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16.01.2016 07:00
 
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Karlsruher Filmemacher: Wie ein Low-Budget-Projekt zum Kino-Erfolg wurde [0]

Dieser Filmemacher aus Durlach schuf den erfolgreichen Kinofilm "Der 8.Kontinent".
Bild:Juliane Engel

Karlsruhe (Melanie Nees) - Nur rund 75.000 Euro Budget für einen Film mit sieben auf der ganzen Welt verstreuten Drehorten - aus dieser scheinbar wahnwitzigen Idee schuf der Karlsruher Filmemacher Serdar Dogan in kürzester Zeit einen erfolgreichen Kinofilm mit Cosma Shiva Hagen in einer der Hauptrollen. Sein Werk "Der 8. Kontinent" ist nun gemeinsam mit Filmen wie "Fack ju Göthe 2" und "Ich bin dann mal weg" für den Jupiter Award, Deutschlands größten Publikumspreis für Kino und TV, nominiert. Im Interview mit ka-news verrät Dogan, wie er das geschafft hat.
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Ein Kinofilm über eine Weltreise mit kleinem Budget: Wie geht man so ein Projekt an?

Ich glaube man braucht eine Vision, unglaublich viel naive Euphorie, Energie, Ausdauer und Beharrlichkeit. Wüsste man, was auf einen zukommt, würde man es wahrscheinlich lassen. Wenn man eine Idee hat, denkt man der Weg geht steil nach oben, in der Realität kommen allerdings schnell Hindernisse. Aber wenn man seiner Vision treu bleibt, wird was daraus. Wenn man an die Geschichte glaubt, hält man daran fest. Alleine durch die Idee war ich auf 300 Stundenkilometern Geschwindigkeit. Ich weiß gar nicht, was mich da geritten hat. Ich wollte es unbedingt machen. Filme machen ist nicht nur ein Beruf, man will auch was vermitteln. 

Auf welche Hindernisse sind Sie gestoßen?

Wir haben bei mehreren Fernsehsendern und Filmförderungsanstalten nach einer Förderung gefragt. Alle haben abgesagt. Sie dachten, das Projekt sei zum Scheitern verurteilt. Dann haben wir andere Wege gesucht: Crowdfunding, private Spnsoren. Wir haben weltweit Menschen von der Idee überzeugt. Letztendlich hatten wir ein Budget von rund 75.000 Euro und 200 Menschen vor und hinter der Kamera. Als ich die Idee hatte, war das noch nicht abzusehen. Ein Mitwirkender wurde von seinen Arbeitskollegen belächelt. Als er ihnen dann erzählt hat, dass Cosma Shiva Hagen auch mitmacht, ist denen der Löffel aus dem Mund gefallen. 

Wie haben Sie es geschafft, Cosma Shiva Hagen davon zu überzeugen, wie alle anderen Darsteller, ohne Budget bei diesem Filmprojekt mitzumachen?

Ich kannte sie vorher nicht, dachte aber, dass sie gut zu der Rolle passt und cool drauf ist. Also habe ich eine ganz offizielle Anfrage an ihre Agentur geschickt. Plötzlich kam eine Zusage. Als sie bei der Filmpremiere gefragt wurde, warum sie mitgemacht hat, hat sie geantwortet: 'Das Team ist so klein und kämpft so dafür, da musste ich alleine aus Berufsehre mitmachen.'

"Der 8. Kontinent" handelt von einer Studentin, die sich vor Jahren mit ihrer Mutter zerstritten hat. Als sie erfährt, dass diese verstorben ist, verwirklicht sie deren größten Traum: Einmal alle sieben Kontinente sehen. Wie kam Ihnen die Idee zu dieser Handlung?

Das war im März 2013. Ich war beruflich in Boston, saß am Flughafen und dachte: 'Mensch, man müsste hier nur die Kamera auspacken und hätte den USA-Look.' Dann habe ich die Flugtafel angesehen und dachte: '... oder in Rio, oder in Rom'. Die Story an sich, mit der verstorbenen Mutter, hatte ich schon länger im Kopf. Im Oktober 2013 haben wir schon mit dem Drehen begonnen. Es hat also nur ein halbes Jahr gedauert, bis das Drehbuch geschrieben und alles organisiert war. Ich bin verblüfft und stolz, dass es geklappt hat. War wohl gutes Karma. Wir hatten an jeder Station - Rom, New York, Rio de Janeiro, Norwegen als Ersatz für die Antarktis, Hongkong, Sydney und Kapstadt - zwei Drehtage. Da hätte einiges schief gehen können. 

Ihr Werk ist mit 11 weiteren Filmen - darunter Traumfrauen,  Der Nanny, Fack Ju Göhte 2, Highway to Hellas und Ich bin dann mal weg - in der Kategorie "Bester Film national" für den Jupiter Award nominiert. Was sagen Sie dazu?

Ich bin sowas von begeistert. Das war ein Weihnachtsgeschenk an das ganze Team. Als ich den Umschlag aus dem Briefkasten gefischt habe, dachte ich zuerst: 'Häh, ist das ein Scherz?' Das ist ein unglaublich gutes Gefühl. Schon allein nominiert zu sein, ist der Wahnsinn. Wenn man unser Werk mit den anderen Filmen vergleicht, unter welche Bedingungen die entstanden sind, sind wir schon der Underdog. 

Ihr erster Film "Kopfkino" wurde komplett ohne Budget größtenteils an ihrem Wohnort, dem Karlsruher Stadtteil Durlach, gedreht. Welche Kreise hat er gezogen?

Er war in mehreren Großstädten im Kino zu sehen. Das war ein super energetisches Projekt, wir waren sehr beflügelt. Es gab so viele gute Kritiken. Das hat mich umgehauen, ich war total baff. 

Die Fragen stellte Melanie Nees. Das Interview fand per Telefon statt.

ka-news Hintergrund:

Serdar Dogans zweiter Film "Der 8. Kontinent" war im Frühjahr 2015 im Kino zu sehen. Der Karlsruher war für Drehbuch, Kamera, Schnitt, Produktion und Regie verantwortlich. Alle Darsteller arbeiteten ohne Gage. Für die Reisekosten, Ausstattung, Requisiten und Verpflegung wurde allerdings Budget benötigt. Dieses erhielt das Team um Dogan von privaten Sponsoren sowie über die Crowdfunding-Plattform Startnext. Jeder, der den Film dort mit mindestens fünf Euro unterstützt hat, wurde im Abspann des Filmes erwähnt und hat - je nach Spendensumme - ein weiteres Dankeschön erhalten, von einer persönlichen Video-Botschaft, über ein signiertes Drehbuch bis hin zur Statistenrolle. Neben Dogan waren noch weitere Karlsruher beteiligt, unter anderem der ehemalige KA300-Pressesprecher Oliver Langewitz als Consulting Producer. Der Jupiter Award, für den "Der 8. Kontinent" nominiert ist, ist ein Publikumspreis. Hier kann man noch bis zum 20. Januar für den Film abstimmen. Dogan wohnt in Karlsruhe und führt dort eine Produktionsfirma. 

Mehr zu: Ticker Karlsruhe Interview Filmemacher Durlach

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