Die Essenz des Rock 'n' Roll
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Karlsruhe (rge) - "Welcome To The Blues Explosion Show" ließ Jon Spencer zu Beginn seines Auftritts am gestrigen Abend im Substage wissen. Und wahrlich, der gut gefüllte Club am Ettlinger-Tor-Platz war hungrig nach purem Rock 'n' Roll. Selbst der größte Appetit wurde gestillt. Von der ersten Sekunde an, als das Trio die Bühne betrat, war sie zu spüren, volle 90 Minuten lang, die Essenz des Rock, serviert vom König des White Trash, Jon Spencer. Der Meister machte den Käfig auf und heraus sprang ein wilder Bastard aus Blues und Rock, der gleich die Bühne hinunter sprang und die Zuschauer auffraß. Und ganz nebenbei all den jungen Wilden wie den Strokes zeigte, worauf es ankommt, will der Dämon Rock beschwört werden.
Russel Simins am Schlagzeug drosch stoisch und druckvoll auf seine Felle ein, während die restlichen beiden der Blues Explosion die Gitarrensaiten bearbeiteten und zum Jaulen brachten. Ein Bass war hier fehl am Platz und vermisst hat ihn wohl keiner. Denn als der Meister immer wieder den Namen seiner Band ins Mikro keifte, explodierte ein mächtiger Tieftöner aus dem Nirgendwo der Anlage, der wohl so manchem die Lunge von lästigem Nikotinbelag befreit haben dürfte. Doch alles andere als Katharsis war angestrebt beim Konzert des New Yorker Trios, das seit Jahren den Ruf der einzig wahren Ikonen des dreckigen Trash-Blues-Rock 'n' Roll genießt. Jede Minute untermauerte diesen Ruf. Laut und dreckig schoss der musikalische Bastard aus den Boxen, die so manches haben aushalten müssen an diesem Abend. Die Regler der Amps waren hörbar bis zum Anschlag aufgedreht und Jon Spencer röhrte ins Mikro, dass das daraus resultierende Pfeifen kein Versagen des Mannes am Mischpults war, sondern Programm.
Der Blues tropfte den Musikern aus den Poren und ergoss sich über die Fans. Die sogen den scharfen Dampf gierig ein und verlangten nach mehr. Und bekamen alles, was Rock 'n' Roll zu bieten hat. Denn Rock 'n' Roll bedeutet stets Überschwang und Exzess. Für all dies steht die Jon Spencer Blues Explosion. Als sich gegen Ende des Konzerts die Instrumente zu einem infernalischen Urknall zusammentun, Jon Spencer gegen die Orgie der Feedbacks ein "I Love You" ins Mikro brüllt, winkt Neil Young verschmitzt hinter der Ecke hervor. Und das Ende, Ladies und Gentlemen, das war wie aus dem Lehrbuch des Rock: Der Blues wurde zur Explosion, steigerte sich zur Ekstase und schließlich schleuderte Jon Spencer sein Ejakulat Rock in die Gesichter der Meute. Und, oh Wonne, sie schluckte begierig.
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