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Karlsruhe Der ka-news-Buch-Tipp: Feldpost eines Badischen Leib-Grenadiers 1914-1917

Hermann Föllmer aus Königsbach-Stein wurde 1893 geboren und starb Mitte 1917 in Nordfrankreich an einer Verwundung infolge einer zu kurz geratenen deutschen Granate.

Im Herbst 1914 wurde er zu den badischen Leibgrenadieren eingezogen (was er ohne jede Begeisterung tat) und Anfang 1915 nach Frankreich verlegt. In diesen zweieinhalb Jahren, in denen er nur einmal Urlaub bekam, schrieb er etwa 360 Briefe an seine geliebten Eltern nach Königsbach.

Darin schildert er die schwierigen äußeren Umstände im Schützengraben und in der Etappe, er beklagt die mangelnde Versorgung und freut sich in fast jedem Brief über die ihm zugesandten Nahrungsmittel und bittet auch um frische Kleidung. Er trauert um gefallene Kameraden und fragt nach, wie es zu Hause geht. Das Grauen des Krieges verschweigt er soweit möglich und schildert stattdessen die schlimmen Ereignisse verharmlosend. An seinem Ende stehen Briefe von Lazarett, Feldwebel und Kommandeur und eine noch erhaltene Fotoplatte seines Grabes.

Der ka-news-Buch-Tipp von Martin Kuld

Seine Briefe vermitteln in besonderer Weise einen Eindruck von den Sorgen und Nöten aber auch den Gedanken eines intelligenten und einfühlsamen jungen Mannes aus dem einfachen aufstrebenden Bürgertum während des Krieges, so wie sie in dieser Form bisher noch nicht vorlagen.

Die Briefe, die Susanne Asoronye von ihrer Großmutter erhalten hatte, lagen über 25 Jahre in einem Karton im Schrank, bevor sie sich daran machte, das kurze Leben ihres Großonkels zu rekonstruieren. Hierzu waren drei Jahre der Recherche, des Besuchs von Originalschauplätzen und Auswertung hunderter Originaldokumente erforderlich.

Geschickt bindet die Autorin die Briefe in den Kontext der geschilderten Ereignisse ein. Sie beschreibt die Situation in der Heimat, das Wirken des Königsbacher Kriegshilfevereins, schildert die Schlachten, an denen Hermann Föllmer teilnahm, das Leben im Schützengraben und das Funktionieren der Feldpost, denn ohne dieses Wissen könnte man die Briefe nicht verständig lesen. Dem Leser gelingt es, unterstützt durch zahlreiche Originalfotos, sich in die damalige Zeit einzufühlen. Susanne Asoronye hat mit diesem Buch ihrem Großonkel ein Denkmal gesetzt.

Dem gesamten Buch ist anzumerken, dass die Autorin Graphikdesignerin ist. Die Aufmachung und Gestaltung der Seiten, die Kombination von Briefen und historischer Darstellung ist mehr als gelungen und ein hochwertiger Druck fördert das Leseerlebnis.

Susanne Asoronye: Feldpost eines Badischen Leib-Grenadiers 1914-1917, VIANOVA Verlag, Königsbach-Stein 2012, 388 Seiten, 34,80 Euro

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