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13.09.2007 18:07
 
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Sfb-Projekt geplant [0]

Karlsruhe mwz -
In Forschung, Medienöffentlichkeit oder im privatem Umfeld stößt man vermehrt auf Blogs, Pod- und Videocasts oder das mit diesen Phänomenen assoziierte Schlagwort "Web 2.0". Eine Standortbestimmung der neuen Medien zwischen demokratischen und ökonomischen Potenzialen bieten das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) und die Staatliche Hochschule für Gestaltung (HfG) Karlsruhe. Am Donnerstag, 18 Uhr, beginnt im HfG Lichthof 8 und dem ZKM-Medientheater die vom ZKM, der HfG und der Stadt Karlsruhe organisierte Konferenz "Ich, wir & die Anderen", welche noch bis zum morgigen Freitag, 14. September, zirka 20 Uhr, läuft.

Ein anderes wichtiges Thema war im Rahmen eines einberaumten Pressegeprächs das intendierte Vorhaben, in den nächsten Monaten unter der Federführung der HfG, zusammen mit dem ZKM sowie der Universität Karlsruhe, einen Sonderforschungsbereich (Sfb) "Technik als Kultur" bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zu beantragen.

Was heißt das Phänomen Web 2.0 für mich, uns und die Anderen?

Der Begriff Web 2.0 greift eine Veränderung in der Wahrnehmung und Nutzung des Internet auf und kann als gesellschaftliches oder sozialpsychologisches Phänomen angesehen werden. Die Konferenz "Ich, wir & die Anderen" findet im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2007 - dem Jahr der Geisteswissenschaften - statt und verweist mit seinem Titel auf die von den Organisatoren getroffene Differenzierung der Betrachtungsdimension.

Die Tagung "Ich, wir & die Anderen" gibt's im ZKM-Medientheater (Foto: pr)
Was bedeutet, vermag und bewirkt das Soziale Web beziehungsweise Web 2.0 für das Individuum, sprich den einzelnen Nutzer (ich), ein sich etablierendes oder bereits bestehendes Netzwerk (wir) sowie für den Journalismus oder die Konzerne (die Anderen)? Diese spannenden Fragen werden in verschiedenen Themenforen von jeweils einem Wissenschaftler, einem versierten Nutzer sowie einem netzaktiven Journalisten diskutiert.

Denn im Zentrum dieser medialen Entwicklung steht zwar zunächst der Einzelne, der diese Kommunikationsformen nutzt, um sich in der virtuellen Öffentlichkeit individuell auszudrücken - sei es in Blogs und Podcasts oder auf gemeinschaftlichen Portalen wie "MySpace", oder "YouTube". Die starke Präsenz subjektiver Informationsvermittlung und medialer Selbstdarstellung hat aber auch die Aufmerksamkeit des klassischen Journalismus auf sich gezogen und beeinflusst die Kommunikationspraxis des Onlinejournalismus.

Vertreter aus Politik, Philosophie und Netzwissenschaft diskutieren

Unternehmen wiederum greifen diesen medialen Prozess auf und drängen in unerschlossene Geschäftsfelder. Sie bereiten Produkte für diese scheinbar homogene, junge, kommunikationsfreudige und technikaffine Zielgruppe auf, platzieren sich in virtuellen Umgebungen wie "SecondLife", kaufen nutzerstarke Portale auf und versuchen, auf einer neuen Ebene mit dem Kunden zu kommunizieren. Nutzer sind zugleich Konsumenten, Produzenten und Distributoren.

Geht bei der Tagung und dem geplanten SfB-Pfojekt mut Technikbegeisterung an Kunst und Kultur heran: Uwe Hochmuth (Foto: pr)

Den Themenforen vorgelagert wird am Auftaktabend zur Konferenz eine Standortbestimmung bezüglich der demokratischen und ökonomischen potenziale jener Medienentwicklung geleistet. Die Perspektiven von Vertretern aus Politik, Philosophie und Netzwissenschaft werden die Hoffnungen der Medienutopisten wie die Befürchtungen der Netzkritiker ausleuchten.

Der Untertitel der Konferenz - "Neue Medien zwischen demokratischen und ökonomischen Potenzialen II" - verweist in seiner Nummerierung auf die viel diskutierte "ZKM-Vorgängertagung" von 2005 (ka-news berichtete) zu diesem Thema, wie Vanessa Diemand, wissenschaftliche Mitarbeiterin des ZKM am Institut für Medien, Bildung und Wirtschaft deutlich machte.

Spitzenforschung in Karlsruhe: Sfb-Projekt in den Startlöchern

Unterdessen laufen die Planungen, unter Federführung der HfG, zusammen mit dem ZKM sowie der Universität Karlsruhe, in den Sommermonaten 2008 einen Sonderforschungsbereich (Sfb) unter dem bislang noch vorläufigen Titel "Technik als Kultur" bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zu beantragen. Jenseits der traditionellen Technikfolgenabschätzung soll in mehr als 15 Teilprojekten untersucht werden, in welchem Wechselspiel sich Kultur und Technik befinden.Entscheidend sei dabei laut Uwe Hochmuth, Prorektor des HfG, "ein Paradigmenwechsel in der Blickweise", eben "Technik als Kultur" statt Technik und Kultur.

Bei dem in Deutschland einmaligen Projekt sollen sich die Geisteswissenschaften von Anfang an mit den Naturwissenschaften abstimmen. Ziel sei es, der Politik entsprechende Beratungsleistungen zu bieten, um eine sinnvolle gesellschaftliche Entwicklung zu sichern. Es gehe darum, Technikauswirkung eben bereits im Vorfeld zu antizipieren und gemeinsam mit den Naturwissenschaften zu fragen, ob die Ergebnisse für die Gesellschaft und den Einzelnen wünschenswert sind.

Was die Planungen des Sfb-Projektes betrifft, befinde man sich derzeit noch in der Frühphase, aber: "Die Fragestellung 'Technik als Kultur' ist heiß im Moment. Das Thema haben wir als erste entwickelt", freute sich Hochmuth. Traditionell würden ja ZKM und HfG "mit einer Technikbegeisterung an Kunst und Kultur herangehen". Um das Sfb-Projekt zu finanzieren sei ein zweistelliger Millionenbetrag nötig. Wenn der Antrag bei der DFG im Sommer 2008 eingereicht wurde, berät ein Gutachterausschuss darüber. "Wir hoffen, dass es 2009 losgehen kann", so Uwe Hochmuth. Programmdetails und weitere Informationen zu "Ich, wir & die Anderen" gibt's unter dem unten angegebenen Link.

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