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Karlsruhe Der ka-news-Kinotipp: Black Death

Seit vergangenem Donnerstag ist der Mittelalter-Streifen "Black Death" in Karlsruhe zu sehen. Dabei entpuppt sich der untypische Genre-Außenseiter bei genauerer Betrachtung als eine Perle der Filmkultur, die durch eine hervorragende Regie-Arbeit besticht. Leider wird das Werk jedoch nach aller Wahrscheinlichkeit an der Aufmerksamkeit eines breiten Publikums vorbeigehen.

Der ka-news-Kinotipp von Daniel Cornicius

Das Jahr 1348. Europa wird von der Pest heimgesucht - überall lauert der Tod. Um seine heimliche Geliebte Averill (Kimberley Nixon) vor der Seuche in Sicherheit zu bringen, schickt sie der junge Kloster-Novize Osmund (Eddie Redmayne) in die abgeschiedenen Wälder, aus denen beide stammen.

Kurz darauf schließt sich der junge Mönch einer Truppe finsterer Söldner an, die nach einem ortskundigen Führer auf dem Weg in die Wälder suchen. Im Auftrag des Bischofs sollen die Männer ein abgelegenes Dorf unter die Lupe nehmen, dessen Bewohner einen Pakt mit dem Teufel eingegangen sein sollen und so von der Pest verschont werden. Die Gelegenheit für Osmund, seine Geliebte wiederzusehen. Es beginnt eine Reise durch das von der Epidemie verseuchte Land, bei der jede Menge Blut fließt und der Glaube der Krieger auf eine harte Probe gestellt wird.

Wer ein strahlendes Fantasy- oder Ritterepos erwartet, bei der fesche Recken in glänzenden Rüstungen und mit wallendem Haar für das Gute streiten, der wird bitter enttäuscht. "Black Death" liefert ein ungeschöntes Bild des 14. Jahrhunderts, das historisch gut recherchiert ist und so durch Authentizität überzeugt. Die Krieger sind zu jeder Brutalität bereit, haben schlechte Zähne und gehen zu Fuß. Die Kämpfe sind wenig elegant und werden als das dargestellt, was sie wirklich waren: Ein verrohtes Aufeinander-Eindreschen - nur mit Eisenwaffen, statt mit der Keule wie in der Steinzeit. Nein, diese Mittelalter-Vision regt nicht zum Schwärmen an, sondern erinnert daran, wie glücklich sich jeder schätzen kann, dass dieses finstere Zeitalter lange vorbei ist. 

Mit inszenatorischer Brillanz lässt Regisseur Christopher Smith den Zuschauer über weite Strecken im Unklaren darüber, ob nun tatsächlich übernatürliche Geschehnisse im Gang sind oder nicht. Mit diesem Trick - im Film ist ja alles möglich - erzeugt er genau jene Verunsicherung, welche die Menschen in der Geschichte des Abendlandes so oft an Magie und Hexerei glauben und die schrecklichsten Gewalttaten verüben ließ. Wer gegen das Böse kämpft, darf eben nicht zimperlich sein.

Durch das Eintauchen in diese von Gewalt und Tod bestimmte Welt, in der menschliches Leben so flüchtig ist, kann der Zuschauer eine leise Ahnung davon bekommen, wie sich die hohe Bedeutung von Religion im Mittelalter erklärt. Ganz nebenbei liefert der Handlungsverlauf in der Interpretation auch vereinzelte Erklärungsansätze für die unmenschliche Gewalt, die das heute nostalgisch romantisierte Zeitalter prägt. Es ist die eigentliche Leistung von "Black Death", ein greifbares und plausibles Bild des Mittelalters zu liefern, das fast dokumentarische Qualität besitzt.

And The Oskar Goes To ... Who?

Dass der Cast ohne internationalen Superstar auskommt, ist eher eine Stärke als eine Schwäche des Films. Sämtliche Darsteller sind passgenau auf ihre Rolle ausgewählt und verleihen dem Werk eine besondere Glaubwürdigkeit. Ein überzeugender Sean Bean führt seine Söldnertruppe durch die mittelalterliche Pampa und erhält als einziges bekanntes Gesicht die souverän erspielte Aufmerksamkeit, die ihm als Boromir im ersten Teil der Herr-der-Ringe-Trilogie nur bedingt zuteil wurde.

Leider wird die Abwesenheit internationaler Superstars auch für die Abwesenheit vieler Kinobesucher sorgen - ein Schicksal, das "Black Death" mit dem letzten Oskar-Gewinner "The Hurtlocker" teilen wird. Ähnlich wie dieser, läuft der ambitionierte Streifen nur auf einem Nebenprogramm-Platz im Filmpalast am ZKM. In den Programmen anderer Karlsruher Kinos sucht man gar vergeblich. Und so könnte es bei der nächsten Oskar-Verleihung - sollte "Black Death" von den Juroren berücksichtigt werden - durchaus wieder passieren, dass ein verwundertes Publikum noch nie etwas von einem der Nominierten oder sogar dem Gewinner-Film gehört hat. Da könnte man sich fragen, nach welchen Kriterien die Kinobetreiber eigentlich ihre Filme auswählen...

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Kommentare (3)
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  •   yokohama
    (2979 Beiträge)

    15.09.2010 18:22
    Außergewöhnlicher Film jenseits Hollywood
    Ein sehenswerter Film - mit geringem technischen Aufwand hergestellt, brutal, schwankend zwischen realistisch und fantastisch und ohne Zuweisung der Charaktere in die Kategorien Gut und Böse. Wer natürlich Hollywood-Effekte- und Unterhaltungskino erwartet, wird enttäuscht sein.
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  •   manu_ka
    (181 Beiträge)

    12.09.2010 23:47
    ...
    Dieser Film fesselt keineswegs. Einfach nur träge und mies gemacht. Schaut Ihn lieber nicht an, es gibt gerade viel bessere Alternativen.
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  •   zico
    (1471 Beiträge)

    13.09.2010 12:58
    subjektive Meinung
    das sollte schon jeder für sich selber wissen, ob er sich den Film anschaut oder nicht.
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