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Kuno Bärenbolds "Letzte Verführung" [0]

Karlsruhe - "Ein warmherziger Erd- und Poltergeist", so beschreibt Harald Hurst den "Einzelgängerfreund" im Vorwort. Als am 6. Mai 2008, einem Dienstagabend, das 61-jährige Herz nicht weiter schlagen wollte, verlor Karlsruhe eine der markantesten Figuren im hiesigen Literaturbetrieb. Die "Verführen zum Lesen" war stets sein Credo, ein Bändchen vereint nachgelassene Texte und dokumentiert das Wirken des Kuno Bärenbold.

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Kuno Bärenbold - Letzte Verführung
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Kuno Bärenbold - Letzte Verführung
Foto: ps
Kuno Bärenbold - Letzte Verführung

Der Buchtipp von Patrick Wurster

"Letzte Verführung" (Info Verlag, Lindemanns Bibliothek Band 58) porträtiert den Schriftsteller, Rezensent und eifrigen Briefeschreiber aus der Durlacher "Poetenhöhle", der sich neben dem Verfassen von autobiografischen Erzählungen über allerlei Randfiguren (hier stellvertretend "Endlich daheim" oder "Na, wie gefällt's uns in der Klapse?"), zu denen er ja selbst irgendwie gezählt hat, auch und gerne an seinen Mitmenschen gerieben hat.

Und wenn sie nicht zu greifen waren, dann gab's einen gepfefferten Leserbrief: "Hundsgemein" ist so einer, gerichtet von einem, der versehentlich schwarz fuhr, an die hiesige Tageszeitung und natürlich der als "Amputierter Stier" betitelte und bereits zu Lebzeiten in Kunobärs Weblog veröffentlichte private Briefwechsel mit Heidi Gronegger von der SWR-Zeitschrift "Doppelpfeil - ein Dialog aus dem Lehrbuch der hohen Streitkultur.

Wie viel Herzlichkeit dieser stets hellwache Kritikus zugleich in sich trug, zeigt der liebevoll-originelle Geburtstagsgruß zum 60. des besten Freundes ("Don't worry, be happy") oder eine am Nachmittag des ersten Weihnachtsfeiertages 2007 verfasste E-Mail an die "Lieben Freunde!". "Bye bye Kuno" sagt stellvertretend für viele Peter Kohl im dem Stadtmagazin "Klappe auf" entnommenen Nachruf.

Bärenbolds Art zu schreiben war mitunter eigen, so ganz ohne Schörkel, die Geschichten speziell und vieles stilistisch kaum einzuordnen. Oft bleiben es Anekdoten, Momentaufnahmen, die unverhofft enden, wie das "Duell im Ländle 1", das er mir im Februar 2008 mit dem verschmitzten Vermerk "Bitte 50 x ausdrucken und heute Nachmittag an alle VfB-Halunken verteilen!" mit zum Derby-Schauen gab. Es war seine letzte Mail an mich.

"Egal wo ich bin, ich will Spuren hinterlassen. Das will ich, Spuren hinterlassen", gibt er in dem ebenfalls nachzulesenden, sehr eindringlichen Interview mit Kurt Kreiler aus dem Jahr 2000 anlässlich eines Radio-Features zu Protokoll; einer der seltenen Momente, in dem er über seine "Verzweiflungstat" und die Haft spricht. Kuno Bärenbold wird in der regionalen Literaturgeschichtsschreibung vielleicht "keine große Rolle spielen, auch wenn man seinen Knastgeschichten und manchen Reportagen aus der Arbeitswelt mehr Leser und einen gewichtigeren Platz wünschen möchte", wie Mit-Herausgeber Matthias Kehle im Nachwort schreibt. Dass ihm sein Wollen aber nachdrücklich gelungen sein muss - auch davon zeugen diese 84 Seiten.

www.infoverlag.de
www.kuno-baerenbold.de
kuno-baerenbold.blog.de

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