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13.02.2014 14:11
 
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Erinnerung an den KFV - "Ein Stadion schreibt Fußballgeschichte" [2]

(von links nach rechts) [hinten: Hermann Kächele, Kurt Hüber, Ernst Hollstein; Mitte: Hermann Bosch, Fritz Tscherter, Max Breunig, Wilhelm Gros, Julius Hirsch, Fritz Förderer; vorne: Karl Burger, Gottfried Fuchs]
Bild:Stadtarchiv Karlsruhe 8/SpoA 5316

Blick auf ein Fußballspiel auf dem KFV-Platz nach dem Bau der Zuschauertribüne 1907 und vor dem Bau des Vereinsheims 1909
Foto: Stadtarchiv Karlsruhe 8/SpoA 1303
Karlsruhe (fst) - Der Karlsruher Fußballverein, seine Spieler und sein Stadion an der Telegrafenkaserne haben eine bewegte Geschichte. Auf einem Teil des Geländes steht heute das Altenpflegeheim "Karlsruher Weg". Hier ehrte die Stadt Karlsruhe im Sommer 2013 Julius "Juller" Hirsch und Gottfried Fuchs, die beiden jüdischen Stürmer-Asse, mit der Umbenennung einer Straße und eines Platzes nach ihnen. Zeitgleich eröffnete die Fotoausstellung "Ein Stadion schreibt Fußballgeschichte" im Altenheim. Am Dienstag endete sie offiziell mit einer Finissage und einem Vortrag des Stadtarchivdirektors.
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"Der Karlsruher FV war einer der ganz großen Vereine aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg - ein Fußballpionier", so Ernst Otto Bräunche, Direktor des Karlsruher Stadtarchivs am Rande der Veranstaltung. "Spielte er heute in der Bundesliga, würde er dort zu den ältesten Clubs zählen." Der KFV wurde 1891 gegründet, war Mitbegründer des DFB und holte 1910 den deutschen Meisterschaftstitel.

Trotz seiner einst so ruhmreichen Tage gab es bis zur Fotoausstellung im "Karlsruher Weg" noch keine Ausstellung, die sich allein diesem Verein widmete. Seit Juni 2013 hängen hier nun auf zwei Stockwerken etwa 50 historische Fotografien, allesamt aus dem Bestand des Karlsruher Stadtarchivs.

Die Kosten für die Rahmungen übernahmen der Badische Landesverband für Innere Mission (BLV) als Veranstalter und Träger der Altenhilfeeinrichtung sowie der KFV. "Nach unseren Eindrücken gab es eigentlich sehr regen Besuch, meistens aber in Gruppen", so das Fazit von Axel Göhringer, Verwaltungsratsvorsitzender des BLV und Mitinitiator der Ausstellung. Auch nach dem offiziellen Ende der Ausstellung sollen die Bilder weiterhin hier hängen bleiben.

Andere Zeiten, andere Spielumstände

Süddeutschland - und Karlsruhe im Besonderen - könne zusammen mit Berlin als "Wiege des organisierten Fußballs in Deutschland" gelten, meinte Bräunche. Am Anfang der KFV-Erfolgsgeschichte steht vor allem der Name Walther Bensemann, laut seiner Biographie "der Mann, der den Fußball nach Deutschland brachte". Der Sohn einer jüdischen Bankiersfamilie aus Berlin hatte den Fußball durch englische Mitschüler in einer schweizer Privatschule kennengelernt und diese Erfahrungen mit an das heutige Bismarck-Gymnasium in Karlsruhe gebracht. Der Aufstieg zu einer überregionalen Größe begann 1897 nach Einführung eines täglichen Trainings und wurde ab 1900 mit gleich fünf süddeutschen Meisterschaftstiteln hintereinander belohnt.

Ab 1904 stand der Karlsruher Fußballverein unter Protektion von Max von Baden. Im gleichen Jahr entstand auch das erste richtige Stadion an der Telegraphen-Kaserne für rund 10.000 Menschen. Laut Bräunche war es ein "richtungsweisendes" Bauwerk, da es erstmals über aufgeschüttete Zuschauerrängen und bereits moderne Umkleiden mit Duschen verfügte.

Trotzdem sah Fußball damals noch anders aus: In den Anfangstagen waren die meisten Spieler noch Studenten sowie Beamte, Ärzte oder Ingenieure. Folglich hätten viele Vereine auch eine "bürgerliche Struktur" gehabt, erklärte Bräunche. Die Zeit der großen Arbeiter-Clubs wie jenen aus dem Ruhrgebiet sei erst später gekommen. "Das erklärt sich daraus, dass es damals noch kostspielig war, Fußball zu spielen. Die speziellen Schuhe waren sehr teuer und Spieler mussten die Anreise bei Auswärtsspielen noch selbst bezahlen", sagte Bräunche.

