"Der Zenit ist erreicht"
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Karlsruhe (pat) - Es war "Das Fest" der Superlative: Die Stimmung so genial wie nie und eine Masse an Besuchern, die dem in nichts nachstand. "Der Zenit ist erreicht." So beginnen Organisator Rolf Fluhrer und der Stadtjugendausschuss-Vorsitzende Christian Klinger ihr "Fest"-Resümee 2006.
"Wir haben wie jedes Jahr wieder dazugelernt, und unsere Hausaufgabe für 2007 lautet: Überarbeitung des Sicherheitskonzepts." Dies wird der zentrale Aspekt der "Fest"-Nachbereitung sein. "Die Sicherheit der Besucher war zu keinem Zeitpunkt gefährdet, wir müssen aber noch souveräner werden", so Fluhrer am Sonntagmittag nach dem überwältigenden Seeed-Ansturm (ka-news berichtete).
"Überrascht, aber keineswegs unvorbereitet"
Einige Ideen haben die Macher bereits, etwa während der Stoßzeiten den Haupteingang an der Europahalle als Einlass und den Ausgang entlang der Alb in selbiger Richtung nur noch zum Auslass freizugeben. So würden die Laufrichtungen kanalisiert und aufeinanderströmende Massen zumindest eingedämmt. Außerdem soll kommendes Jahr eine Lautsprecheranlage vor den Eingängen installiert werden, "um die Leute in besonderen Situationen zu beruhigen und umleiten zu können".
Da der Umsonst-Charakter nach Aussage der Verantwortlichen unbedingt erhalten bleiben soll, und auch zukünftig kaum weniger prominentes Hauptbühnenpersonal verpflichtet werden wird, sind Einlassbeschränkungen bei Überfüllung die einzige Möglichkeit der Regulierung. Wie während des samstäglichen Seeed-Gigs: Um halb elf Uhr des Nachts mussten die Tore am Haupteingang geschlossen werden, obwohl noch über 3.000 Besucher in die Günther-Klotz-Anlage drängten.
"Überrascht von diesem massiven Ansturm, aber keineswegs unvorbereitet", zeigte sich Polizeihauptkommissar Andreas Droll, Leiter des Reviers Weststadt. "Wir wurden alsbald von der Realität eingeholt, hatten die Lage aber unter Kontrolle." Ein "friedliches 'Fest'" war es aus Sicht der Ordnungshüter. "Auch Auswertungen der Videoaufzeichnungen haben gezeigt: Die Veranstaltung verlief wesentlich friedlicher als noch im vergangenen Jahr."
Erstmals Gewinn beim Merchandise
Zwar gab es weniger Körperverletzungsdelikte, doch hat Rolf Fluhrer einige "äußerst dreiste Diebstähle" zu beklagen: Sonnenschirme, Zelte und zahlreiche Geldbeutel wechselten unverhofft den vermeintlichen Besitzer. "Aufgrund der Vielzahl an eingegangenen Anzeigen könnte es sich durchaus um eine organisierte Taschendiebbande gehandelt haben," mutmaßt Fluhrer. "Eine unangenehme Entwicklung."
Von der wirtschaftlichen Seite ist "Das Fest" 2006 für die Verantwortlichen dagegen "ein großer Erfolg": 301.000 Euro Umsatz am Freitag, 416.000 am Samstag und 255.000 Euro am Sonntag stehen vorläufig zu Buche, bei einem "Fest"-Etat von 985.00 Euro. Der Schwerpunkt der Getränkeabnahme lag mit 97.800 Flaschen beim Bier, Radler wurde 33.500 mal konsumiert, gefolgt von Grape (29.000) und Weizen (3.000). 771 mal wurde das neue rabbatierte Splitboxsystem genutzt.
Jugendschutzteams "ein Volltreffer!"
