Karlsruhe Zukunft der Karlsruher Kunsthalle: "Es gibt einen erheblichen Nachholbedarf!"

Was lange währt, wird endlich gut, heißt es. Das kann man den Verantwortlichen der Kunsthalle Karlsruhe nur wünschen, der Prozess um eine etwaige Sanierung/Erweiterung der Institution verläuft seit geraumer Zeit eher schleppend. ka-news-Kulturredakteur Toby Frei hat sich mit Direktorin Prof. Dr. Pia Müller-Tamm überdies über den Vergleich mit anderen Museen und vakante Posten unterhalten.

Warum ist die Sanierung/Erweiterung der Kunsthalle so wichtig und notwendig?

Ende Oktober eröffnen wir die Ausstellung "Cézanne. Metamorphosen", eine Große Sonderausstellung des Landes Baden-Württemberg und für unsere Besucher ein großartiges Kunsterlebnis. Aber die Arbeit für eine solche Ausstellung mit internationalen Leihgaben ist sehr kompliziert, wenn man hinter die Kulissen blickt. Wieder muss die Altmeistersammlung ihre Galerien verlassen, damit die Ausstellung in den wenigen gut klimatisierten Räumen gezeigt werden kann. Das ist so nicht länger vertretbar.

Und allgemeiner gesprochen: Die Kunsthalle ist eine Museum mit einer bedeutenden Sammlung und einer großen Geschichte. Wir verwahren äußerst wertvolle Gemälde, Plastiken und Kunstwerke auf Papier. Als staatliches Kunstmuseum haben wir einen öffentlichen Auftrag, den wir ernst nehmen: Es geht darum, die Kunst vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart den Menschen des 21. Jahrhunderts zu vermitteln. Diesen Auftrag können wir nur angemessen erfüllen, wenn das Museum die Voraussetzungen zur Bewahrung der Werke und zu ihrer Vermittlung bietet. Es gibt einen erheblichen Nachholbedarf.

Ich nenne nur die Themen Klima, Sammlungs- und Ausstellungsflächen, Serviceeinrichtungen bis hin zur Anzahl und zur Lage der Toiletten. Unser Team leistet Herausragendes unter schwierigen Bedingungen. Die Geschichte der Museen und auch der Kunsthalle Karlsruhe war immer eine Geschichte der Veränderungen.
Den nächsten wichtigen Entwicklungsschritt müssen wir jetzt gehen.

Wie ist der Stand der Dinge im Findungsprozess?

Derzeit führt das Land Baden-Württemberg einen Architektenwettbewerb durch, der sowohl die Sanierung des Hauptgebäudes im Realisierungsteil als auch die Erweiterung auf dem Gelände des Amtsgerichts im Ideenteil vorsieht.

Im März nächsten Jahres wird das Preisgericht die Vorschläge der teilnehmenden Architekturbüros begutachten und einen Planungspartner bestimmen. Die Ergebnisse des Wettbewerbs werden wir in der Kunsthalle ausstellen und zusammen mit unseren Partnern bei Vermögen und Bau und den Architekten in den Planungsprozess für die Sanierung des Hauptgebäudes eintreten.

Was macht den Unterschied zu anderen Museen aus, beispielsweise die von ihnen angesprochene Kunsthalle Mannheim, warum klappt das da, erfährt die international renommierte Kunsthalle in Karlsruhe genügend Wertschätzung?

In Mannheim hat sich der ganze Entscheidungs-, Planungs- und Bauprozess extrem schnell vollzogen. Dies war aufgrund einer sehr substantiellen Förderung in Höhe von 50 Millionen Euro durch einen Mäzen, Hans-Werner Hector, möglich, dem sich die Stadt Mannheim und andere Partner mit weiteren Mittelzusagen angeschlossen haben. Das ist beispielhaft und in Deutschland fast einzigartig.

Aber weit über Mannheim hinaus entwickeln sich die Kunstmuseen in eindrucksvoller Weise weiter. Schauen Sie nur in unsere nähere Umgebung: Das Städel in Frankfurt, das Unterlinden Museum in Colmar, das Kunstmuseum Basel, die Fondation Beyeler in Basel/Riehen, das Kunsthaus Zürich ... und viele andere Häuser sind dabei, ihre Potentiale auszuloten und zu verbessern.

Museen sind für Architekten eine äußerst interessante Aufgabe, sie setzt ein hohes Maß an Sensibilität im Umgang mit dem baulichen Bestand und ein Gespür für die Wirkungsmöglichkeiten von Kunst voraus. Die Kunsthalle kann in beiden Aspekten - in Bezug auf die Qualität der Architektur und der Sammlungsbestände - ihre Bedeutung und Schönheit stärker sichtbar machen und die Menschen dafür begeistern.

Die Kunsthalle hat nach Ihren Angaben "noch eine lange Strecke vor sich", was sind die wichtigsten Schritte?

Wir müssen uns auf einen längeren Prozess einstellen, weil mit der bevorstehenden Sanierung des Hauptgebäudes nur der erste - allerdings unerlässliche - Schritt getan ist. Wenn wir das Haus nach einer längeren Planungsphase und Schließzeit wiedereröffnen, so wird es ein großer Torso sein, das heißt, um den Bau nicht zu überfordern, werden wir mit diversen Funktionen aus dem Gebäude gehen, die nicht mehr wieder dorthin zurückkehren.

Nach der Sanierung fehlen uns immer noch ein adäquater Wechselausstellungsraum und ein geeigneter Vortragssaal, es fehlt die Bibliothek, die wir ebenso wie alle Büros ausgelagern und die im Interimsdomizil so lange bleiben, bis die Erweiterung realisiert ist. Die Arbeitsabläufe werden für die Mitarbeiter dann noch komplizierter sein als heute.

Die gute, zukunftsfähige Lösung mit zwei Hauptgebäuden, die durch eine unterirdische Passage miteinander verbunden sind, ist als Museumskonzeption über viele Stufen mit Vermögen und Bau und den Kollegen und Kolleginnen in der Kunsthalle erarbeitet worden; sie muss jetzt schrittweise umgesetzt werden.

Kurz zur Vakanz des Postens des kaufmännischen Geschäftsführers, ist ein Kandidat in Sicht, gibt es da schon personelle Tendenzen oder ist der Job mittlerweile besetzt?

Die Position ist noch nicht besetzt, aber wir hoffen, dass wir, das heißt die Findungskommission, die im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst tagt, im September zu einer guten Entscheidung kommen.

Die Fragen stellte Toby Frei.

 www.kunsthalle-karlsruhe.de
 

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Staatliche Kunsthalle Karlsruhe: Informationen zu Öffnungszeiten und Ausstellungen in der Staatlichen Kunsthalle in Karlsruhe sind übersichtlich in unserer Übersichtsseit zur Staatlichen Kunsthalle in Karlsruhe zusammengestellt.
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