Buntes Album von Soul-Lady Paloma Faith
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Berlin (dpa) - Paloma Faith fällt auf - durch ihre Outfits, durch ihr Auftreten und vor allem durch ihre Soul-Stimme, die ihr immer wieder den Vergleich mit Amy Winehouse eingebracht hat.
«Oberflächlich betrachtet wirke ich wie eine blitzsaubere Ausgabe von Amy. Ich habe niemals Drogen genommen, aber ich bin nicht so unschuldig, wie ich aussehe», meinte Paloma Faith im Interview mit der «Daily Mail». Sie hat recht, den Vergleich braucht man nicht zu sehr strapazieren, denn die 26-jährige Britin vermag durchaus auf eigenen Beinen stehen. Wer weiß, wenn sie Amys Angebot als Background-Sängerin angenommen hätte, was aus Paloma Faith geworden wäre.
Nach ihrem Bestseller-Debüt «Do You Want The Truth Or Something Beautiful?» (2009) ist jetzt mit «Fall To Grace» ihr zweites Album erschienen, das so kunterbunt geraten ist wie die Haare der Sängerin. Hingegossen und in Seide drapiert umkreisen auf dem Cover die schmachtende Paloma einige Papageien. Genauso ist «Fall To Grace»: ein bisschen theatralisch, ein bisschen Rita Hayworth, ein bisschen kitschig und in allen Farben schillernd. Auf jeden Fall mit Stil.
Ähnlich kunterbunt ist ihr bisheriges Leben verlaufen. Paloma Faith hatte einen Job als Geist in einer Geisterbahn, der ihr schließlich einen Job als Assistentin bei einem Zauberer einbrachte. Miss Direction war ihr Bühnenname. In Burlesque-Clubs trat sie auch auf, behielt aber ihre Kleidung an. Bar-Jobs? Na, klar. Dazu kommt ein Abschluss in «Contemporary Dance» und ein Studium für Theater-Regie und Design. Als Schauspielerin («Das Kabinett des Dr. Parnassus») war sie inzwischen auch schon tätig. Nur nicht stehenbleiben - eine eindrucksvolle Vita.
Kino ist eine der ganz großen Leidenschaften von Paloma Faith, die sie auch auf «Fall To Grace» voll auslebt. «Mein ganzes Album ist eine Hommage ans Kino. Es gibt Textzeilen, die Filmdialogen entnommen sind, Referenzen an die Stimmung und die Atmosphäre», sagte sie im Interview mit «Harpers Bazaar». Für «Streets Of Glory» habe sie sich zum Beispiel von «True Grit» inspirieren lassen, dem großartigen Western-Remake der Coen-Brüder.
Geschossen aber wird auf «Fall To Grace» wenig, dafür aber umso mehr geschwelgt. Die Streicher-Armada und der gewaltige Hintergrund-Chor im Opener «Picking Up The Pieces» sind reinstes Cinemascope, in dem Paloma Faith allerdings schon ein wenig kämpfen muss, dass ihre Stimme nicht ins Hintergrundtreffen gerät.
Alles vielleicht ein bisschen zu viel des Guten, aber Paloma Faith hat genug reduzierte Balladen im Programm, die ihre Soul-Stimme erst so richtig zur Geltung bringen. «Black & Blue» ist solch ein Song, der mitten ins Herz trifft. In die gleiche Richtung gehen «Let Me Down Easy» oder «Just Be» - bester Sixties-Retro-Soul (da ist sie wieder, die Amy). Wer davon nicht genug kriegt, sollte sich die Deluxe-Edition von «Fall To Grace» sichern, die mit einigen entschlackten Piano-Versionen aufwartet.
Paloma Faith ist eine großartige Sängerin, aber den Weg, den Amy Winehouse und Adele eingeschlagen haben, ist nur bedingt der ihre. Da tuckert auch schon mal der Synthie in Richtung Disco-Pop («30 Minutes Love Affair, «Blood, Sweat & Tears») oder schimmert kurz der Hollywood-Glamour einer Lana Del Rey («Agony») durch. Auf einigen Bildern sehen sich die beiden tatsächlich ziemlich ähnlich.
Und mit dem gewaltigen Klanggemälde «Streets Of Glory» beschließt Paloma Faith schließlich ihr abwechslungsreiches Album, das vor allem durch Palomas seelenvolle Stimme seinen besonderen Klang erhält.




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