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Karlsruhe Karlsruher Musicaldarstellerin: "Man muss ein Kampfschwein sein"

Letztes Jahr war sie Prinzessin: Sabrina Becker ist gebürtige Karlsruherin und für ihren Traumberuf in ganz Deutschland unterwegs. Zur Ausbildung als Musicaldarstellerin hat es sie nach Hamburg verschlagen - mit dem Musical "Die Schöne und das Biest" tourte sie durch Deutschland, Österreich und die Schweiz und zuletzt stand sie als "Dornröschen" in Hamburg auf der Bühne. Immer unterwegs vermisst sie vor allem ihre Mutter. Bei einem kurzen Heimatbesuch traf ka-news die junge Künstlerin zum Gespräch.

Karlsruhe ist eine sehr technisch geprägte Stadt. Wie kommt man ausgerechnet hier auf die Idee, auf die Bühne zu gehen?

Vielleicht weil ich gerne rebelliere... Nein, ehrlich gesagt kann ich nicht sagen, ob es einen Zusammenhang zwischen mir, der Bühne und der technisch geprägten Stadt Karlsruhe gibt. Ich war nie wirklich an der Technik interessiert. Vielmehr hat das Künstlerische mein Herz erobert und mich letztendlich auf die Bühne gezogeen. Erste "Bühnenluft" konnte ich im Musical "Oliver Twist" schnuppern, als ich zum ersten Mal die Möglichkeit hatte mit richtigen Profis auf der Bühne zu stehen.

Wenn Sie noch einmal alles neu entscheiden dürften: Würden Sie wieder den gleichen beruflichen Weg einschlagen? Auch im Hinblick auf das, was Familie und Freunde von Ihrer Berufswahl halten?

Ja, das würde ich! Es war absolut richtig. Natürlich weiß ich jetzt viel mehr über meinen Beruf und alle Facetten, die er mit sich bringt, als am Anfang. Diese Erfahrungswerte schon zu Beginn gehabt zu haben, hätte sicherlich einiges einfacher gemacht. Ich hatte das große Glück, dass mich meine Familie und Freunde dabei unterstützt haben, diesen Weg zu gehen. Sie haben mir immer den Rücken gestärkt, standen mir mit Rat und Tat zur Seite und haben mich so motiviert weiterzumachen. Und dass sie jetzt stolz auf mich sind, macht mich sehr glücklich.

Mittlerweile hat es Sie nach Hamburg verschlagen. Wie ist es im hohen Norden?

Hamburg ist zu meinem zweiten Zuhause geworden. Aber meine Heimat wird immer Karlsruhe bleiben, da dort meine Familie lebt und mich die Zeit in der Heimat natürlich auch sehr geprägt hat.

Was vermissen Sie an Ihrer Heimat am meisten?

Am meisten vermisse ich die Menschen, die mir sehr nahe stehen - insbesondere meine Mama. Und natürlich fehlen mir die Natur, die Berge, der Schwarzwald, die Architektur - vor allem die Schlösser und vor allem das im Gegensatz zu Hamburg schöne Wetter, der warme Sommer und die Sonne!

Musical wird ja als Sparte oft belächelt - dabei liest sich schon die Beschreibung für die Aufnahmeprüfung an einer der Musicalschulen anspruchsvoll. Wie hart ist die Ausbildung wirklich?

Ich habe auch ab und an die Erfahrung machen müssen, dass Musicaldarsteller teilweise nicht als "vollwertige" Künstler angesehen werden. Es wird gesagt, dass sie "alles", also Gesang, Tanz und Schauspiel, können, aber nichts richtig. Aber ich bin der Meinung, dass es ein Fehler ist, mit dieser Aussage alle Musicaldarsteller über einen Kamm zu scheren.

Ein Musicaldarsteller muss in allen drei Disziplinen überzeugen und bestehen können, damit er die bestmöglichen Chancen in seinem Beruf hat und das wiederum erfordert viel Arbeit und Höchstleistungen. In meiner dreijährigen Ausbildung habe ich mein Handwerk als darstellende Künstlerin erlernt - das war oftmals extrem hart. Man kam sehr oft an seine physischen und psychischen Grenzen und musste diese zudem überschreiten. Die Kunst daran ist, sein Gleichgewicht nicht zu verlieren und den Weg zu sich zu finden.

