Benjamin Schoos: Chanson-Pop voll träger Dekadenz
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Berlin (dpa) - Ein cooler Typ, dieser Benjamin Schoos. Die selbstbewusste Pose auf dem Cover seines Debütalbums passt zur Musik des Belgiers, die man am besten als retro-futuristisch beschreiben kann.
«China Man vs China Girl» (Freaksville/Indigo) ist eine Platte, die sehr gestrig - im Stil der Chanson-Kunst eines Serge Gainsbourg - und zugleich sehr modern klingt. Als wenn der König der französischen Popmusik, Benjamin Biolay, einen Soundtrack zu einem eleganten Nouvelle-Vague-Film geschrieben hätte. Oder so ähnlich.
Ein träge Dekadenz prägt die zwölf Lieder, von denen kaum eines ohne üppige Streichersätze auskommt. Der in Deutschland weitgehend unbekannte Schoos sprechsingt im sonoren Bariton und spielt alle möglichen Tasten- und Saiteninstrumente, lässt sich aber darüber hinaus von einer Begleitmusikerschar in Fußballmannschafts-Stärke unterstützen.
Drei Gäste ragen heraus und machen dieses Album noch interessanter als es ohnehin schon wegen seiner feinen Arrangements und sorgfältig inszenierten Bombast-Songs ist: Mark Gardener von der britischen Shoegaze-Band Ride, Laetitia Sadier von Stereolab - und Chrissie Hynde.
Ja, genau die Chrissie Hynde, inzwischen 60 Jahre jung und Ikone der unvergesslichen Wave-Band The Pretenders. Auf «Un garçon qui pleure» singt die Ex-Frau von Ray Davies (The Kinks) und Jim Kerr (Simple Minds) im Duett mit Marie France aus Paris. Und man würde zu gern mal wieder mehr von ihr hören.
Höhepunkt eines stilvollen Albums ist der orchestrale Popsong «Je ne vois que vous», in dem sich Schoos und die Französin Sadier anschmachten. Wie ein verregneter Abend am Ufer der Seine - in schöne Töne gegossen. Chapeau, Benjamin!




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