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Karlrsuhe DJ Toby O. Rink: "Ich wünsche mir mehr Musik-Kultur in Karlsruhe"

Ab sofort gibt's jeden Freitagmittag eine kräftige Dosis Kultur, verabreicht von ka-news-Kulturredakteur Toby Frei: und zwar in der Kolumne "K-Freitag", kurz für Kultur am Freitag. Die Themenpalette reicht dabei von U-Kultur bis zur E-Kultur, umfasst eben alles, was kulturell lohnenswert ist. Heute: Er macht sich so langsam einen Namen in der DJ-Szene der Fächerstadt - mit "Gold Rush" hat Toby O. Rink kürzlich seine elektronische Visitenkarte im Vanguarde abgegeben.

Die nächste "Gold Rush"-Show (mit Pendant Eric Mothes und Gast-DJ L.A.N.E.) findet am 22. April im Club Clef in der Kaiserpassage statt. ka-news-Kulturredakteur Toby Frei hat das zum Anlass genommen, um sich mit dem jung gebliebenen Mitt-Vierziger unter anderem über die aktuelle Karlsruher DJ- und Club-Szene und Lieblings-Locations unterhalten.

Wie lange legst Du schon auf und was machst Du sonst so?

Also, als ich noch jung war (grinst) … Nein, in der Jugend, so mit 14/15, habe ich mit Freunden, die im Keller einen Mischer hatten, aufgelegt und ein wenig auf den Platten herumgekratzt. Mir hat das damals schon saumäßig Spaß gemacht. Der eigene Mischer,Teller, Player war dann ein Traum, den ich mir leider nicht leisten konnte. So musste ich mit der Kompaktanlage meiner Oma, bestehend aus Plattenteller, Kassettendeck und Radio, Vorliebe nehmen. So lange, bis die Knöpfe langsam aus den Decks sprangen.

Dann war viele Jahre Pause. Musik war schon noch ein Thema, nur eben nicht das Mischen. Die Ausbildung kam, der Beruf als Designer, die Selbständigkeit und neue Hobbys. Dann war es soweit. Ende 2013 habe ich dann Gas gegeben und mich über die aktuellen Gerätschaften informiert. Als absoluter Digital-Freak mit taffer Musik-Sammlung waren dann auch die Player und der passende Mischer schnell im Haus. Dann ging das Ganze Schlag auf Schlag. Neben dem Design vergeht fast kein Tag, an dem ich nicht irgendetwas mit Musik mache. Sei es nach neuer Musik oder Stilrichtungen zu recherchieren, sie zu hören, zu mixen oder inzwischen die eigenen Klänge in Ableton zu schrauben.

Wie siehst Du die DJ-Lage in Karlsruhe, wie die Club-Szene?

Es gibt gute DJs in Karlsruhe. Generell würde ich mir etwas mehr Musik-Kultur in der City wünschen. Wenn ich mir gewisse Ecken der Innenstadt so betrachte, frage ich mich, wohin das mittelfristig- bis langfristig führt mit den Clubs in Karlsruhe und deren Club-Kultur? Von einer Lifestyle-Kultur einmal ganz abgesehen. Die Clubs, die Musik-Kultur schaffen, sind ja schon deshalb raus aus dem Kommerz-Sumpf der City.

Schaut man auf die aktuelle Situation des Vanguarde, wünsche ich mir ein Kulturamt, dass hinter solchen kulturellen Einrichtungen steht und auch die Courage besitzt, dafür zu kämpfen, dass solche Einrichtungen erhalten bleiben, die in der Vergangenheit viele Bürger auch kulturell bereichert haben. Von den Events des Vanguarde mal ganz abgesehen: Solche Entscheidungen wirken sich ja letztlich auf das gesamte Gelände des Tempels aus.

Was ist Dein Style, welche Scheiben legst Du am liebsten auf?

Ich höre vieles gerne. Rock, Soul oder als alter Breaker auch gerne saubere Break Beats. Wenn ich auflege, ist das Tech House, Techno und Deep House. Wichtig ist mir, dass trotz Tech und Deep eine gewisse Atmosphäre in den Klängen mitschwingt. Klänge, die nicht nur im Galopp durchreiten, sondern auch solche, mit denen man abtriften kann. Die Welt und der Alltag da draußen sind hektisch genug. Ich möchte, dass es pulst, aber mit einem gewissen Stil. Aktuelle Tracks, die ich gerne spiele sind gerade: "Walking Away" von No Rabbitz und Fun Jam, "Taurus" von Petar Dundov und Gregor Tresherj oder "Get Two" von Roi Okev und Omer Grinker.

Was dreht sich auf Deinen privaten Plattentellern?

