Karlsruhe New Model Army: "Nach Karlsruhe kommen wir immer gerne"

Seit 37 Jahren begeistert die britische Independent-Rockband New Model Army bereits ihr Publikum. Auch in Karlsruhe sind sie regelmäßig zu Gast: Sie spielten auf Das Fest und regelmäßig im Substage, zuletzt im März 2017. ka-news hat Frontman Justin Sullivan einige Fragen gestellt - über das deutsche Publikum, das neuste Album "Winter" und den Brexit.

Es ist nicht Ihr erstes Mal auf Tour in Deutschland - was ist Ihr Eindruck vom deutschen Publikum?  Geht es ab oder sind es eher ruhige Zuhörer?

Anders als die meisten Künstler denke ich an mein Publikum nicht als ein großes Ganzes. Ich versuche nicht, sie alle zu vereinen oder sie alle dasselbe fühlen oder gleich reagieren zu lassen. Ich glaube, dass ein Publikum aus Individuen besteht, jeder hat eine andere Geschichte, andere Bedürfnisse und verschiedene Reaktionen auf die Musik.

Manche tanzen gerne, manche sind gerne laut und singen, manche bauen Pyramiden und andere stehen eben still da und hören zu. Aber manchmal entsteht ein starkes Einheitsgefühl während des Konzertes - ein Gefühl, das noch stärker ist, weil es nicht manipuliert wurde. Generell mag ich deutsches Publikum, weil es unseren Widerspruch, gleichzeitig sehr direkt beziehungsweise energisch und sehr romantisch sein zu wollen, versteht.

Sie waren bereits mehrmals in Karlsruhe - hatten Sie die Zeit, etwas von der Stadt zu sehen? Was hat Ihnen am besten gefallen?

Wir waren schon oft in Karlsruhe, haben allerdings noch nicht die Zeit gehabt, uns die Stadt anzusehen, die haben wir nur, wenn wir ein paar Tage frei haben. Auf einer langen Tour sind wir zu müde und fokussiert, um gute Touristen zu sein. Aber Karlsruhe ist ein Ort, an den wir sehr gerne kommen.

Spielen Sie noch den Klassiker "51st state" auf der Bühne? Ist der Song "51st state" in Anbetracht der momentanen Situation in den USA wieder aktueller als je zuvor?

Es gibt eigentlich keine Klassiker, den wir spielen MÜSSEN. Wir spielen, worauf wir Lust haben. "51st state" haben wir einige Jahre lang kaum noch gespielt, bis zum letzten Oktober, als der Songschreiber (ein alter Freund) leider verstorben ist. Im ersten Teil unserer Winter-Tour haben wir ihn dann als Andenken an ihn erneut gespielt. Dieses Jahr auf Konzerten in Großbritannien und Amerika erschien der Song auf einmal wieder "aktuell", deswegen haben wir ihn weiterhin gespielt. 

Wie wichtig ist Ihnen das neue Album "Winter"? Mögen Sie es lieber als "Between Wine and Blood"?

Jedes Album ist wichtig für uns, in der Zeit in der wir es aufnehmen. "Winter" ist definitiv einen Schritt entfernt von "Between Dog And Wolf" und "Between Wine And Blood". Sie waren beide sehr "Studio-lastig", erschaffen im Studio und gemixt von einem der weltbesten Mixer, Joe Barresi, damit es gewaltig und wunderschön klingt. Mit "Winter" sind wir genau den gegensätzlichen Weg gegangen - wir wollten den Sound einer sehr lauten Live-Band in einem sehr kleinen Raum. Wir glauben, das haben wir ganz gut hinbekommen - jetzt denken wir an den nächsten Schritt!

Was ist Ihrer Meinung nach die perfekte Zeit und der perfekte Anlass, um sich "Winter" anzuhören?

Das ist eine sehr interessante Frage, die die Leser wahrscheinlich besser beantworten können als ich. Aber es ist ein trostloses und dunkles Album, also wahrscheinlich in trostlosen und dunklen Momenten.

Welche Bands oder Künstler bewundern Sie am meisten?

Das sind so viele, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Aber ich kann sagen, dass es einen Gig gab, der mein Leben und die Art wie ich Live-Musik wahrnehme, für immer verändert hat und in gewisser Weise die Vorlage für New Model Army war. Das war ein fantastischer Gig von "The Ruts" in einem kleinen Pub in Bradford 1979; er hat mein Leben verändert.

Was sind die meist gespielten Songs auf Ihren privaten Playlists?

Vor ein paar Jahren habe ich auf meinen iPod gesehen und war überrascht, Gillian Welch als meine meist gespielte Künstlerin vorzufinden. Aber eigentlich bin ich wie jeder andere auch - meine Lieblingslieder und -künstler ändern sich die ganze Zeit. 

Anderes Thema und etwas Politik zum Schluss: Sie sind Brite - was halten Sie vom Brexit? 

Ich persönlich halte den Brexit für absolut verrückt, es macht keinen logischen Sinn. Die Abstimmung, die EU zu verlassen, war eine reine Bauchentscheidung, kein gut durchdachter Prozess. Was wird jetzt passieren? Keiner weiß es...

Die Fragen stellte Corina Bohner. Fragen und Antworten wurden aus dem Englischen übersetzt.

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