"Still"-Stand
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Remchingen -
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ka-news: Aus "berufenen" Gründen habt ihr euch nach elfjährigem Bestehen 2002 aufgelöst; auch weil es Sänger Jochen alias Jake nach Freiburg gezogen hat. Oder waren's doch die Querelen, wie's damals die Runde gemacht hat?
Kölsch: Nein. Kleinere Reibereien gibt's im Lauf der Zeit in jeder Band, aber wir sind nicht im Streit auseinander gegangen. Jochen ist mein Jugendfreund, und auch mit unserem Gitarristen Roger und Bassist Bieber haben wir uns danach noch privat getroffen. Wir kommen bestens miteinander aus. Der große Durchbruch ist ganz einfach ausgeblieben. Zweimal die Woche proben, am Wochenende auf Konzertreise und dann am Montagmorgen ab in die Firma - das geht über elf Jahre ganz schön an die Substanz. Unseren Sound kannst du anscheinend nicht im Radio spielen, wie der Versuch mit "This Guardian Angel" gezeigt hat. Das ist schade, aber diese Fäden ziehen andere, das hast du als Musiker nicht in der Hand. Hauptauflösungsgrund war, dass wir Across The Border nicht hauptberuflich machen konnten. Sonst hätte es uns bis heute durchgängig gegeben.
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Kölsch: Jochen wohnt zwar wieder hier, aber das war nicht ausschlaggebend. Wir hätten das auch so gepackt. Nein, die tollen Konzerte im Oktober 2005 und Dezember 2006 haben die alte Lust geweckt! Wir können unser Talent schließlich nicht verkommen lassen...
ka-news: Aber die Organisation von Band und Beruf und Band wird ja nun nicht leichter - oder muss Ahead To The Sea, Jochens Freiburger Nachfolge-Projekt, so lange vor Anker liegen, wenn das Folk-Punk-Flagschiff wieder ausläuft?
Kölsch: Das wird bei ihm zweigleisig laufen; genau wie bei unserem Bassisten Bieber, der noch bei der Punkrock-Band Pascow in Trier spielt. Aber wir geben uns auch nicht mehr den Stress wie früher. Statt 30 Konzerten werden es künftig vielleicht noch zehn pro Jahr sein.
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Kölsch: Für mich gab's zwei Schlüsselerlebnisse fürs Musikmachen: Das eine war 1985, Tote-Hosen-Konzert in der Karlsruher Oststadthalle. Im Vorprogramm: Der wahre Heino. Das war mit 15 die Initialzündung in Richtung alternative Kultur. Dann kamen die Pogues, 1988, Gartenhalle. Besoffene Musiker, die ihr Publikum so dermaßen im Griff und dabei noch selbst Spaß auf der Bühne haben - das hat uns fasziniert.
ka-news: Wie kamt ihr dann dazu, diese beiden Musikstile, denen außer den Grundthemen Wandlung und Protest nichts gemein ist, zu kombinieren?
Kölsch: Wir wollten das Beste von beidem, also musikalisch schon in Richtung Pogues, aber eben ein bisschen zeitgemäßer, mit mehr Kick. Die Pogues Of Punkrock sozusagen. Also haben wir - Jochen und Inst (Ex-Gitarrist, Anm. d. Red.) - als Autodidakten losgelegt.
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Kölsch: So ähnlich. Ich hab Klavier gelernt, und die rechte Hand macht am Akkordeon genau dasselbe - nur eben senkrecht. Und die linke Hand, die für die Bässe zuständig ist, brauchst du in der Band ohnehin nur zum Pumpen. Dafür gibt's schließlich den Bassisten. Mittlerweile habe ich ein Rockordeon ohne Knöpfe. Klasse Erfindung von Hohner, wird leider nicht mehr hergestellt. Aber wie für mich gemacht.
ka-news: Woher hast du eigentlich dein Markenzeichen schlechthin, den Hut?
Kölsch: Den habe ich 1993 von der Freundin unseres ehemaligen Schlagzeugers Fezzo zum Geburtstag bekommen. Und seither hat er ausnahmslos jedes Border-Konzert mitgemacht.
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Kölsch: Bieber oder Roger kannten ihn und haben gemeint: Der kommt aus der Region, hat viel Erfahrung, kann sich unsere Stücke in kürzester Zeit draufhauen. So war's. Und dann hat das auch auf Anhieb vom Menschlichen her gepasst. Fertig.
ka-news: Und wie fertig ist die neue CD "Still Angry, Still Happy"?
Kölsch: Die soll im Spätsommer 2008 erscheinen, fünf Lieder sind schon weitestgehend fertig, eines steht bereits: "No Way". Das haben wir auch schon im Juli beim "777-Open-Air-Festival" in Rastatt, dem Wiedervereinigungs-Konzert, gespielt. Aber zehn bis elf Nummern sollten es am Ende schon werden. Im Substage gibt's also auf alle Fälle weiteres neues Material zu hören.
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Kölsch: Musik, politischer Anspruch - bleibt alles beim Alten. Happy und Angry. Der Begriff Folk-Punk rührt ja nicht nur vom Sound her, das musst du auch inhaltlich füllen können. Also ganz platt gesprochen: sozialkritisch sein und nicht nur über Guinness und grüne Wiesen singen, wie das zum Beispiel Fiddler's Green (ka-news berichtete) tun.
ka-news: Keine Überraschungen, alles Eigenkompositionen?
Kölsch: Eine Coverfassung wird drauf sein, aber die kann ich noch nicht verraten. Etwas mit Klavier - das wird bahnbrechend!
ka-news: Denkst du, dass ihr auch neue Anhänger gewinnen werdet oder verirren sich mehr die Nostalgiker von einst auf euren Konzerten?
Kölsch: Da ist wie eh und je so ziemlich alles vertreten. Und noch mehr: Zu Tokio Hotel bringen die Kinder ihre Eltern mit. Bei uns ist's umgekehrt.
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Kölsch: Das würde natürlich gut passen und wir haben auch schon mal angefragt: Zeltbühne, Samstagabend, Top-Act? Antwort: Nein, dafür seid ihr zu groß. Und im Rückblick auf 2002 ist das auch richtig. Aber Hauptbühne am Sonntagnachmittag? Das kann es auch nicht sein. Wir müssen uns mit den Verantwortlichen nochmals unterhalten. Ich könnte mir Ende Juli freihalten.
Tickets fürs Across-The-Border-Weihnachtskonzert zum zweiten Feiertag, 26. Dezember, ab 19 Uhr mit den Pforzheimer Kollegen von Ratsbane im Substage gibt's noch telefonisch unter der Rufnummer 0721/377274, per E-Mail an reservierung@substage.de und auf der Substage-Website.
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