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11.09.2008 03:00
 
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Kunst oder Baustelle? [0]

Karlsruhe pbm -
Zeigt genau auf das Schloss Gottesaue, die "La Paloma" Walze (Foto: ka-news)

Zwei Schwertransporter schlängelten sich am vergangenen Samstag voll beladen durch die Oststadt bis zum Kreisverkehr in der Nähe des Schlosses Gottesaue. In der Wolfartsweierer Straße entluden sie ihren Ballast auf die von einer Grünfläche umsäumten Insel des Kreisverkehrs. Zwei riesige Walzen, Wellhölzern gleichend, lagen nun einfach da.
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"Ich dachte zunächst an eine Baustelle", blickt ein Augenzeuge auf seinen ersten Eindruck beim Vorbeifahren zurück. Kurz darauf wurde jedoch - für Baustellen nicht untypisch - eine der Rollen auf die andere gehievt und dort befestigt. Jetzt konnte schon eher der Eindruck entstehen, man wolle dort großes Geschütz auffahren und mit einer Kanone potentielle Eindringlinge aus dem oststädtischen Idyll fernhalten. Die Lüftung des Geheimnisses ist verblüffend: Es soll sich hierbei um Kunst handeln, die ein gewisser Mensch mit dem verwunderlichen Vornamen OMI dort kultivieren will.

Die Skulptur zieht auch schon im Rohzustand die Aufmerksamkeit auf sich

ka-news wollte aufgrund der Besonderheit dieses Vorhabens mehr wissen und traf sich mit dem Künstler OMI Riesterer. Bei strahlendem Sonnenschein lag er mit seiner Veredelung des Kunstwerks am Dienstagnachmittag dieser Woche in den letzten Zügen. Gestern kam nämlich schon die Fotografin für den Katalog. Das fertige Exemplar beinhaltet dann Riesterers Projekt sowie sechs weitere Kunstwerke, die den ausgeschriebenen Wettbewerb "Kunst im öffentlichen Raum" gewonnen haben. Bis zu sieben Künstler, die von einer Fachjury ausgewählt wurden, erhalten nun die Möglichkeit, sich mit einer Arbeit zu präsentieren. Aufstellungsort ist der neue Ostauepark und dessen Peripherie, zu der die Hochschule für Musik mit dem Schloss Gottesaue und der ehemalige Schlachthof gehören.

OMI Riesterer bei der Nippel-Montage (Foto: ka-news)

Der Karlsruher Künstler Riesterer bekam die Verkehrsinsel als Ort der Präsentation zugeteilt, was ihm nicht unrecht ist: "Ursprünglich wollte ich näher an das Schloss Gottesaue in Richtung des Ostaueparks. Aber die städtischen Behörden hatten Bedenken, dass gerade Kinder an der Skulptur hochklettern und abstürzen könnten. An der höchsten Stelle ist sie schließlich etwa vier Meter hoch." Der neue Platz habe aber auch einen konkreten Vorteil, wie Riesterer anmerkt: "An diesem Platz ist die Skulptur natürlich viel wirksamer und erfährt mehr Beachtung." In der Tat fuhren einige Autofahrer hupend und winkend an dem stolzen Künstler vorbei.

"La Paloma" und "Die Gedanken sind frei"

Aber was soll die Skulptur im Detail darstellen? Zwei Musikwalzen, wie sie im kleineren Maßstab in Spieluhren vorzufinden sind. Riesterer befindet sich gerade dabei, die so genannten Nippel, eigentlich Edelstahlrohre, an die Walzen anzubringen, welche dann bei einem Anschlag für die entsprechende Melodie sorgen könnten. "Meine Nippel habe ich im Maßstab eins zu zehn übersetzt, wobei mir Experten vom Musikautomatenmuseum in Bruchsal dankenswerterweise geholfen haben." Die untere Walze sei mit der Melodie des Liedes "Die Gedanken sind frei" besetzt, oben könne man "La Paloma" erahnen. Aber theoretisch, das betont Riesterer, könne man die Melodien wirklich abspielen, wenn man entsprechendes Gerät hätte.

Auf Spatzen schießt diese hier martialisch anmutende Skulptur sicher nicht
(Foto: ka-news)
Zum einen war dem Künstler die Nähe zum Schloss Gottesaue noch von besonderer Wichtigkeit, zum anderen wollte er auch für Jugendliche ein erkennbares Zeichen setzen. "Es ist erstaunlich, wie viele junge Menschen auch in der heutigen Zeit sofort die Assoziation zu einer Spieluhr haben, wenn sie die Walzen sehen." Die Walzen aus Granit stammen aus Finnland, waren zuvor in der Papierfabrikation im Einsatz und in riesige Prozesse eingebunden. Riesterer ist sehr dankbar, dass man ihm diese überlassen hat und nicht "kompliziert entsorgen musste." Besonders begeistert ist er von der Oberfläche, die interessante Lichtreflektionen hervorruft.

Der Skulpturenpark, in den auch Riesterers Werk eingebunden ist, wird am 24. September eröffnet. Ulrike Settelmeyer vom Kulturamt der Stadt Karlsruhe hofft auf eine positive Resonanz der Besucher. Besonders im öffentlichen Raum sei Kunst eine vieldiskutierte Sache, teilte Settelmeyer mit. Betonen wolle sie nochmals, dass eine sachverständige Jury aus Kunst und Kultur die Kunstwerke ausgewählt habe, nicht die Stadt Karlsruhe. Bei dem Kreisel spielt dann ein Ensemble des Musikautomatenmuseums, das die Adaption erst ermöglicht hat. Und sie werden, wie sollte es anders sein, "La Paloma" und "Die Gedanken sind frei" spielen.

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