Rheinstetten "art Karlsruhe"-Bilanz: Rekordverkäufe und "kenntnisreiches Publikum"

Die 13. "art Karlsruhe" schloss am gestrigen Sonntag mit einer "stattlichen Erfolgsbilanz". Vom 17. bis 21. Februar strömten 50.000 zunehmend internationale Besucher in die Hallen der Karlsruher Messe- und Kongress-GmbH (KMK). Britta Wirtz, Geschäftsführerin der KMK: "Wir haben einen starken Standort mit starken Anbietern geformt, der international ausstrahlt. Mit der 'art Karlsruhe' spielen wir in der ersten Liga internationaler Kunstmessen."

Mehrere Aussteller meldeten Rekorde, darunter die Stuttgarter Galerie Fuchs, die gleich zwei Hängungen von Jochen Hein verkaufte und neben weiteren Werken eine große Leinwand von Rainer Fetting vermittelte. Hubertus Hoffschild aus Lübeck konnte in kürzester Zeit seinen gesamten Stand, den er Friedel Anderson gewidmet hatte, an Kunstliebhaber veräußern. Bei seiner fünften Messe gewann er Interessenten für 16 Bilder. Andreas Binder, München: "Das war unsere erfolgreichste 'art Karlsruhe'. Wir haben sämtliche Arbeiten von Anna Krammig, eine frühe Baselitz-Grafik sowie ein größeres Werk von Jan Davidoff verkauft." Geschäftsführerin Britta Wirtz: "Die Ausgaben für Kunstkäufe haben sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt."

Erstmals vertretene Galerien ziehen eine positive Bilanz

Das Publikum ist im Wandel. Es kommen Kunstkäufer aus vielen Generationen. Bert Schlichtenmaier, Grafenau: "Es ist sehr schön zu sehen, dass die Besucherstruktur signifikant schon bei 20 Jahren aufwärts beginnt. Das ist gut für die 'art Karlsruhe'. Zu uns kam ein gebildetes Publikum aus Bremen, Hamburg, Köln oder aus Hessen. Wir haben ordentlich verkauft und sind sehr zufrieden. Die Preise rangierten bis knapp unter 50 000 Euro." Brigitte March, Stuttgart, die nach einer Pause wieder in Karlsruhe dabei ist, zieht das Fazit: "Hier kommen wirklich unglaublich gute Kunstkenner, und es gab museale Interessen an den Werken von Lawrence Weiner."

Thomas Riegger, Galerie Meyer Riegger(Karlsruhe/Berlin) bilanziert:  "Die Resonanz ist gut. Wir sind zufrieden mit unserem Umsatz und konnten neue Kontakte gewinnen." Darunter auch ein Karlsruher Sammler, der bei einer  Arbeit von Franz Ackermannzugriff. Kirsten Floss und Michael Schultz aus Köln, die auf nichtgegenständliche Kunst spezialisiert sind, machten der Messe ein großes Kompliment: "Wir sind absolut begeistert. Die Organisation ist einfach großartig. Sechs 'Monochrome Arbeiten' von Rolf Rose fanden ein neues Zuhause." Guido Zehetbauer-Salzer, zs art Galerie, Wien: "Unsere Verkäufe gingen an Privatkunden, die sich über die erstandenen Werke richtig freuten und die Kunst nicht als finanzielles Investment betrachten, sondern als ideellen Wert."

Stammaussteller ebenfalls hochzufrieden

Galerien, die quasi zur Stamm-Ausstellerschaft  gehören, meldeten ebenfalls gute Umsätze. Carsta Zellermayer, Berlin, die stets mit Bernard Schultze nach Karlsruhe kommt, bestätigt: "Wir konnten Werke ab 5.000 Euro aufwärts verkaufen. Die Leidenschaft der Sammler scheint ungebrochen." Rainer M. Ludorff, Düsseldorf: "Wir haben eine Plastik von Katharina Grosse vermittelt, aber auch Werke von K.O. Götz, Max Pechstein und Jerry Zeniuk. Das Publikum zeigte Interesse an unserem ganzen Programm." Volker Jescheck, Smudajescheck, (Ulm/München): "Break-Even kann ich nur sagen. Am Schönsten ist es, wenn wir sehen, dass die jungen Talente erfolgreich sind. Das ist für uns die bislang beste Messe." Fazit des Messe-Kurators Ewald Karl Schrade: "Wir bieten vielen jungen Künstlern an den Tagen der Messe ein gigantisches Publikum und zeigen, wie das Sammeln und der Kunsthandel die Kunst und Kultur fördern."

Auf dem Skulpturenplatz der Galerie Tammen & Partner aus Berlin dominierte die Farbe. Rostüberzogener Stahl war gestern. Herbert Mehler, Jahrgang 1949, hat nachgelegt und ist zur Farbe zurückgekehrt. Die Arbeiten sind zwar immer noch aus Corten-Stahl. Doch in neun Schichten sind sie lackiert. "Obwohl es Stahl ist, soll es wie Keramik wirken", beschreibt es Mehler selbst.

Vielfältige künstlerische Positionen auf der "art Karlsruhe" erlebbar

Anders die Medien: Ganz aus dem Leben sind die Fotografien des ungarischen Dokumentaristen Péter Korniss. Seine Reputation ist in Amerika unbestritten. Für den deutschsprachigen Raum lieferte die Budapester Várfok Galéria die Anregung, als Sammler einzusteigen. Seine wunderbare Langzeitreportage über den "Gastarbeiter", den er acht Jahre in seinem Leben begleitete, ist ein Stück Bild gewordene Geschichte. Fotografie auf höchstem Niveau präsentierte zudem die In Focus-Galerie aus Köln mit Fotos von Thomas Kellner: Schwarzweiße Montagen einzelner Sequenzen eines Kontaktbogens, die multiperspektivisch architektonische Monumente abbilden.

Hannspeter Kunz bei ABTART, Stuttgart, offerierte  den Zauber der japanischen Holzschnittkunst aus dem 19. Jahrhundert bis zu deren Einflüsse auf Künstler von heute: "An unserem Stand ging es zeitweise zu wie im Bienenhaus. Die Seltenheit des Sujets weckt Neugierde. Von den Grafiken unter 1.000 Euro kaufen unsere Kunden oft mehrere gleichzeitig."

Die nächste "art Karlsruhe" öffnet vom 16. bis 19. Februar 2017 ihre Tore.

www.art-karlsruhe.de

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (0)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!