Twin Shadow legt die Beichte ab
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Hamburg (dpa) - An der Schnittstelle von Indie- und Synthie-Pop arbeitet sich George Lewis Jr. alias Twin Shadow ab. Dabei scheut er das Pathos nicht, sondern gibt sich auf dem neuen Album «Confess» ganz seiner Leidenschaft zu den elektronischen Klängen der 80er hin.
Vor zwei Jahren ließ «Forget», das Debüt von Twin Shadow, viele aufhorchen. So britisch und glamourös hatte schon lange kein amerikanischer Act geklungen. Eine geheimnisvolle Aura umgibt den 28jährigen Lewis, der aus der Dominikanischen Republik stammt und längere Zeit bereits in Brooklyn, N.Y., beheimatet ist.
«Forget» war noch dezent und äußerst geschmackvoll von Chris Taylor (Grizzly Bear) produziert worden. Nun aber wollte Lewis das Heft selbst in die Hand nehmen. Und es wirkt auch gleich so, als möchte er sich diesmal einem größeren Publikum öffnen. Auf «Confess» wird dick aufgetragen, als Twin Shadow agiert er durchweg mit großer Geste und sehr viel Pathos. Aber er meint es tatsächlich ernst und nichts soll hier gekünstelt klingen.
Für «Confess» hat Lewis nach dem euphorischen Moment gesucht, an dem er sich vollständig offenbaren kann, mit Worten und mit Emotionen. Doch dazu muss er erst mal richtig Gas geben; und das ist durchaus wörtlich zu verstehen.
Dieser Musiker ist begeisterter Motorradfahrer, was auch die Coverphotos belegen. Nur bei Höchstgeschwindigkeit stellt sich bei ihm ein losgelöster, aber hochenergetischer Zustand ein. Auf «Confess» hat er noch einmal eine Stufe höher geschaltet, also mehr Feuer und mehr Leidenschaft.
Als Twin Shadow schöpft er aus dem Vollen: tiefgelegte House-Beats, fette Synthie-Akkorde, schmachtender Gesang und obendrauf noch das eine oder andere Gitarrensolo. Das ist mehr als üppig und noch dazu eine gewagte Kombination. «Confess» soll aber nicht cheesy klingen, sondern ein breites emotionales Spektrum abbilden. Das gelingt auf den ersten und letzten beiden Stücken des neuen Albums besonders eindrucksvoll. Bei Twin Shadow ist die klangliche Nähe zu den 80er-Jahre-Sounds weniger Zitat als vielmehr Mittel um entsprechende Stimmungen zu generieren. In einer Ära, als die Instrumente kaum vorprogrammiert, sondern handgespielt wurden, war eine solche Deepness wie auf «Confess» noch häufiger anzutreffen. Eine natürliche Eleganz bewahrt die Songs davor, ins Kitschige abzugleiten. Meistens entwickeln sie einen unwiderstehlichen Drive und bei mehrmaligem Hören durchaus Hitqualitäten. Lewis zeigt eindrucksvoll, wie sich eine vergangene musikalische Epoche erfolgreich wieder beleben lässt.




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