Karlsruhe "Wir sind Plattform für den vernachlässigten Film": Oliver Langewitz über die "Independent Days"

Film, Kunst, Kultur - die zehnten "Independent Days" und der "Independent Creatives Clash" (ICC) führen all das zusammen. Filmbegeisterte, Streetartfans, Musikfreunde und Tanzliebhaber sollten sich die Woche vom 17. bis 25. April dick im Kalender anstreichen. ka-news-Mitarbeiterin Tabea Rueß sprach mit Organisator Oliver Langewitz über großes Engagement, kleines Geld und die erstmalig beim Filmfest aufschlagenden neuen Kulturgenres.

ka-news: Was erwartet das Publikum beim ersten "Independent Creatives Clash"?
Oliver Langewitz: Beim ICC werden alle denkbaren Kultursparten vertreten sein - Kunst, Musik, Tanz und natürlich Film. Die Fleischmarkthalle auf dem Alten Schlachthof verwandelt sich dann in eine Künstlerplattform. Es werden Arbeiten von Karlsruher Künstlern ausgestellt, zum Beispiel aus dem Repertoire der Nuthouse Galerie, vom Hamburger Uli Pforr und ostafrikanische Makonde-Kunst. Die ICC beginnt am Samstag, 17. April, um 18 Uhr mit einer Vernissage, am Sonntag geht es weiter mit einem Klassikfrühstück und Filmveranstaltungen. Am Freitag, 23. April, werden bei "5 In A Row" nacheinander fünf Bands dem Publikum in der Fleischmarkthalle einheizen und am Samstag, 24. April, steigt als einer der Höhepunkte unsere Filmfestparty zur zehnten Ausgabe der "Independent Days". Im Rahmen des Filmfests zeigen wir 98 Filme, darunter zahlreiche Kurzfilme, Independent-Spielfilme und Dokumentationen. Zudem bieten wir Workshops für Filmschaffende an.

ka-news: Das klingt nach ziemlich viel Arbeit...
Langewitz: Der organisatorische Aufwand ist immens, zumal beide Veranstaltungen zeitlich eng aufeinander folgen und zum Teil sogar überlappen. Besonders, weil unser Veranstaltungsort für die ICC, die Fleischmarkthalle, bis auf die fest installierte Bar so gänzlich nackt daherkommt. Wir müssen nicht nur jeweils die Technik komplett anmieten und aufbauen, sondern vor allem auch aufwändig dekorieren und die Fenster abhängen. Es ist wirklich eine komplexe Veranstaltung - all das lässt sich nur mit einem sehr weitläufigen Netz und wirklich sehr viel ehrenamtlichem Engagement zahlreicher freiwilliger Helfer bewältigen. Und darauf können wir glücklicherweise zurückgreifen. Bei den "Independent Days" sieht es mittlerweile etwas entspannter aus, nicht zuletzt durch die tolle Zusammenarbeit mit unserem Kooperationspartner Schauburg und dem Team um Theaterleiter Herbert Born. Wenn man alle Beteiligten zusammenzählt, kommt man hier locker auf ein Team von über 50 Helfern und Mitarbeitern - die alle unter einen Hut zu bringen, ist wirklich keine leichte, dafür aber umso spannendere Aufgabe.

ka-news: Zehnmal "Independent Days" - die Festivalbeiträge sind in den vergangenen Jahren zugänglicher geworden. Wie sieht euer heutiges Selbstverständnis aus?
Langewitz: Wir verstehen uns als Plattform für den vernachlässigten Film. Zugleich aber auch als publikumsnahes Festival, das in erster Linie unterhalten, aber auch zum Nachdenken und Reflektieren anregen soll. Uns liegen sowohl leichte als auch kritische und schwierige Themen am Herzen, so lange sie gut, spannend und ansprechend inszeniert sind. Dies kann man auch am diesjährigen Filmprogramm deutlich erkennen.

ka-news: Was sind die Programm-Highlights?
Langewitz: Beim Preview-Programm finde ich "The Painter Of Skies" besonders nennenswert, aber auch "Finger" von einer russischen Filmgruppe aus Krasnodar. Sicherlich erwähnenswert ist in diesem Jahr das Kurzfilmprogramm "Hungarian Shorts", das wir aufgrund der "Europäischen Kulturtage" 2010 mit dem Schwerpunkt Ungarn ins Programm genommen haben. Besonders spannend werden natürlich auch unsere Publikumswettbewerbe, wenn jeweils No-Budget- und Low-Budget-Produktionen blockweise gegeneinander antreten. Der Filmpreis des Low-Budget-Wettbewerbs ist mit 1.000 Euro von der Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe dotiert, um dem Wettbewerb den notwendigen Anreiz zu verleihen. Der No-Budget-Filmpreis, "Die Goldene ID", wird in diesem Jahr zum zweiten Mal von der Stadt Karlsruhe mit 500 Euro veredelt.

ka-news: Wo liegt finanziell eigentlich die Grenze zwischen einer Low-Buget- und einer No-Budget-Produktion?
Langewitz: In der Praxis verlaufen die Grenzen natürlich fließend. Aber im Allgemeinen zieht unsere Jury für eine No-Budget-Produktion pro Kurzfilm die Grenze bei maximal 500 Euro, ein No-Budget-Langfilm darf höchstens 5.000 Euro gekostet haben. Als Low-Budget stufen wir Filme ein, die nicht teurer waren als 2.500 Euro pro Minute Laufzeit.

ka-news: Apropos Finanzen - wer bezahlt die ICC und das Filmfestival?
Langewitz: Die ICC erhält einen kleinen städtischen Zuschuss. Das Hauptrisiko trägt hier aber das Filmboard Karlsruhe, das die Veranstaltung in weiten Teilen vorfinanziert. Die Kosten sind dabei sehr hoch, weshalb wir umso mehr auf einen regen Zuspruch beim Publikum hoffen. Sollte der ICC ein Erfolg werden, möchten wir sie gerne wiederholen, aber jetzt fokussieren wir erst einmal den ersten Durchlauf und sehen dann weiter. Ähnliches kann über die Finanzierung des "Independent Days"-Filmfest gesagt werden, wobei der städtische Zuschuss für den Hauptorganisator, den Verein Independent Days, mit 2.000 Euro Projektfördermitteln höher ist als bei der ICC. Da wir in diesem Jahr aber auch mehr Geld in Werbung und PR gesteckt haben, müssen wir etwas zittern. Aber wie heißt es so schön: No Risk, No Fun!

Alles weitere zu den "Independent Days" im ka-news-Dossier.

www.independentdays.de
www.icc-ka.de

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