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Karlsruhe Startschuss für Schlosslichtspiele: Ein visueller Segen für Karlsruhe

Am Donnerstagabend war es soweit: Die Karlsruher Schlosslichtspiele starteten in die dritte Auflage. Auch die ka-news-Kulturredaktion war am Premierenabend mit dabei und hat die Stimmung eingefangen. Eine Kritik von Toby Frei.

Spannungsgeladen ist wohl das richtige Wort, um zu beschreiben, was sich da am Donnerstagabend vor dem Schloss abspielt. Man hat das Gefühl, halb Karlsruhe ist auf den Beinen, so viele Menschen sind gekommen. Gut 12.000 Besucher, so die Zahl der Veranstalter, haben es sich nicht nehmen lassen, auch unter der Woche dabei zu sein. Zum ersten Festival-Wochenende werden weitere zehntausende Gäste erwartet.

Und auch das Wetter spielt am Donnerstagabend mit. Ein lauer Sommerabend bahnt sich seinen entspannenden Weg in die Gemüter der Anwesenden, ein fröhliches, internationales Stimmengewirr liegt in der Luft. Auch meine Sitznachbarin Myrna freut sich, dass es losgeht. Sie besucht die Schlosslichtspiele schon seit den ersten Tagen.

Ein guter Abend für die Kunst - aber nicht ohne Werbung

Das Ganze fühlt sich irgendwie zauberhaft an, und die geheimnisvollen Visuals tun ihr Übriges dazu. Das Tolle: Alle genießen das Event entspannt und friedlich. Zahlreiche Handys blinken bei Aufnahme und die Shows zeigen und beweisen, da sind echte Künstler am Werk - schon jetzt sind die Schlosslichtspiele ein kultureller Klassiker vor dem einzigartigen Ambiente des Karlsruher Wahrzeichens. Auch das programmatische Konzept gefällt: Jeweils eine kurze Einführung zu den Werken und dann geht's  auch schon schnörkellos rein in die Kunst. Also, ein Kompliment von meiner Seite an die Veranstalter, alles richtig gemacht!

Es ist rein von der Gesamtsituation ein wunderbarer Abend, ein leises Lüftchen weht - was will man mehr als Lichtspielfreund. Schon bei den ersten Shows greift spontaner Applaus um sich, bei den Schlosslichtspielen 2017 trifft man sich, um gesellig erfrischender Kunst vor dem Schloss zu frönen. 

Vielleicht ein (sehr) kleiner Tropfen Wasser in den Wein: Ohne (breit platzierte) Werbung geht's nun mal auch 2017 nicht. Aber das kann niemanden ernsthaft stören, zumal der Versuch unternommen wird, das Kommerzielle auch kreativ in den Ablauf des Abends einzubetten. Also, kein Grund zu verfrühter Aufregung, so ein (noch kostenfreies) Mammutprojekt muss und will auch finanziert werden.

Die Shows sind die Stars des Abends

Schließlich zu den (von ZKM-Chef Peter Weibel kuratierten) Shows, den Stars des Abends: Das sind allesamt überzeugende und kunstvolle Darbietungen, so verschieden und vielfältig die Ideen der beteiligten Künstler auch sind. Persönlich hat mir die Projektion "Defilee. Zum 100. Geburtstag der Avantgarde" mit am besten gefallen, eine Parade bedeutender Werke und Grundsätze der Avantgarde (Jackson Pollock, Paul Klee, Dadaismus).

Das monumentale Ende der Spiele an diesem Abend sind die Wassermassen, die der Israeli Eyal Gever mit "Cleansing" über die Schlossfassade branden lässt. Zuviel sei aber nicht verraten, sehen Sie in den nächsten Wochen lieber selbst! Nur soviel: Die Shows sind (nicht nur) ein kulturell-visueller Segen für (die Stadt) Karlsruhe. Alle Infos zu den Schlosslichtspielen gibt's hier.

Termin: noch bis 10. September, Schlossvorplatz, Karlsruhe

www.schlosslichtspiele.info
www.karlsruhe-event.de

Mehr zum Thema
Schlosslichtspiele Karlsruhe: Die Schlosslichtspiele finden seit 2015 vor dem Schloss Karlsruhe statt. In diesem Jahr präsentieren die Künstler ihre eigens für die Schlossfassade kreierten Shows vom 3. August bis 10. September.
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Kommentare (4)
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  •   ALFPFIN
    (5607 Beiträge)

    Könnte man nicht
    mit wenigen technischem Aufwand künstlerisch wertvolle Motive (ich meine jetzt nicht Werbung) grinsen in unserem UBähnle-Tunnel an den Wänden "durchlaufen" lassen, statt Lüpertz Schöpfungen. ZKM hätte sicher Ideen. Und wir müssten nicht 6 Jahre Lüpertz Schöpfungen angucken oder die Augen zuschließen, bis die Bahn wieder oben ist. grinsen

    Ich habe mehr einige Installationen bei der 300 Jahr Feier angeschaut und werde jetzt auch wieder hingehen. Es ist doch sehr beindruckend.
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  •   kika
    (48 Beiträge)

    Es soll ein schönes Erlebnis bleiben
    Ist doch schön, daß es Menschen gibt, die so viel Freude daran haben. Es gibt auch die, die ernst über die Realität und Kosten nachdenken. Es muß auch Kritik an der Dauerbespassung erlaubt sein. Auch ein schönes kulinarisches Erlebnis, zu oft wiederholt, führt nicht zum Dauergenuss sondern zum Überdruss.
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  •   Nachteule
    (368 Beiträge)

    Brot und Spiele
    in einer Stadt, die so gut wie pleite ist. Da ist den Stadtoberen jede Ablenkung recht. Da denkt man nicht an Sparpakete, sondern freut sich darüber, wie bunt das Schloss plötzlich aussieht...
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  •   HerrNilson
    (138 Beiträge)

    Wie verbittert
    muss man sein um solch einen Kommentar abzugeben. Sollen wir jetzt in Karlsruhe alle nur noch schwarz tragen, mit Leidensmiene und Zukunftsängsten umherlaufen? Mann Mann Mann. Tun Sie sich einen Gefallen und gehen Sie dahin und genießen das Erlebnis. Versuchen Sie es, es macht Spaß und bringt Freude.
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