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14.05.2012 15:27
 
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Ohne Spaß kein Ernst: Probleme der Computer-Lernspiele [0]

Spaß und Unterhaltung sind auch bei einem Lernspiel elementar: Bei «Ludwig» von Ovos sucht ein Roboter auf der Erde nach Möglichkeiten, Energie aus erneuerbaren Quellen herzustellen. Foto: Ovos/dpa

Berlin Von Max-Morten Borgmann, dpa - Serious Games wollen beim Lernen helfen. Aber die «ernsthaften» Computerspiele müssen vor allem Spaß machen - sonst lässt jeder die Finger davon. Haben gute Unterhaltungsspiele am Ende den größeren Lerneffekt?
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Ein Ego-Shooter als Lernspiel? Das klingt absurd, für manche vielleicht sogar pervers. Die martialischen Kriegsspiele werden argwöhnisch beäugt und immer noch von manchen mit realen Gewaltexzessen in Zusammenhang gebracht. Wie kann da ein Spiel wie das umstrittene, jüngst preisgekrönte «Crysis 2» ein sogenanntes Serious Game, also ein Lernspiel, sein? Indem man genau hinschaut. «Wir können aus jedem Spiel ein Serious Game machen, wenn wir wissen, was die Wirkung ist», sagt Linda Breitlauch, Professorin für Gamedesign. Ein Chirurg etwa könne mit «Crysis» trainieren, weil das Spiel mit seiner Steuerung die Koordination zwischen Hand und Auge schule.

Oft und gerne werde untersucht, welche negativen Wirkungen Spiele haben könnten, klagt die Wissenschaftlerin von der Mediadesign Hochschule in Düsseldorf. Aber zu selten würden positive Aspekte erforscht. «Bei der Evaluierung sind wir noch ganz am Anfang.» Dabei ist ein unbeabsichtigter Lerneffekt gar nicht die Idee klassischer Serious Games. Hier steht das Lernziel am Anfang, das Spiel wird dann drum herum entwickelt. Umweltschutz ist gerade ein großes Thema, aber die Palette reicht über gesunde Ernährung, die Vermeidung von Hunger- und Naturkatastrophen bis hin zur Schulbildung - also zum Beispiel Mathe- oder Physikunterricht als PC-Spiel verpackt.

Fast alle eint ein Stigma: Sie gelten als furchtbar langweilig. «Serious Games haben ein massives Akzeptanzproblem bei Jugendlichen», sagt Jörg Hofstätter von der Wiener Agentur Ovos, die auch Lernspiele entwickelt. Immer wieder stehen Programmierer und Designer vor der Frage: Wie bringe ich eine interessante Geschichte mit didaktischen Inhalten zusammen - und zwar so, dass es auch noch gut aussieht? Die Sache wird umso schwieriger, weil für Lernspiele meist viel weniger Geld zur Verfügung steht als für Unterhaltungsspiele. So fällt selbst innerhalb der Branche das Urteil für viele Spiele vernichtend aus: Sie machen einfach keinen Spaß. Und was keinen Spaß bringt, das spielt auch keiner - da kann das Lernziel noch so gut sein.

Aber es gibt Ausnahmen. Das von Ovos entwickelte Spiel «Ludwig» bekam viel Lob und 2011 den Deutschen Entwicklerpreis. Die Idee: Roboter Ludwig landet auf der Erde und muss alles über (erneuerbare) Energie lernen, weil seinem Heimatplaneten der Strom ausgeht. Monatelang saßen die Entwickler mit Physiklehrern zusammen und tauschten sich aus, erzählt Hofstätter. Im Spiel, das eine sehr ordentliche Grafik hat, sollen aber keine Formeln gepaukt, sondern Zusammenhänge erklärt werden. In Physik-Klassen in Österreich ist das Spiel ein Renner. Das schönste Kompliment, das Hofstätter von den Jugendlichen zu hören bekam: «Wow, das ist ja ein echtes Spiel.»

Und dass das Lernen am PC bei Kindern sehr erfolgreich sein kann, zeigt eine aktuelle Studie der Universität Würzburg: Ein Spiel voller logischer Denkaufgaben steigerte die Intelligenz von 30 Förderschülern in nur sechs Wochen um durchschnittlich 11 auf 101 IQ-Punkte. Die Jagd nach einem Ziel - im Spiel war es ein blauer Diamant - halte die Kinder bei der Stange, erklärten die Forscher.

Gamedesign-Professorin Breitlauch trommelt unterdessen für die versteckten Potenziale der Spiele auch in anderen Bereichen: Sie berichtet von Forschern, die erfolgreich Spinnenphobien mit bestimmten Szenen aus dem Online-Rollenspiel «World of Warcraft» therapieren - nämlich mit Kämpfen gegen Riesenspinnen. Und bei Kindern mit schweren Verbrennungen verlaufe die Heilung schneller, wenn sie am Bildschirm Schneebälle auf verbrannte Stellen warfen.

Entwickler aus den USA ziehen mit einem Ego-Shooter sogar in den Kampf gegen Krebs - wenn das auch ein Ballerspiel der anderen Art ist. Bei «Re-Mission» schießen die Spieler in Science-Fiction-Optik auf Krebszellen im Körper eines Menschen. Der Kampf gegen die Tumore soll jungen Patienten die kräftezehrende Therapie erklären und tut das mit beeindruckendem Erfolg: Gerade Kinder hielten laut einer 2008 veröffentlichten Studie stärker an der Behandlung fest und nahmen regelmäßig ihre Medizin - woran es zuvor oft haperte.

«Das ist ein cooles Spiel, das dir ein wenig Hoffnung gibt und das Gefühl, dass du den Krebs besiegen kannst», sagte der an Leukämie erkrankte Taylor Carol, der an der Untersuchung teilnahm. «Es zeigt dir, dass du deinen Teil dazu beitragen musst, indem du deine Medikamente nimmst.»

Literatur:

Der wissenschaftliche Artikel zur Würzburger Studie ist im Journal «Empirische Sonderpädagogik», Ausgabe 2/2011, erschienen.

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