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Karlsruhe Tatiana Braun aus Karlsruhe: "Ich war Teil der Berlinale"

Für Tatiana Braun ist ein Traum in Erfüllung gegangen: Die Karlsruherin durfte zehn Tage lang auf der Berlinale als Mitglied einer unabhängigen Jury arbeiten. Gemeinsam mit sechs weiteren jungen Filmfans verlieh sie den Preis des Deutsch-Französischen Jugendwerks. Ann-Kathrin Blaser sprach mit ihr über ihre Erlebnisse bei der Berlinale 2013.

Tatiana Braun liegt das nächtlich beleuchtete Berlin zu Füßen. Im Panoramacafé, der 24. Etage am Potsdamer Platz 1 in Berlin, hat sie eine kurze Verschnaufpause mit einem Gläschen Sekt und Häppchen, dann geht die Arbeit weiter. Für die Karlsruherin heißt die Arbeit für zehn Tage lang, unabhängiges Jury-Mitglied auf der Berlinale zu sein.

Sie und sechs andere 19- bis 28-Jährige aus Deutschland, Frankreich und Portugal wurden vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) unter 150 Bewerbern für die Jury ausgewählt. Aus der Berlinale-Sektion "Perspektive Deutsches Kino" suchen sie ihren Favoriten aus und verleihen ihm den Preis "Dialogue en perspective". "Das war schon seit längerem ein Traum von mir. Ich hatte mich schon zweimal beworben, aber wie heißt es so schön: Aller guten Dinge sind drei."

Eine Frage des Gefühls

Für die 28-Jährige ist diese Jury in doppelter Hinsicht perfekt: Zum einen ist Tatiana Braun zweisprachig mit mit Deutsch und Französisch groß geworden, ihre Mutter wuchs in Frankreich auf, ihr Vater ist Französischlehrer in Karlsruhe. "Für mich ist der deutsch-französische Kontext sehr wichtig und bereichernd", sagt sie. Deshalb hat sie für ihren Bachelor in europäischer Medienkultur sowohl in Weimar als auch in Lyon studiert, gerade macht sie ihren Master in europäischen Medienwissenschaften in Potsdam. In ihrer Studienwahl liegt der zweite Grund für ihr Streben in die DFJW-Jury: Die Leidenschaft zum Film.

"Schon von klein auf habe ich mich für Filme interessiert", erinnert sich Tatiana Braun. Für sie macht einen guten Film aus, wenn alles ineinander passt: die Farben, die Dialoge, die Kameraführung und all die anderen Details. Ob ihr das Gesehene dann wirklich gefällt, ist eine Frage des Gefühls: "Manche Filme muss ich setzen lassen, verdauen und nachdenken. Andere berühren mich einfach. Das ist doch das Schöne am Kino: Filme machen immer etwas mit einem", schwärmt Tatiana Braun.

Vier Stunden hitzige Diskussion

So wie "Zwei Mütter" von der Ludwigsburger Filmstudentin Anne Zohra Berrached, einer der Filme der Sektion "Perspektive Deutsches Kino". Darin kämpft das lesbische Paar Katja und Isabella um ihren Wunsch nach einem eigenen Kind. Doch die beiden verlieren über die Ablehnung der meisten Ärzte aufgrund ihrer Homosexualität, gescheiterten Versuchen künstlicher Befruchtung und Geldsorgen beinahe ihre Liebe. "Der Film war schön, überzeugend und authentisch. Das Thema ist zwar politisch, aber nicht politisierend dargestellt. 'Zwei Mütter' ist eine Mischung aus Dokumentar- und Spielfilm, damit eröffnet er eine ganz neue Perspektive", fasst Tatiana Braun ihre Meinung und auch die Begründung der Jury zusammen - "Zwei Mütter" gewann am Ende den Preis des DFJW.

Vier Stunden lang hatte die Jury angeleitet von Jury-Präsidentin und Regisseurin Emily Atef hitzig diskutiert, berichtet die Karlsruherin: "Jeder hat seinen Lieblingsfilm und kämpft dafür. Ich habe von Anfang an für 'Zwei Mütter' gekämpft." Mit Erfolg.

"Ich war Teil der Berlinale"

Der Preis ist verliehen, die Wege der sieben Jury-Mitglieder trennen sich wieder. Für Tatiana Braun war die Zeit "sehr anstrengend" aber dafür bereichernd: "In diesen zehn Tagen habe ich einen riesigen Batzen an Erfahrungen machen können. Auch menschlich hatte ich eine tolle Zeit, es sind wahre Freundschaften entstanden. Für mich kann ich nun sagen: Ich war Teil der Berlinale."

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