Karlsruhe Distelmeyer mal anders: CD-Kritik zu "Songs From The Bottom Vol. 1"

Ab sofort gibt's jeden Freitagmittag eine kräftige Dosis Kultur, verabreicht von ka-news-Kulturredakteur Toby Frei: und zwar in der Kolumne "K-Freitag", kurz für Kultur am Freitag. Die Themenpalette reicht dabei von U-Kultur bis zur E-Kultur, umfasst eben alles, was kulturell lohnenswert ist. Heute: Jochen Distelmeyer war Kopf der genialen Blumfeld, die sich leider viel zu früh aufgelöst haben. Jetzt schiebt er ein geschmackvolles (und überraschendes!) Cover-Album nach.

Anfangs noch recht verkopft, kam man bei Blumfeld irgendwann zu (fast zu) poetischer deutschsprachiger Pop-Musik - das Quartett hat ja epochale Alben abgeliefert, man denke an moderne Klassiker wie "Die Ich-Maschine", "L'Etat Et Moi" oder auch das spätere "Verbotene Früchte". Man könnte hier die Seiten voll schreiben, um das Oeuvre des gebürtigen Bielefelders zu beleuchten, auch sein Debütalbum "Heavy" beispielsweise war 2009 ein tolles Stück Indie-Pop. Heute aber ist "nur" seine neue Platte dran, ein Cover-Album. Aber was für eines!

Song-Auswahl hält große Überraschungen parat

Die Song-Auswahl von "Songs From The Bottom Vol. 1" hält - erstmals realisiert - doch ziemliche und auch irgendwie logische Überraschungen parat, da geben sich so unterschiedliche Künstler(innen) wie Lana Del Rey, The Verve und Britney Spears (!) die Klinke in die Hand. Fangen wir gleich mit der Letztgenannten an: "Toxic" ist/war definitiv eine der stärkeren  Nummern von La Spears, die akustische Version von Distelmeyer verleiht dem Song eine besondere Note. Fast so gut wie Travis damals mit "... Baby One More Time". Akzeptiert.

"Bitter Sweet Symphony" ist ein All-Time-Classic aus den 1990ern von The Verve, ausgekoppelt damals als erste Single aus der Platte "Urban Hymns" - ein Wahnsinnswerk, kein Wunder, dass Distelmeyer da zugreift. Auch "Video Games", im Original von Lana Del Rey, war in 2011 ein echter Welthit - hier veredelt von Distelmeyers sonorem Organ.

"Songs From The Bottom Vol. 1": ein durchweg (sehr) gutes Album

Dazu kommen die Melodieseligen von den Byrds ("Turn, Turn, Turn") zu Ehren, ebenso der "Pyramid Song" der (immer noch) genialen Radiohead. Über "Let's Stay Together" brauchen wir keine Worte verlieren, ein Soul-Klassiker von Al Green, der hier in abgespeckter Form verabreicht wird - eigenwillig und mit gebremstem Schaum, aber gut. So wie eigentlich das ganze Album. Höchst positiv zu erwähnen sind auch noch (die Klassiker) "I Read A Lot", "On The Avenue" (Aztec Camera) und "This Old Road" (Kris Kristofferson) - unspektakulär, gleichzeitig schwerstens geschmackvoll.

"Songs From The Bottom Vol. 1" ist dann auch ebenso zu beschreiben: kein überragendes, aber ein durchweg (sehr) gutes Album, das manch einen erstaunen dürfte. Trotzdem darf man als Fan natürlich gespannt sein auf die nächste Solo-Platte mit Distelmeyer-Eigengewächsen.

Ich wünsche Ihnen ein schönes und vor allem kulturelles Wochenende!

Ihr Toby Frei

www.jochendistelmeyer.de

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