Chuck Prophet lässt San Francisco neu erblühen
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Berlin Von Werner Herpell, dpa - Was Lou Reed einst für New York gelang, schafft der Singer/Songwriter und Gitarrist Chuck Prophet nun für San Francisco: eine ambitionierte, meist freundliche, aber durchaus nicht unkritische Hommage an seine Lieblingsstadt.
Das Album «Temple Beautiful» (Yep Roc/Cargo) ist benannt nach einem schon lange dichtgemachten Club in der kalifornischen Küstenmetropole, die Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre den Mittelpunkt der Flower-Power-Bewegung und der US-amerikanischen Gitarrenrock-Avantgarde bildete. Beides - die bunt blühenden Psychedelia-Melodien und den kraftvollen Poprock dieser Ära - hat auch Prophets vielleicht beste Soloplatte im Angebot.
Die zwölf Songs von «Temple Beautiful» sprühen nur so vor Spielfreude, Einfallsreichtum und Geschichtsbewusstsein. Im Opener «Play That Song Again» klingeln die Gitarren wie weiland bei den Byrds. Der Titelsong wartet mit saftigen Bläsersätzen und entfesseltem Boogie-Piano auf, darüber legt Prophet seine Powerpop-Gitarre und den für ihn so typischen, coolen Sprechgesang. In der Ballade «Museum Of Broken Hearts» spiegelt Prophet zu wunderbaren Streichersätzen erstmals die Schattenseiten der Westcoast-Stadt.
Prophet (48) ist alt genug, um die Ausläufer der San-Francisco-Szene als Jugendlicher in den 70ern noch selbst erlebt zu haben. «Im 'Temple Beautiful' habe ich damals meine ersten Gigs gesehen», sagt der frühere Frontmann der Neo-Psychedelic-Rocker Green On Red über diese Zeit. Seit 1990 hat Prophet ein rundes Dutzend Solo-Alben zwischen Gitarrenpop, Folk, Rock'n'Roll und Alternative Country veröffentlicht, von denen keines schwach und manches herausragend war.
Aus all diesen Quellen schöpft auch sein neues Werk, das jedoch im Gegensatz zu den Vorgängern thematisch einen roten Faden aufweist. Die schöne Stadt am Pazifik wird als romantisch-utopische Fantasie geschildert, aber ebenso als Hafen für Gestrandete und Verlierer. Die Musiker, mit denen sich Prophet hier umgibt, stammen überwiegend aus der heutigen Musikszene von San Francisco.
«Es gibt dort im Moment eine Art Psych-Rock-Renaissance», hat der grandiose Gitarrist festgestellt - und sich dieser Bewegung mit erstaunlichen Ergebnissen angeschlossen. Deshalb funktioniert «Temple Beautiful» als überzeugender Tribute an die große musikalische Vergangenheit von San Francisco, ohne sich auf einen nostalgischen Rückblick zu beschränken.




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