Ha, da dreht sich viel. Eine tolle Family oder unsere Design-Agentur "MarkeMenschNatur" mit einem tollen Team. Geistig und körperlich halte ich mich fit durch KungFu, Taiji Chuan und Meditation. Windsurfen und im Sommer vielleicht auch ein Anlauf zum Kiten gehören auch dazu. Ich trinke gerne meine selbst gemachten Smoothies oder die grünen Smoothies von Regina. Aber auch mal einen leckeren Himbeer Mochito aus der Soul Bar in der Südstadt. Ich schreibe gerne und überlege mir zusammen mit Freunden gerne neue Dinge wie zum Beispiel unser eigenes Event "Gold Rush".

In welchem Club in Karlsruhe würdest Du gerne als Resident-DJ (regelmäßig) auflegen?

In einem Club, in dem die Atmosphäre etwas Eigenes hat und natürlich auch zu meiner Stilrichtung passt. Mich reizen aber auch Festivals wie beispielsweise das "Holi Festival2, auf dem sich auch feine Ethno-Klänge mit Tech und Deep mischen können. Am 22. April 2016 ( Freitag ) sind wir übrigens mit unserem "Gold Rush 2" im Clef in der Kaiserpassage. Wir, das sind Eric Mothes, L.A.N.E. und eben Toby O. Rink. Das Clef ist auch ein toller Club mit guter Einstellung dahinter.

Du masterst ja demnächst Deinen ersten eigenen Track - wo willst Du noch hin mit der Musik?

Ich möchte einfach weiterhin so neugierig und offen bleiben wie bisher. Wenn ich mir beginne, Ziele zu stecken, birgt das die Gefahr, dass ich vielleicht zu versteift oder zu verbohrt an die Dinge herangehe. Das möchte ich auf keinen Fall. Also stecke ich mir keine konkreten Ziele, sondern stelle mir lieber vor, dass es viel mehr Spaß macht, die Menschen mit der Musik live zu bewegen und sie damit vielleicht ein Stück weit aus dem Alltag herauszuholen.

Natürlich möchte ich nach dem ersten Track auch den zweiten machen. Wie das ankommt, wird letztlich da draußen entschieden. Irgendwie gehört für mich auch ein gewisser eigener Zeitgeist dazu, der in diesen Tracks stecken soll. Mein persönliches Empfinden für unsere Gesellschaft und für die Menschen, die uns alle umgeben. Vielleicht geht es auch darum, einfach mal gefühlt zu erfassen, was diese Menschen eigentlich träumen könnten, um sie dann mit den passenden Tracks zur aktuellen Zeit abzuholen. Schauen wir mal.

Warum heißt Euer Set "Gold Rush"?

Hinter dem Grundgedanken für den Namen "Gold Rush" steckt die ungleichmäßige Verteilung von Kapital auf dieser Welt. Ich sag's mal übertrieben: "Die eine Hälfte der Kugel lebt in Saus und Braus, die andere ist arm wie die Maus." Auch wenn manche sagen mögen, dass das nun mal so ist. Ich finde, es ist Kacke. Auch wir werden hier in Deutschland noch die Einstellung bekommen, armen Menschen auf der Straße unter die Arme zu greifen. Keinen organisierten Gruppen, sondern tatsächlich Obdachlosen oder jenen die durch Schicksale den Halt verloren haben.

Wir suchen noch nicht aktiv, aber wir suchen. Und zwar Sponsoren und Sponsoren-Gelder für unseren "Gold Rush". Ob für diesen oder den nächsten, ist ganz egal. Unser nächstes Ziel ist, dass die tanzende Menge für eine bestimmte Zeit von zum Beispiel einer Stunde, diese gesponsorten Gelder sozusagen "ertanzt". Wie wir das anstellen wollen, bleibt noch hinter dem Vorhang. Wir machen Musik und ertanzen gemeinsam mit den Besuchern, die Lust haben, eine bestimmte Summe X, die von Sponsoren XY gespendet wurden.

Diese Summe spenden wir dann für einen guten Zweck hier lokal in Karlsruhe. Auch wir als DJs selbst spenden. Und zwar Anteile, die übrig bleiben, wenn wir unsere Fixkosten gedeckt haben. Der "Gold Rush" steht generell unter einem guten Stern. Wir möchten das "Gold", das im Umlauf ist, durch unsere Musik an die richtigen Stellen bringen. Also schaut vorbei und macht mit. Sponsoren jeglicher Art sind herzlich willkommen. Wer einen Scheich kennt, der nicht nur in Dubai durchstarten möchte, sondern auch hier lokal, immer gerne. Ha, ha.

Zu guter Letzt: Was würdest Du den Karlsruhern gerne zurufen?

Allen Karlsruhern? Schaut die Menschen an, denen ihr auf der Straße entgegenlauft und grüßt Euch einfach mal öfters!

Ich wünsche Ihnen ein schönes und vor allem kulturelles Wochenende!

Ihr Toby Frei

Termin: Freitag, 22. April, 23 bis 5 Uhr, Club Clef, Kaiserpassage 1, Karlsruhe

www.marke-mensch-natur.de
www.clef-club.com
www.vanguar.de

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