Oft weiß ein Musicaldarsteller nicht, wo er im nächsten Jahr sein wird. Wie ist es mit der Jobsuche und der ständigen Ungewissheit, was als nächstes kommt?

Ich glaube es ist gut, wenn man ein sogenanntes "Kampfschwein" ist. Dazu gehört, dass man an sich glauben muss, um die Kraft zu haben sich ständig verbessern zu wollen. Denn es ist unabdingbar, dass man stetig an sich und seinen künstlerischen Fähigkeiten arbeitet, sich weiterentwickelt, besondere, individuelle Qualitäten herausarbeitet, die dann letztendlich dazu beitragen sich auf dem Markt durchzusetzen und zu bestehen.

Ich glaube das Motto "Gib niemals auf" hat mich in meiner künstlerischen Laufbahn immer begleitet. Man muss an sich glauben und somit auch Niederlagen und Absagen einstecken können. Dabei sollte man lernen sich diese Dinge nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen und vor allem nicht persönlich.

Gibt es einen Plan B?

Es gibt keinen konkreten Plan B. Mein Plan B ist Plan A. Das bedeuetet, dass man trotz der Unsicherheit was Jobs angeht auf der anderen Seite die Möglichkeit hat, sich so breit gefächert wie möglich aufzustellen, beziehungsweise in so vielen künstlerischen Bereichen wie möglich zu etablieren. Und ich glaube, dass wenn ich diesen Weg nicht eingeschlagen hätte, ich es vielleicht in ein paar Jahren bereuen würde. Ich denke, dass wenn man etwas wirklich will und das ein "Herzenswunsch" ist, muss man manchmal eben das volle Risiko eingehen.

Bühnendarsteller scheinen oftmals ein "Ablaufdatum" zu haben, vor allem Frauen - beispielsweise über 40 - sieht man eher seltener.

Das Wort "Ablaufdatum" klingt etwas negativ behaftet. Ich könnte mir vorstellen, dass sich mit den Jahren die Tätigkeitsschwerpunkte verlagern könnten und man vielleicht verstärkt als Schauspieler oder Synchronschauspieler oder -sprecher arbeitet. Dieser Beruf ist auch etwas ganz besonderes und erfordert viel Übung und Talent. Wenn man jedoch schon früh versucht auch in diesem Bereich Fuß zu fassen, hat man noch mehr Möglichkeiten. Es gibt so viele großartige Schauspieler, die über 40 sind!

Und gerade die lange Zeit, in denen sie so viele Erfahrungen gesammelt haben, zeichnet sie doch aus. Deshalb finde ich es nicht richtig, ein altersbegrenztes Limit zu setzen. Im Musical ist dies jedoch gefühlt mehr verbreitet als im Schauspiel. Man sollte sich keine Grenzen setzen, sondern versuchen mutig zu sein und neue Wege für sich zu entdecken!

Und zum Schluss: Welche Frage würden Sie sich am liebsten selbst in einem Interview stellen und was wäre Ihre Antwort darauf?

Bist du glücklich? Ich würde mit ja antworten, denn ich darf meinen Traum leben und habe jeden Tag die Chance das Beste daraus zu machen. Dafür bin ich sehr dankbar und wünsche mir, dass es immer so weitergeht.

Die Fragen stellte Melanie Müller.

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Kommentare (4)
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  •   Waterman
    (5800 Beiträge)

    17.02.2014 13:31
    Respekt für ihren Willen, ihren Weg zu gehen.
    40 ist kein Alter.
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  • 0
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    17.02.2014 14:47
    Die ist
    doch keine 40.
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  •   Waterman
    (5800 Beiträge)

    18.02.2014 09:04
    Bezog sich auf MMs Frage:
    "Bühnendarsteller scheinen oftmals ein "Ablaufdatum" zu haben, vor allem Frauen - beispielsweise über 40 - sieht man eher seltener."

    Denke ich da an Meryl Streep und andere Hupfdohlen aus Deutschland, ist diese Frage sehr negativ und eigentlich nur dem jugendlichen Abstand zuzurechnen.
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  •   Faecherstadt_Guerilla
    (4092 Beiträge)

    17.02.2014 08:09
    Mit Musicals ...
    kann man Katzen foltern.
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