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21.05.2012 16:07
 
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Fehlfarben: Kraftvoller denn je [0]

Fehlfarben fühlen sich jung. Foto: Julia Hoppen/Tapete Records

Berlin Von Silke Nauschütz, dpa - Monarchie und Alltag» von den Fehlfarben war Anfang der 1980er Jahre eine Offenbarung - eines der wichtigsten deutschsprachigen Alben für die Anfänge des deutschen Punk. Geschichte wurde gemacht.
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Heutzutage gehört es schon fast zum guten Ton, dieses Album im Plattenschrank zu haben. In Schubladen passen die Fehlfarben aber auch nach über 30 Jahren nicht. «Wir fühlen uns wie 17-Jährige bei der Bandprobe, nur 30 Jahre älter», sagt Sänger Peter Hein.

Was er meint, kann man auf dem neuen Album «Xenophonie» (Tapete Records) hören, das an diesem Freitag (18. Mai) auf den Markt kommt. Es ist, als hätte der Zahn der Zeit nie an den Punkpionieren genagt. Hein klingt zwar so eindringlich und klar wie eh und je, aber - irgendwie - entspannter. «Ich ertrage das Unerträgliche, rumjammern ist Deutschpop», erklärt der stets lakonische Beobachter, der so ungern Platitüden hört.

Tatsächlich hat das Album eine Wucht und Aussagekraft, die die Fehlfarben seit ihren Anfängen nicht mehr erreicht haben. Hein schreibt die Texte meist zur Aufnahmezeit des Albums. Sie sind immer hochaktuell. Er wettert gegen Ratingagenturen, die Parteienlandschaft und die Banken. «Was passiert im Bankenland/Wann werden Banken wieder niedergebrannt?/Hört hier wer einen Aufruf zur Gewalt?/Bleibt nach der Revolution die Küche kalt?».

Heins Texte verlangen geradezu, mit einem Sound unterlegt zu werden, der nach vorn drängt. Mit ihrem Produzenten hätten es die Fehlfarben daher nicht besser treffen können. Sie arbeiteten wieder mit Moses Schneider (Beatsteaks, Tocotronic) zusammen, der auch das letzte Album produziert hat. Schneider ist ein Kreativtopf, aus dem alle speisen, der die Band versteht in ihrem «Nicht-verstanden-werden-wollen.» «Moses reißt einen mit, er ist so positiv eingestellt», schwärmt Pyrolator alias Kurt Dahlke, der Soundzauberer der Fehlfarben. Schneider machte aus den nebeneinanderstehenden, differenzierten Soundideen einen homogenen Körper, vor dem Sänger Hein steht wie vor einer Klangwand.

Aufgenommen wurde das Album in den legendären Hansa-Studios, der Vorschuss des Plattenlabels Tapete Records reichte genau fünf Studiotage. Da musste konzentriert gearbeitet werden. Und es passierte zum ersten Mal, dass Hein die Texte direkt während der Aufnahme einsang. Bei früheren Produktionen hatte die Band immer erst die Musik eingespielt. Auch da war Produzent Moses Schneider die richtige Autorität. «Das haste drauf, aber mach nochmal», kam öfter von ihm. Und Hein sagte brav: «Ich mach das so lange, bis es okay ist».

Hein sei auf der Höhe seines Schaffens, sagen die Bandkollegen über ihren charismatischen Sänger. «So müssen Texte 2012 klingen», ist Bassist Michael Kemner überzeugt. «Es ist gut, dass es uns noch gibt, weil wir noch 'ne Aussage haben. Das fehlt so oft», stellt er fest.

So lange wie jetzt war noch keine Fehlfarbenbesetzung zusammen, resümieren die Bandmitglieder. Und sie ärgern sich immer noch über die Reduzierung auf den Song «Ein Jahr (Es geht voran)». Dem Lied mit dem einprägsamen Refrain «Keine Atempause, Geschichte wird gemacht» haben sie es zu verdanken, dass sie in der Neue-Deutsche-Welle-Ecke landeten, wo sie nie hinwollten. Mittlerweile sehen sie es aber doch gelassener, denn die Konzertbesucher wünschen sich schon auch Songs, die die Band immer geliebt hat, wie «Paul ist tot».

«Wir werden mit dem Alter immer alberner, wir waren schon auf einem Karnevalssampler», gibt Pyrolator preis. Auch sonst sind die Fehlfarben umtriebig, versuchen immer noch, von der Musik zu leben, was mehr oder weniger gelingt. «Musiker sind eine aussterbende Gattung», ist Bassist Kemner überzeugt. «Wir funktionieren, wenn es sein muss, auch sehr gut in der Wirtschaft, nur die will uns nicht», fügt Sänger Hein gewohnt lakonisch hinzu. Aber wer will die Alt-Punks aus Düsseldorf dort auch sehen?

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