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23.05.2012 14:45
 
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Selbst eine Skulptur sein - Performancekünstler Franz Erhard Walther im ZKM [0]

Karlsruhe (sas/ps) - Wer glaubt, Kunst sei nichts zum Anfassen und erleben, war noch nie in einer Ausstellung von Franz Erhard Walther. Der Künstler gilt als der "Vater" der Prozesskunst, die er bereits Anfang der 60er Jahren thematisierte und war damit seiner Zeit weit voraus. Nun kommen Werke des Künstlers mit der Ausstellung "Franz Erhard Walther. Raum durch Handlung" ins Museum für Neue Kunst im ZKM. Vom 26. Mai bis 9. September können Besucher erleben, wie man durch Handlung Raum schafft und dadurch Teil einer Skulptur wird.
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"Versuch, eine Skulptur zu sein«, 1958 Fotoaufnahmen im Arbeitsraum, Fulda, Wallweg 28, 1958
Foto: Egon Halbleib

Franz Erhard Walther liebt das, was er tut. Das merkt man daran, dass er kaum aufhört zu lächeln, wenn er über seine Skulpturen und Werkzeichnungen spricht. Insgesamt wirkt er eher wie der nette Herr von nebenan, als ein exzentrischer Künstler. Und doch hat er in den 60er Jahren die Kunstwelt auf gewisse Weise revolutioniert.

Vom "Versuch, eine Skulptur zu sein"

Der Kunstbegriff sei damals noch ein anderer gewesen. "Vor 50 Jahren gab es noch keine Akzeptanz dafür, dass eine Geste Kunst sein kann", erinnert sich der 72-Jährige. Was heutzutage unter dem Begriff Performancekunst bekannt sei, hätten Betrachter und andere Künstler zu jener Zeit nicht verstehen können.

1958 startete der damals 19-jährige Walther den "Versuch, eine Skulptur zu sein" und hielt diesen in der gleichnamigen Fotoreihe fest. Schon darin zeigt sich anhand der weißen Leinwand, vor der sich Walther posierte, dessen Interesse an der Definition des Raums. Er wolle beispielsweise die Zeit, Raum durch Handlung, Körper in der Handlung darstellen und entwickelte dafür eine "innere Modellierung".  Diese darzustellen war für ihn mit der Fotografie nicht möglich. Deshalb fertigte er stattdessen Werkzeichnungen an, von denen allein 300 Exemplare in den Räumlichkeiten des Museums für Neue Kunst ausgestellt sind.

Zentraler Punkt der Ausstellung bilden die "Schreitsockel" und "Standstellen". Mit diesen bewusst angerosteten Stahlplatten unterbreitet Franz Erhard Walther dem Betrachter das Angebot, das Kunstwerk zu "benutzen". Er stellt sich auf die Platten, bewegt sich und empfindet dadruch nicht nur die eigene Körperlichkeit, sondern wird sich auch des daraus resultierenden Handelns im Raum bewusst.

Wenn der Betrachter zunächst ratlos vor den Stahlplatten steht und nicht weiß, was er mit ihnen machen soll, lassen ihn die Kuratoren der Ausstellung nicht völlig hilflos zurück. Eine Art Betriebsanleitung in Form eines Videos, das demonstriert, wie man auf den "Schreitsockeln" und "Standstellen" steht beziehungsweise sich bewegt, wird in der Ausstellung an die Wand projiziert.

Teil des Kunstwerks und damit selbst zur Skulptur werden

Besondere Titel haben die Skulpturen keine. "Man erfindet in der Handlung den Titel", erläutert Walther. Toll sei es, wenn dabei ganz neue Titel herauskommen, an die er selbst noch gar nicht gedacht habe. In seinen Arbeiten will er, dass die Besucher seiner Ausstellungen das gleiche machen, wie er auch: Teil des Kunstwerks und damit selbst zur Skulptur werden.

Die Ausstellung "Franz Erhard Walther. Raum durch Handlung" umfasst einen Großteil der "Schreitsockel" und erstmalig die kompletten "Standstellen"-Arbeiten. Außerdem werden 300 Werkzeichnungen und eine 15-teilige Textilarbeit gezeigt. Die Schau wird am Freitag, 25. Mai, im Museum für Neue Kunst im Karlsruher ZKM eröffnet. Vom 26. Mai bis 9. September können Besucher die Synthese aus Prozesskunst, Minimal Art und Konzeptkunst erfahren und selbst zum "bildhauerischen Material" des Künstlers werden.

Mehr zu: "Franz Erhard Walther" ZKM Ausstellung Prozesskunst Kultur

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