Sa, 31.10.2015 GLOBALE: Allahs Automaten

bis 21.08.2016

Die erste Renaissance fand nicht in Europa, sondern in Mesopotamien statt: Die arabisch-islamische Kultur wirkte – medienarchäologisch betrachtet – als Vermittlerin zwischen den Antiken vor unserer Zeit und der Frühen Neuzeit in Europa. Als Teil der Ausstellung »Exo-Evolution« erkundet »Allahs Automaten« anhand herausragender Beispiele die reiche und faszinierende Welt der Automaten, die im »l’age d’or« der arabisch-islamischen Kulturen zwischen dem frühen 9. und dem 13. Jahrhundert entwickelt und gebaut wurden. Die Maschinen zur Lobpreisung Gottes des Allmächtigen stehen vor allem in griechisch-alexandrinischer und byzantinischer Tradition. Sie haben spektakuläre Neuerungen hervorgebracht, die in Europa erst in der Moderne aufkamen: permanente Energiezufuhr, Universalismus und Programmierbarkeit. Zum ersten Mal werden vier der Meistermanuskripte des Automatenbaus aus Bagdad, dem nördlichen Mesopotamien und Andalusien zusammen ausgestellt: das »al-Jamic bayn al-cilm wa-’l-camal an-nafic fi sinacat al-hiyal« (Kompendium zur Theorie und Praxis der mechanischen Künste) von Ibn al-Razzaz al-Jazari von 1206 n. Chr, das »Kitab al-asrar fi nata?ij al-afkar« (Buch der Geheimnisse als Resultat von Ideen) des andalusischen Ingenieurs Ahmad ibn Khalaf al-Muradi aus dem 12. Jh., das »Kitab al-hiyal« (Buch der sinnreichen Einrichtungen, ca. 830 u. Zt.) von den Brüdern Banu Musa ibn Shakir sowie die Schrift »al-Ala allati tuzammir bi-nafsiha« (Das Instrument, das von selbst spielt) von 850 u. Zt., ein Meisterstück unter den modernen programmierbaren Musikautomaten. Darüber hinaus zeigt die von Siegfried Zielinski kuratierte Ausstellung Rekonstruktionen und Simulationen legendärer Artefakte: unter anderem das Meisterstück der audiovisuellen Automaten al-Jazaris, die sog. Elefantenuhr – ein spektakuläres Objekt zum Hören und Schauen von Zeit; und den programmierbaren Musikautomaten der Banu Musa als Animation und mechatronisches Funktionsmodell.
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