Eine vielfältige Verbeugung vor Fleetwood Mac
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Berlin Von Werner Herpell, dpa - Tribute-Alben können ziemlich öde sein, und es gibt inzwischen eher zu viele davon. Die Verbeugung von 17 mehr oder weniger renommierten Acts vor den Westcoast-Helden Fleetwood Mac gehört aber zu den positiven Beispielen.
«Just Tell Me That You Want Me» (Hear Music/Concord) lautet der Titel der bis zum 80-Minuten-Rand des CD-Formats gefüllten Platte, die den sehr unterschiedlichen Phasen der Band-Historie von Fleetwood Mac viele interessante Seiten abgewinnt. Dabei gönnen sich die teilnehmenden Musiker sogar den Luxus, auf Hits vom 40 Millionen Mal verkauften Albumklassiker «Rumours» - etwa «Go Your Own Way» oder «Don't Stop» - zu verzichten. Macht aber gar nichts.
Denn dafür wirft das fähige Produzenten-Duo Randall Poster/Gelya Robb (das kürzlich schon ein ähnlich hörenswertes Tribute-Projekt namens «Rave On Buddy Holly» verantwortete) viel erdigen Blues und Indie-Rock in die Waagschale. Fleetwood Mac - das waren ja nicht immer die Mainstream-Giganten der 70er Jahre mit der schönen Sängerin Stevie Nicks an vorderster Front. Sondern seit der Gründung 1967 zunächst virtuose Bluesmusiker um Gitarrist Peter Green, Schlagzeuger Mick Fleetwood und Bassist John McVie.
Daran erinnern etwa Lee Ranaldo (Sonic Youth) und J Mascis (Dinosaur Jr) in ihrer tollen Version des Balladen-Instrumentals «Albatross», oder aber ZZ-Top-Zauselbart Billy Gibbons mit «Oh Well». Dass man Fleetwood Mac auch als Powerpop inszenieren kann, zeigen die wunderbaren New Pornographers mit «Think About Me».
Weitere Höhepunkte liefern drei sehr unterschiedliche Sängerinnen: die junge Lykke Li im hallgesättigten «Silver Springs», Reibeisenstimme Mariannne Faithful mit einer reifen Interpretation von «Angel» (inklusive Marc Ribot und Bill Frisell an den Gitarren) sowie Jack Whites Ex-Ehefrau Karen Elson mit einer fantastischen, fast sechsminütigen Country-Noir-Lesung von «Gold Dust Woman».
Auch Indie-Hipster wie St. Vincent, Washed Out, The Kills oder MGMT versuchen sich - manchmal ein wenig verkrampft modernistisch - am Material von Fleetwood Mac. Andere Nachwuchs-Bands überführen die betagten Songs dagegen durchaus erfolgreich in die Gegenwart, vor allem Gardens & Villa mit «Gypsy» im eleganten Postrock-Stil, Tame Impala mit «That's All For Everyone» in einer filigranen Spacerock-Variante und The Crystal Ark im groovenden «Tusk».
«Wir haben mit einigen unserer liebsten Künstler zusammen gearbeitet und gezeigt, dass das musikalische Vermächtnis von Fleetwood Mac in voller Blüte steht», sagt Produzent Randall Poster über sein Tribute-Projekt. Er hätte es sich leichter machen können - bestimmt wären auch Elton John, Phil Collins oder Bono bereitwillig auf einen Song der Seventies-Ikonen angesprungen. Dann aber hätte die Musik von Fleetwood Mac im Jahr 2012 wohl wirklich öde geklungen.




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