Karlsruhe Happy Heavy-Zen-Jazz: Trigons 20-Jähriges am 17. Oktober

Gitarristen besitzen bekanntlich die größten Egos. Die Gitarre bei Trigon heißt Rainer Lange und der spielt erste Geige. Da die Vocals beim Karlsruher Trio gestrichen sind, ist auch gleich klar, dass ihre Musik den Hang zum Uferlosen hat. Ausgiebig geprogrockt wird aus gegebenem Anlass am Samstag, 17. Oktober, bei freiem Eintritt im Crazy Kong: Trigon feiern 20 Jahre Bandgeschichte.

Schlicht geklampfte Riffs sind der Ausgangspunkt für hochkomplexe Soundstrukturen, fein verwoben durch exzessive Soli. Diesen Stil nannte die Truppe lange Zeit Heavy-Zen-Jazz. Jazz wahrscheinlich deshalb, weil Trigon keinen Song schreiben. Das Trio improvisiert sie. Und heavy, weil es eben rockt. Aber warum Zen? Ganz einfach, weil sich das Ergebnis einfach total abgefahren anhört.

1989 ist es, als die Brüder Rainer und Stefan Lange (Bass) beschließen, mit Schlagzeuger Ralf Wochele unter dem Namen Trigon loszujammen. Während das Brüderpaar über die Jahre echte Steherqualitäten beweist, wird der Trommlerschemel immer wieder von Neuem angewärmt: Nach der ersten Studioplatte "Nova" (1990) zieht es Ralf in die Popgefilde von Fools Garden; Thomas Zimmer, in Karlsruhe auch als Schreiberling nicht unbekannt, beerbt ihn '92, aber auch er gibt den Platz an den Fellen drei Jahre später weiter. Sein Nachfolger Kirk Erickson dient so lange, bis es ihn in die Staaten zurückzieht.

Mit Daniel Beckmann an den Drums nehmen Trigon im Jahr 2000 dann das zweite Studioalbum "Beschränkte Haftung" auf. Mangels gepflegter Double-Bass-Attacken im Trigon-Set räumte aber auch er seinen Stuhl und so bekam 2003 Tihomir Lozanovski Gelegenheit, die Schießbude unter Dauerfeuer zu nehmen.

"Continuum" (2004) und "Emergent" (2005) machen die Studio-Diskografie bis dato vollständig; dazu kommen etliche über die Jahre  in Heimarbeit erstellte Public-Jam-Session-CDs mit so kongenialen Titeln wie "HeiZen", die mittlerweile echten Seltenheitswert haben, sowie zwei amtliche Live-Alben vom "Burg Herzberg Festival" 2002 und 2004. Trigons Output findet sich selbst auf einer Map für den Egoshooter "Quake III Arena" ("Decadence And Corruption") und überhaupt sind die drei Karlsruher in vielen fremden Welten zuhause: Internationale Bühnen wie das "Baja Prog" in Mexiko und das "Crescendo Festival de Rock Progressive" bei Bordeaux gehören ebenso zur Historie wie Auftritte beim renommierten "Freakshow Art Rock Festival" in Würzburg, der "Prog Parade" oder der "Zappanale" in Bad Doberan.

Dort wurde auch die DVD "Live 2007" aufgezeichnet. Seither ist Power-Space-Kraut-Jam-Rock die Betitelung dessen, was herauskommt, wenn Rainer Lange seine Ibanez mit dem Wah-Wah-Pedal in psychedelische Höhen jagt, mit ihr quietscht, fiepst, jault und jubiliert, geerdet einzig noch von Bruders Bass und Felltracktierer Timi. Für den einen mag es der Vorhof zur Hölle sein. Der Prog-Rock-Aficionado aber schwebt beim Trigon-Gig im siebten Saitenhimmel.

Rainer Lange im ka-news-Profil

"Quake III Arena"-Map herunterladen

www.musikult.com
www.trigon.in

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