eine junge Stadt, in diesem Jahr feierte sie ihr 75-jähriges Bestehen. Davor gab es an diesem Ort für lange Zeit nur ein kleines Dorf. Heute hat Puerto Cabezas mit Vororten rund 50.000 Einwohner und ist neben Bluefields im Süden das Zentrum im Ostteil Nicaraguas. Politisch, wirtschaftlich und kulturell. Hier gibt es einige Schulen, zwei für deutsche Verhältnisse kleine Universitäten, auch ein autonomes Parlament und eine autonome Regierung haben hier ihren Sitz. Puerto Cabezas ist die Hauptstadt der RAAN, der "Autonomen Region Nordatlantik".

Kaum haben wir die Stadt hinter uns gelassen, wird die Straße schlechter und verwandelt sich in eine schmale Sandpiste. Schon in der Stadt ist es nicht eng, doch jetzt ist es eine endlose Weite bis zum Horizont. Die Landschaft ist leicht hügelig und savannenartig. Geschickt weicht der Fahrer den vielen Schlaglöchern aus. Auf der Pritsche rumpelt es ganz schön heftig. Ich kann mir gut vorstellen, was für ein Schlamm es geben muss, wenn es eine Weile geregnet hat.

Deutsche Spuren in Tuapi

Nach einer guten halben Stunde Fahrt erreichen wir unser Ziel. Tuapi ist eine typische Landgemeinde, an einem Fluss gelegen. Zum Fluss kommen die Leute aus Puerto Cabezas zum Baden. Im Dorf wohnen 700 Menschen, Kühe, Schweine und Hühner laufen frei herum. Die Häuser, meist aus Holz, stehen weit verstreut. In der Kirche der Iglesia Morava probt der Chor, vor der Kirche sitzen die Obersten der Gemeinde auf einer Bank, sie reden nicht viel. "Naksa, nahki sma?" Hallo, wie geht's. Zur Begrüßung gibt es eine frisch geerntete Kokosnuss. Ein Erfrischungsgetränk der natürlichen Art.

Frische Kokosnüsse und deutsche Spuren (Foto: Sebastian Erb)
Bis ins 19. Jahrhundert hatte das Dorf große Bedeutung für das Volk der Miskito. Zeitweilig residierte hier der Miskito-König, der nach Vorbild des englischen Monarchen eingerichtet worden war. Wer genau hinschaut, entdeckt auch deutsche Spuren. Die Schrift der Grabsteine ist zwar etwas abgeblättert, aber dennoch gut zu lesen. Ein deutscher Missionar und seine Familie lebten und wirkten um die Wende zum 20. Jahrhundert in Tuapi und fanden auch hier ihre letzte Ruhe.

Es ist kurz nach halb sechs Uhr abends, als wir zurückfahren. Die Sonne ist am Untergehen. In weniger als einer Stunde wird es stockdunkel sein, die Dämmerung ist kurz in den tropischen Breiten. Richtig abkühlen wird es aber nicht, auch nachts bleibt es ziemlich warm. Im letzten Tageslicht erreichen wir Bilwi. In den Straßen der Stadt bellen die Hunde, ziehen Rauchschwaden in den Himmel. Überall wird nun das Abendessen zubereitet, oft auf einem Kohlefeuer. Das ist einfach billiger als das Kochen auf dem Gasherd.

Mehr zu: Nicaragua

Social Bookmarks

  • twitter melden
  • facebook melden
  • StudiVZ melden
  • Bei Google melden
  • Bei Webnews melden
  • Bei del.icio.us empfehlen
  • Bei Mister Wong melden
  • Bei Linkarena melden
  • Windows live melden
  • Yahoo melden
  • Yahoo melden
  • Kledy melden
Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Titel:
Kommentar:

Sie dürfen nur Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Für nicht registrierte Nutzer
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzuschicken
Benutzername  
Passwort  
     

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:
Ich bin damit einverstanden, künftig über Neuigkeiten informiert zu werden:
Anrede:
Frau Herr  
Titel:
Vorname:
Nachname:
Straße/Hausnr.:
PLZ/Ort:
Geburtstag:
 
 
Themenbereich HTML-
Newsletter
Nicht
abonnieren
ka-news.de-Newsletter: News aus Karlsruhe
Die neusten Artikel aus Karlsruhe täglich um 12 Uhr kostenlos in Ihrer Mailbox.
KSC-Newsletter: Montagsausgabe
Jeden Montag die wichtigsten Meldungen und Reaktionen zum Wochenende - frisch in Ihrem Postfach.
KSC-Newsletter: Freitagsausgabe
Freitags erhalten Sie die wichtigsten Meldungen der vergangenen Woche und die Vorberichte zum Wochenende direkt in Ihr Postfach.
ka-news Newsletter: Baden-Baden und Rastatt
Nachrichten aus Baden-Baden und Rastatt - Montags um 12 Uhr in Ihrer Mailbox
ka-news-Gewinnspiel-Newsletter
Kein ka-news-Gewinnspiel mehr verpassen - unsere neusten Verlosungen kostenlos in Ihrer Mailbox.
ka-news.de-Kultur-Newsletter
Veranstaltungstipps und alles weitere aus dem lokalen wie regionalen Kulturgeschehen kostenlos in Ihrer Mailbox.
ka-news.de-Newsletter: Meistgelesene Nachrichten
Wissen worüber in Karlsruhe gesprochen wird. Die meistgelesenen Artikel des Tages täglich um 16 Uhr in Ihrem Postfach.
Fußball-Tippspiel - Newsletter
Vor jedem Spieltag erhalten Sie die aktuelle Punktetabelle zum Hoepfner-Fußball-Tippspiel und werden über Neuigkeiten rund um unser Tippspiel informiert. Hinweis: Jeder Teilnehmer bekommt automatisch den Tippspiel-Newsletter
 
 


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 / 2: 
aktuelle Fotogalerien
Anzeigen

 
Benutzername:
Passwort:
 
close