Sehr viel Geld habe man dieses Jahr in die Hand genommen, um ein "anständiges Merchandising" bieten zu können. Mit Erfolg: "Wir haben fast alles an T-Shirts, Trikots, Tassen und Seifen verkauft und erstmals in diesem Sektor Gewinn erzielen können," berichtet Fluhrer. Dieser beläuft sich auf 15.000 Euro. Der Gewinner 2006 ist aber das "Fest"-Café: Der Umsatz konnte in der "Fest"-Vorwoche von 40.000 Euro im Vorjahr auf 60.000 Euro gesteigert werden, mehrere Abende zogen über 1.000 Besucher.
Auch die Jugendschutzteams haben sich bewährt. Vor allem Klinger als Vorsitzender des Stadtjugendausschusses freut sich über diese präventive Maßnahme gegen Alkoholmissbrauch bei Kindern und Heranwachsenden: "Ein Volltreffer!" Während der Freitag und Sonntag von einigen beschlagnahmten Wodka-Flaschen abgesehen weitgehend ruhig verliefen, wurden am Samstag rund 600 Personen im "Fest"-Umfeld von den "Blauen Teams" angesprochen. 45 davon mussten ärztlich versorgt werden; für drei Jugendliche endete der Abend im Kinderheim, da die Eltern nicht bereit waren, ihre Schützlinge abzuholen; ein Kind musste gar zur Entgiftung in die Klinik. "Sozialarbeit und Polizei, eine Zusammenarbeit, die sich normalerweise aufgrund der konträren Zielsetzungen ausschließt, lief bei uns hervorragend", fasst Fluhrer zusammen.
"Wir gehören mit Stolz zur ersten Kulturliga"
Ansonsten fast alles wie jedes Jahr beim "Fest", Begeisterung über sich und die anderen, vor wie auf den Bühnen: New Model Army und Seeed waren beide mehr oder minder auch auf eigenen Wunsch wieder dabei und auch "Fest"-Neulinge wie Kettcar, La Vela Puerca oder Kosheen werden Karlsruhe künftig mit anderen Augen sehen (oder überhaupt wahrnehmen): "I Will Remember", hauchte Kettcar-Frontmann Marcus Wiebusch überwältigt ins Mikro (ka-news berichtete); die Latin-Ska-Rock-Formation aus Uruguay zeigte sich nach Angaben der Veranstalter "entzückt" (ka-news berichtete) und Kosheens Sian Evans ließ hernach wissen: "You're The Best Audience We Ever Played In Germany!"
"Wir gehören mit Stolz zur ersten Kulturliga." So freut sich Rolf Fluhrer. Dabei wollte man noch 2005 einen Gang zurückschalten, im Jahr eins nach dem überwältigenden Jubiläums-"Fest" (ka-news berichtete). Doch es steht zu vermuten, dass in diesem Sommer beide noch weit übertroffen wurden. Christian Klinger bringt das Dilemma überspitzt auf den Punkt: "Die Leute würden selbst dann kommen, wenn wir gar kein Programm auf der Hauptbühne machen würden...". In der Tat lässt sich der "Fest"ival-Tourismus über kurz wohl nicht mehr vermeiden. Und Fluhrer muss sein "Fest" auch kaufmännisch betrachten: "Wir brauchen große Künstler, mit denen wir die Veranstaltung refinanzieren können."
"Anders und besser machen" als die Mannheimer
Und zwar ohne Zuschüsse vom Land. Ein euphorisierter Ausspruch des Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten hatte für vor"fest"liche Missstimmung gesorgt (ka-news berichtete). Dass sie es wie vor einigen Wochen vollmundig verkündet "anders und besser machen können" als die Mannheimer, dürfte feststehen, und so schlägt ein Christian Klinger heuer auch wieder sehr viel versöhnlichere Töne an: "Wäre Herr Oettinger übers Wochenende vor Ort gewesen, hätte er festgestellt, wo das Top-Ereignis des Südwestens beheimatet ist. Nächstes Jahr werden wir ihn einladen - und ich freue mich heute schon auf das erstaunte Gesicht."



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