Nach der Schule steht die Qual der Wahl an: eine Ausbildung oder ein Studium? Einige junge Männer ruft auch Vater Staat, sie müssen entweder zur Bundeswehr oder Zivildienst leisten. Bei Sebastian Erb, freier Mitarbeiter von ka-news, sieht die Sache ein bisschen anders aus. Der Karlsruher wollte ins Ausland gehen, um für die Gemeinschaft aktiv zu sein, eine neue Kultur kennen lernen, vielleicht eine neue Sprache. Die Möglichkeit dazu bekam er schließlich im Rahmen des "Internationalen Friedensdienstes” der Evangelischen Landeskirche in Baden. Für ein Jahr lebt und arbeit er jetzt in Puerto Cabezas/Bilwi an der Karibikküste Nicaraguas. Mit diesem Artikel startet eine ka-news-Serie, in der er über Land und Leute berichtet und auch seine ganz persönlichen Eindrücke nach Karlsruhe sendet.
 | | Berichtet für ka-news aus Nicaragua: Sebastian Erb (Foto: ka-news) |
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Die zwölfsitzige Cesna verliert rasch an Höhe, die Landung steht unmittelbar bevor. Puerto Cabezas gleicht aus der Luft einem lichten Wald, mit vielen kleinen Häusern zwischen Kokospalmen und Mangobäumen. Ein kurzer Schlenker über den Atlantik und die Maschine setzt sicher auf der befestigten Landebahn auf. Etwas über einer Stunde dauert der Flug von der Hauptstadt Managua im Westen an die Ostküste. Eine Straßenverbindung gibt es auch. Doch für die knapp 600 Kilometer braucht der Bus 20 Stunden - wenn es gut läuft. Jetzt zur Regenzeit wird die Sandpiste oftmals zu einer Schlammpiste, was die Fahrzeit ins Ungewisse verlängert. Feuchte Hitze schlägt mir entgegen, als sich die Luke des Flugzeugs öffnet. Ich bin angekommen und nun wird sich zeigen, ob ich bei den Vorbereitungen alles beachtet habe, oder zumindest die wichtigsten Dinge. Vor allem bin ich gespannt auf das kommende Jahr.
Mixtur der Völker an der Ostküste
Nicht nur geographisch unterscheidet sich die Atlantikküste stark vom Westteil des Landes. Hier ist es flach, Sümpfe und Lagunen sorgen dafür, dass der Transport größtenteils auf dem Wasser stattfindet. Während der Kolonisation schafften es die Spanier nicht, hier Fuß zu fassen. Stattdessen kamen die Engländer von der Karibik her. So stellen heute die dunkelhäutigen Kreolen einen Teil der Bevölkerung. Dazu kommen unter anderem verschiedene indianische Volksgruppen, darunter die Miskito als größtes lebendes Indianervolk der Welt.
Heute wird für die Stadt nicht nur der spanische Name Puerto Cabezas, sondern auch der indianische Name Bilwi benutzt. Ein Unterschied zeigt sich auch bei der Konfession. Während im Westen wie in ganz Lateinamerika die katholische Kirche dominiert, gehören an der Ostküste die meisten Menschen einer protestantischen Kirche an. Die mit Abstand größte und bedeutenste unter diesen ist die Iglesia Morava, in Deutschland unter dem Namen Herrnhuter Brüdergemeine bekannt. Ich werde bei dieser Kirche vor allem im Bereich der Jugendarbeit tätig sein.
 | | Das Zentrum von Porto Cabezas/Bilwi (Foto: ka-news) |
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Unterstützerkreis sichert Freiwilligendienst
Der "Internationale Friedensdienst" ist zwar als so genannter Anderer Dienst im Ausland als Ersatz für den Zivildienst anerkannt. An den Kosten beteiligt sich der Staat jedoch nicht. Auch die Badische Landeskirche hat nicht die Mittel, den jungen Leuten, die sie ins Ausland entsendet, ihren Freiwilligendienst vollständig zu finanzieren. In diesem Jahr sind es immerhin 25 junge Frauen und Männer, die für ein Jahr ihrer badischen Heimat den Rücken kehren und im Ausland in verschiedenen sozialen Einrichtungen mithelfen.
Die meisten Freiwilligen arbeiten in Italien, aber auch in Frankreich, Portugal, Polen, Rumänien, Argentinien oder eben Nicaragua.Es lag folglich an mir, den Großteil des nötigen Geldes durch einen so genannten Unterstützerkreis aufzubringen. Über 3.000 Euro spendeten Privatleute und Institutionen und halfen so mit, dass ich helfen kann.
In den kommenden zwölf Monaten werde ich nun aus einem Land für ka-news berichten, das so ganz anders ist als Deutschland. Aus einer Stadt, die so ganz anders ist als Karlsruhe und seine Region. Und wo es trotz aller Unterschiede auch vieles gibt, das dem Bekannten aus der Heimat erstaunlich ähnelt. (pes)
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