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24.05.2010 12:09
 
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Vor der Fußball-WM: Von der Lebensfreude armer Menschen in Südafrika [0]

Meinrad Heck & Peter Maurer - "Wir weinen nicht, wir singen"
Bild:M.Heck/P.Maurer - artur verlag

In Südafrika wird immer und überall Fußball gespielt, auf dem Rasen, einem staubigen Acker oder mitten zwischen den Shacks eines Townships wie hier nahe Plettenberg Bay am Indischen Ozean Foto: Peter Maurer

Der Musikpoet Vusi Mahlasela ist einer der bedeutendsten Künstler Südafrika. In seinem Township Mamelodi bei Pretoria während der Apartheid von der Poliizei gehetzt und heute als Versöhner geschätzt. Antje (Tante) Sharifa schlägt noch heute die Hände vor´s Gesicht, wenn sie daran denkt, wie sie ihn während der Rassentrennung immer wieder vor der Polizei verstecken musste. Foto: Meinrad Heck
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In der Armut geht nichtsverloren: Schafsköpfe werden im offenen Feuer am Rande des Squattercamps Joe Slovo bei Kapstadt gegrillt. Foto: Meinrad Heck
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Ballett im Township: Hier bei der Initiative "Dance for all" in Athlone, einem Vorort von Kapstadt. Foto: Meinrad Heck
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Das Township "Mamelodi" bei Pretoria, eine Kurzform von "Mama of Melodies", gilt als die Seele des südafrikanischen Jazz. Es klingt und singt an jeder Ecke. Am Wochenende packt Abraham sein Saxophon aus und spielt "Coltrane" im Hinterhof seinens kleinen Häuschen für die Nachbarn. Foto: Meinrad Heck
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Karlsruhe - Die Bilder strahlen Lebensfreude aus. Der Buchtitel sagt etwas vom Lebensgefühl: "Wir weinen nicht, wir singen". Das Land, um das es geht, ist gleichermaßen schwarz und weiß. Es ist der einzige Industriestaat Afrikas, und der Landstrich kennt zudem bittere Armut. Kurz vor Start der Fußballweltmeisterschaft am "Kap der guten" Hoffnung war es Ansporn für zwei deutsche Bildautoren mit dem Blick für Zwischenmenschliches: "Das andere Südafrika" aufzuzeigen.
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Eine Buchbesprechung von Stefan Jehle

"Südafrika ist eines der schönsten Länder der Erde und Kapstadt eine der schönsten Städte auf diesem Planeten", sagt der in Karlsruhe beheimatete Journalist Meinrad Heck. Der 52-jährige Autor, der sich einst einen Namen gemacht hatte mit seinen Recherchen zum hierzulande wohlbekannten Flowtex-Skandal, und mit renommierten Preisen wie dem Theodor-Wolff-Preis und dem Wächterpreis ausgezeichnet wurde, hat einen einfühlsamen Blick auch mit der Fotokamera.

Land und Leute in Südafrika, in dem Autor Heck seit Jahren schon jedes Jahr mehrere Wochen verbringt, würden sich "weder auf wunderbare Safaris und Sonnenuntergänge reduzieren lassen, noch auf Kriminalität oder die Aids-Katastrophe". Zusammen mit Co-Autor Peter Maurer - auch er ein Künstler im Umgang mit der Kamera, der einst 1972 aus der DDR kam, und seit 1985 fest in Südafrika verwurzelt ist, gibt er tiefe und menschlich eindrückliche Einblicke in die Townships der schwarzen Bevölkerungsmehrheit in dem ehedem von einem weißen Apartheidstregime dominierten Land.

Da wird dann nicht der Mercedes-Stern eines früher auch von Deutschland präferierten Blickwinkels wirtschaftlicher Interessen gezeigt - da geht es um eine Entdeckungsreise "von Mensch zu Mensch". Um Träumer und Denker, die beide Autoren vor Ort getroffen, und schätzen gelernt haben. Um Künstler und Überlebenskünstler, um Optimisten und Zweifelnde, Verzweifelte - um "den zweiten hintergründigen Blick" auf die Welt, in der eine schwarze Bevölkerungsmehrheit lebt.

Ein Beispiel für eine solche menschlich vereinnahmende Geschichte: "Eines Tages in Afrika. Der alte Mann in einem Savannendorf saß zwischen Akazien vor der glutroten Sonne und rauchte seine Pfeife. Ein Bild, wie gemalt. Safaritouristen knipsten und der Mann winkte sie zu sich. "You know", sagte er ihnen mit einem viel sagenden und verschmitzten Lächeln, "we are the people, not the animals", heißt es etwa gleich zu Beginn der knapp gehaltenen Texte. Da ist die Rede von der Tanzlehrerin Hope (wie "Hoffnung"), als Ausdruck von Inspiration und Ballett im Armenviertel. Da wird der einstige Kriegsfotograph vorgestellt, der zugleich Jazz-Freak ist.

Besonders angetan hat es aber den Autoren offenbar der - ebenfalls weiter im Township lebende - Musikpoet Vusi Mahlasela, der auch zur Eröffnung der Fußballweltmeisterschaft singen wird. Mahlasela weilte vor wenigen Tagen zur Präsentation des neuen Buchs im Theaterhaus in Stuttgart. Er gilt als Stimme Südafrikas, "The Voice Of South Africa." Seine Lebensgeschichte zeigt auch die Wandlung am Kap der guten Hoffnung. Schon als Jugendlicher engagierte er sich gegen das Apartheid-Regime, mehrfach wurde er wegen seiner kritischen Liedtexte verhaftet.

Welche Emotion, welches innere Band die beiden Autoren mit  Südafrika verbindet, kann wohl am besten mit einer kurzen Anmerkung von Autor Meinrad Heck bei der Buchpräsentation im Theaterhaus beschrieben werden: Einmal habe er einen Gottesdienst besucht und sei von der Gemeinde freudig empfangen worden. Sein Name sei in großen Buchstaben an die Wand projiziert gewesen. Dann habe der Reverend ihn dazu aufgefordert, zu den 800 Besuchern zu sprechen und zu erklären wie sein geplantes (Foto-)Buch heißen solle. "Das Buch heißt so wie ihr seid: Wir weinen nicht, wir singen", sagte er. Daraufhin hätten die Leute begonnen vor Freude zu toben.

Meinrad Heck/Peter Maurer: "Südafrika - wir weinen nicht, wir singen". Artur Verlag, Kirchentellinsfurt, 96 Seiten , 80 Farbfotos, Texte in deutscher und englischer Sprache, Hardcover 30,5 x 23cm, 25 Euro.

www.artur-verlag.de

Mehr zu: Südafrika Buchbesprechung Weltmeisterschaft Armut Rassentrennung

Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert:

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