Heimathen

So, 17.07.2016 20:00, ZKM_Kubus, Kosten: 10/7 €

Als großer Plural bezeichnen Heimathen Ziele, Träume, Ideen, Heime und Fluchtpunkte in der Zukunft, immer neu benannt und im Wandel, wahre Objekte der Innovation. Drei Komponisten, der Badener Jan Kopp, der Uruguayer Alvaro Carlevaro und der Wahl-Frankfurter Hannes Seidl, setzen sich im gleichnamigen Projekt mit ihren und verschiedenen Heimathen auseinander – mit den durch Vertreibung genommenen oder neu gewählten, vielleicht sogar in der Kunst selbst gefundenen. Ihre neuen Kompositionen für Stimmen und Instrumente werden vom ensemble aisthesis in Zusammenarbeit mit dem Vokalensemble SCHOLA HEIDELBERG am 16.07. in Heidelberg uraufgeführt und am Folgetag erstmalig in Karlsruhe präsentiert – Werke mit dem Einfluss unterschiedlichster kultureller Prägung, aber mit überraschenden konzeptuellen Querverbindungen.

Demgegenüber stehen Vertonungen von Ossip Mandelstam, dessen poetische Werke Grundlage verschiedenster Kompositionen für kammermusikalische Besetzungen sind. »Heimat ist immer etwas Retrospektives. Ein Gefühl des Verlusts«, sagt der Regisseur Edgar Reitz. Schon 1924, lange vor dem Exil, »verfremdet« Arnold Schönberg in seiner »Suite op.29« in produktiver Spannung von vermeintlicher Vertrautheit und Distanz das »Ännchen von Tharau«, einen Inbegriff des deutschen Volksliedes. Sein Schüler Hanns Eisler führte (zusammen mit Brecht) dieses dialektische Verfahren im kalifornischen Exil weiter: Ihr »Hollywood-Liederbuch« bearbeitet und vertont Gedichte der deutschen Klassik neu, um sie so »aus dem Prozess geschichtlichen Versinkens herauszulösen, zu aktualisieren, ihnen eine veränderte Resonanz zu verschaffen« (Albrecht Betz).

»… und Vögel flogen nach diesen und jenen Richtungen, wie nach verschiedenen Heimathen« (Adalbert Stifter)
 

Programm

Jan Kopp »Sehnen 1« für 4 Männerstimmen und 3 Klarinetten
Alvaro Carlevaro intemperie
Hannes Seidl

»There is no place like home«

 

Arnold Schönberg Suite, op. 29, 3. Satz
Elena Firsova Winter Songs & Gobelin

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