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19.11.2004 21:06
 
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Angriff aufs Zwerchfell [0]

Karlsruhe pwm -
Viel zu erzählen hatten (von links) Erik Rastetter und Martin Wacker dem Moderator Torsten Eikmeier
(Foto: ka-news)
Einen satten Angriff aufs Zwerchfell gab's am gestrigen Donnerstag im Karlsruher Sandkorn-Theater. Kein Wunder, feierten doch Rastetter und Wacker ihr 15-jähriges Bühnenjubiläum. Nun ja, ein richtiges Jubiläum war das natürlich nicht, was beide Künstler auch eingestanden, aber Komödianten nutzen halt jede Gelegenheit zum Feiern. Eingeladen hatten sie zahlreiche Wegbegleiter, die allesamt ohne materielle Gegenleistung das Publikum erheiterten. Der Reinerlös von 2.000 Euro ging an die Stiftung "Pan y Arte" von Dietmar Schönherr.

Der Abend begann dann auch, quasi als Aufwärmtraining, mit einem "Seminar für Lachologie", in dem Rastetter und Wacker die verschiedensten Arten des Lachens vorstellten. Schon dabei blieb kein Auge trocken. Kurz darauf kamen schon die ersten Gratulanten zum Zuge, die Twotones. Diese gaben Ratschläge für ein todsicheres Pilzgericht, das (un)geliebte Ehemänner sicher ins Jenseits befördert. Unterstrichen wurde das Ganze durch die dramatische Gestik und Mimik der stimmgewaltigen Sängerin Anna Krämer. Im Anschluss stellte Christoph Hochbahn von "Pan y Arte" das Konzept der Stiftung vor. Für den Verein, der in Nicaragua arbeitet, ist es nicht nur wichtig, die Menschen bei Essen und Unterkunft zu unterstützen, genau so wichtig erscheint die Kultur und Kunst. Eingegangen wurde auch auf die langjährigen Kontakte des Vereins zur Stadt Karlsruhe. Diese entstanden durch Bürgermeister Harald Denecken, der Dietmar Schönherr bei einem Auftritt in der Fächerstadt kennenlernte und spontan große Teile der Logistik übernahm.

Mutprobe mit Bogart und Ulf

Der Puppenspieler Siegmar Körner nahm die Gäste mit auf eine Reise ins Moskau anno 1925. Auf der "kleinsten Zelle der Gesellschaft", der Latrine, klärte er die Besucher über die Planwirtschaft im Sozialismus auf. Als Beispiel nahm er die Produktion von Glühbirnen. Nach der nächsten Talkrunde mit der Regisseurin Steffi Lackner zeigte das Kabarettistenduo auf bitterböse Art Unterschiede und Parallelen zwischen "Schlitzern" und "Schlitzohren" auf. Irgendwie kam einem dabei der Gedanke, dass die Unterschiede zwischen manchen Psychopathen und einigen Politikern gar nicht so groß zu sein scheinen...

Annette Postel überzeugte durch ihre Interpretation und ihre Gestik
(Foto: Jochen Klenk)
Nach der Pause warteten die Poppets Bogart und Ulf schon sehnsüchtig auf die Besucher, die sich wohl leicht verspätet hatten. Unter anderem setzten sie diese einer Mutprobe aus. Denn sie wollten wissen, ob die Beiwohnenden einmal das gefährlichste und schlimmste Raubtier sehen wollten. Sie wollten, trotz aller Warnungen, und so hielten die Poppets dem Publikum den Spiegel vors Gesicht. Annette Postel war nach Aussage ihres Begleiters schon auf 180, als sie die Bühne betrat. Betrachtet man das, was sie daraufhin ablieferte, so steigerte sich ihre Form mindestens auf 360. Dazu passte, dass sie das Publikum höflich aber bestimmt darum bat, nicht zu laut zu klatschen: "Nicht dass mein teures Parfüm verfliegt." Grandios ihre Persiflage auf "Carmen", welche das Publikum zu Beifallsstürmen hinriss. In der folgenden Tagung wurde Sandkorn-Chef Siegfried Kreiner danach befragt, wo er Rastetter und Wacker aufgelesen hätte. Kennengelernt hatte er die beiden vor etwa 18 Jahren auf Schultheateraufführungen, und bereut hat er ihr Engagement bis heute nicht.

Hitparadenverdächtige Songs?

Eine wahre Überraschung für die Geburtstagskinder wurde der Auftritt von Andreas Lehnert und Marcel Millot. Die hatten in ihrem Tonstudio Teile aus unüberlegt dahergesprochenen Sätzen Rastetter und Wackers zusammengeschnitten und mit Musik hinterlegt. Ob es dieser Song wohl an die Spitze der Hitparade schafft, bleibt abzuwarten, denn so manches war nicht ganz jugendfrei. Clown Schorsch ließ es sich anschließend nicht nehmen, eine Laudatio auf die beiden "Antipoden" zu halten. Wichtiges Hilfsmittel dabei war ein richtungsweisender Zollstock. Zu guter Letzt kam Gunzi Heil auf die Bühne. Zunächst präsentierte er sein eigenes "Kulturhauptstadt"-Ortsschild. Bei der Produktion in China hatte es offensichtlich Probleme gegeben, denn dort stand zu lesen "Karlsruhe - viele Hintern da vorn". Natürlich ließ es sich Heil nicht nehmen, seinen eigenen "Kulturhauptstadt"-Song zu präsentieren, der die Bewerbung ironisch auf die Schippe nimmt. Vielen Besuchern wird er dabei wohl aus der Seele gesprochen haben...

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