Aufstieg und Niedergang

Im Kampf um die deutsche Meisterschaft war der KFV vom Pech verfolgt: 1903 ging das Halbfinale gegen Prag "verloren", weil ein gefälschtes Telegramm an den Verein das Spiel für abgesagt erklärte - Prag wurde zum Sieger erklärt. 1906 scheiterte der KFV gegen Britannia Berlin, weil viele Stammspieler keinen Urlaub für die Reise in die Hauptstadt bekamen. Nachdem der Engländer William Townley Trainer wurde und beim Karlsruher FV das Kurzpassspiel einführte, gewann der Verein 1910 endlich die deutsche Meisterschaft - im Finale mit einem 1:0 gegen Holstein-Kiel in Köln. Das legendäre Stürmertrio um Fritz Förderer, Julius Hirsch und Gottfried Fuchs spielte in den folgenden Jahren auch erfolgreich für die Nationalmannschaft. Diese bestand zeitweise sogar in ihrer Mehrheit aus Karlsruher Spielern.

Der langsame Niedergang des KFV kann auch als Folge des Ersten Weltkriegs gesehen werden: Die Spieler wurden eingezogen oder meldeten sich freiwillig, allein von der 1910er Meistermannschaft fielen vier, darunter der rechte Läufer Wilhelm Gros als Fliegeroffizier. Im Zweiten Weltkrieg zerstörten dann Bomben den Fußballplatzes des Vereins. In diese Zeit fällt auch das besonders unrühmliche Kapitel der Judenverfolgung: Julius Hirsch starb 1943 im Konzentrationslager Auschwitz, Gottfried Fuchs entkam über Frankreich nach Kanada.

Noch nicht das Ende: Seit 2007 spielt der Traditionsverein wieder

Nach dem Krieg spielte der KFV nur noch in unteren Ligen. Den letzten Erfolg auf nationaler Ebene stellte der Einzug ins Finale der deutschen Amateurmeisterschaft 1951 in Berlin dar, das aber knapp gegen 1860 Bremen verloren ging. Immerhin bleibt die Bilanz in den berühmten Lokalderbys gegen den Rivalen Karlsruhe Phoenix positiv: Von insgesamt 126 Partien in der Zeit zwischen 1896 und 1952 gewann der KFV 57 und verlor nur 37, der Rest ging unentschieden aus.

2005 musste der Karlsruher FV Konkurs anmelden. Sein Stadion, das bis dahin älteste Fußballstadion Deutschlands, wurde ein Jahr später abgerissen. Seit 2007 spielt der Traditionsverein aber wieder - in der Kreisklasse C. Er trainiert auf dem Gelände des DJK in Karslruhe-Ost. "Wer weiß, vielleicht spielt er ja eines Tages auch wieder auf seinem alten Platz", hofft Bräunche.

Haben Sie Bilder vom KFV ? Das Stadtarchiv Karlsruhe ist an weiteren historischen Bildern zum Fußball (zum Beispiel vom Engländerplatz) interessiert.

Mehr zu: Ticker Ausstellung "Karlsruher FV"



Kommentare [2]
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  • (610 Beiträge) | 14.02.2014 08:49
    Bewerten: lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    Erinnerungen
    An meinen Mathelehrer Dr. Buerger. 1957 - 1960.
    Wenn der KFV gewonnen hatte war er montags guter Dinge und Laune und hatte eine Fahne. Verlor er, gabs schlechte Laune und eine Klassenarbeit grinsen
  • (698 Beiträge) | 16.02.2014 12:39
    Bewerten: lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    Es waren Deutsche...
    ...erst die Nazis haben Sie zu Juden gemacht!"Juller"Hirsch war das Idol vieler Fussballbegeisterten in ganz Baden. Mein Grossvater, Jahrgang 1899 aus dem Kraichgau, war ein früher Fan von Hirsch und kam durch diesen Spieler zum KFV. Für meinen Grossvater brach eine Welt zusammen, als "sein" Idol von den Nazi Schärgen abgeholt und in ein KZ verschleppt wurde. So wie Ihm ging es vielen Deutschen, Sie sahen erst den Menschen und dessen Leistung, dann den Deutschen und erst die Nazis machten durch Ihre Untaten bewusst, dass er ein Deutscher jüdischen Glaubens war!Welcher Fussballfan denkt heute bei Mesut Özil zuerst an den Islam?Es ist immer die Leistung die den Menschen auszeichnet. Also tut den Nazis nicht die späte Genugtuung und zeigt den Menschen, nicht seine religiöse Historie!
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