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ka-news-Buchtipp: Julius Hirsch - Nationalspieler.Ermordet [2]

Karlsruhe (seb) - Fußball, das war die große Leidenschaft des Julius Hirsch, Spieler der ersten Meistermannschaft des Karlsruher Fußball Vereins (KFV). Doch an dem heute kaum bekannten, aber ruhmreichen Kicker Hirsch, haftet eine tragische Geschichte, die fest in der Geschichte Deutschlands verankert ist. Hirsch war Jude und musste deshalb unter den Diskriminierungen des Nationalsozialismus leiden, bis sich letztlich seine Spur in Auschwitz verlor. Ein Buchtipp von ka-news-Praktikant Sebastian Schneider.
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Julius Hirsch. Nationalspieler. Ermordet. Biografie eines jüdischen Fußballers
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Julius Hirsch. Nationalspieler. Ermordet. Biografie eines jüdischen Fußballers
Foto: ps

Werner Skrentny, Autor mehrerer fußballhistorischer Werke, beschäftigte sich viele Jahre mit dem Drama der Familie Hirsch und veröffentlichte dieses Jahr eine detaillierte Biographie über das Leben von Julius Hirsch.

DFB in der Kritik

Das Buch beginnt mit einem Vorwort von DFB-Präsident Theo Zwanziger und schließt mit einigen Worten zu aktuellen und vergangen Preisträgern, des Julius-Hirsch-Preises. Skrentny stellt damit einen guten Rahmen für diese gelungene Biographie her.

Zwischen den schuldeingestehenden Worten Zwanzigers über die Rolle des DFB im Dritten Reich und den positiv gestimmten Sätzen zur Zukunft des deutschen Fußballs, nimmt Skrentny den DFB jedoch keinesfalls in Schutz. Vielmehr kritisiert er den Verband für seine Haltung gegenüber Juden in der Nazizeit. Und wie heute bekannt ist, tut er dies zurecht!

Bewegend - Emotional - Schrecklich

Die eigentliche Biographie "Juller" Hirschs beginnt detailliert ab seinem 18. Lebensjahr, das Jahr 1909, in dem er sein Debüt in der ersten Mannschaft des KFV gibt. Jedoch vernachlässigt der Autor keinesfalls die Kindheit "Jullers", so sind einige Anekdoten nachzulesen, welche auf witzige Weise den Charakter des jungen Hirschs zeigen und dem Leser die Person Julius Hirsch sehr nahe bringen. Im Weiteren legt Skrentny sein Hauptaugenmerk zunächst fast komplett auf den Fußball. Spannende Spielberichte und Hintergrundinformationen liefern ein tolles Bild der Anfangszeit des deutschen Fußballs. Hirsch war von 1911 bis 1914 deutscher Nationalspieler und wurde mit seinen Vereinen zwei Mal Deutscher Meister.

Auch sehr interessant in diesem Zusammenhang - speziell für Karlsruher Leser - sind die Bezüge zur Gegenwart. So finden sich zum Beispiel Anekdoten über die aktuelle Mannschaft des KFV, die es auch heute noch gibt. Diese Spielberichte lassen den Verein vor dem Auge des Lesers lebendig erscheinen. Der Leser fühlt sich stets im Windschatten Skrentny's auf seiner Reise nach Informationen über Julius Hirsch.

10 Tore für Deutschland

Auch greift Skrentny immer wieder die Beziehung zu seinem Freund Gottfried Fuchs auf, der neben Hirsch einziger Jude der Nationalelf und des KFV war und Hirsch ein Leben lang unterstützte. Der Autor widmet Fuchs, der die NS-Zeit überlebte, weil er nach Kanada auswanderte, ein eigenes interessantes Kapitel mit Geschichten über seine Person. So hält Fuchs beispielsweise mit zehn Toren den Rekord an erzielten Treffern in einem Nationalspiel.

Nach und nach bestimmen die Diskriminierungen durch die Nazis Hirschs Leben und verdrängen die fußballerischen Aspekte seiner Biographie. So durfte Hirsch anfänglich nicht mehr für seinen Heimatverein spielen, musste später Zwangsarbeit verrichten und wurde letztlich deportiert. Der Leser wird in dem Buch schonungslos mit der menschenverachtenden Ideologie des Nazi-Regimes konfrontiert und sieht das schreckliche Ende kommen. Julius Hirsch wird vermutlich 1943 in Ausschwitz von den Nazis ermordert.

Viele Original-Fotos und historische Dokumente stellen eine emotionale Bindung zur Person Hirsch her und geben einen guten Eindruck über die damalige Zeit.

Klarer chronologischer Aufbau - Fragen bleiben aus

Die Biographie lässt sich sehr leicht lesen. Zum einen durch die Nähe, die der Leser - trotz der großen Zeitspanne- erfährt, zum anderen durch den klaren chronologischen Aufbau der Biographie. Dieser sorgt dafür, dass trotz der Detaildichte keine Fragen oder Verwirrung aufkommen. Auch schafft es Skrentny, vieles sehr bewegend und emotional zu beschreiben und unterscheidet  sich so von vielen oft eher langweilig verfassten Biographien.

Für Fußballfanatiker und Interessierte ist dieses Werk sehr zu empfehlen, aber auch Vergangenheitsforschende bekommen in jedem Fall etwas Interessantes geboten, sei es zur deutschen Geschichte oder zur DFB-Vergangenheit.

Titel: Julius Hirsch.Nationalspieler.Ermordet
Autor: Werner Skrentny
ISBN: 978-3-89533-858-8
Preis: 24,90 Euro

Mehr zu: Ticker Juden Antisemitismus Biografie "Werner Skrentny" "Karlsruher FV"

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