Annuals: Sommermusik für Pop-Gourmets
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Berlin Von Werner Herpell, dpa - Sommermusik das hat einen Beigeschmack von Ballermann, Billigbier und Bikini-Tanzmäusen. Nicht gerade ein Etikett, das sich eine ernsthafte Popband gern anhängen lässt.
Bei den Annuals aus der Provinzhauptstadt Raleigh in North Carolina darf es trotzdem sein. Mit dem entscheidenden Zusatz, dass die junge Truppe Sommermusik im besten, intelligentesten Sinne macht: melodisch, mitreißend, fantasievoll, fröhlich. Indiepop als gut gelaunter Tritt in den Allerwertesten.
Das neue Annuals-Album «Count The Rings» ist sinnigerweise mitten im August beim Berliner CitySlang-Ableger Souterrain Transmissions erschienen. Label-Chef Christof Ellinghaus hatte die Band schon vor Jahren entdeckt und ihren Weg, der zwischenzeitlich zu einer großen Plattenfirma führte, im Auge behalten. Als das Sextett in den USA einen Durchhänger hatte, griff der Trüffelsucher zu. «Count The Rings» ist nun eine Zusammenstellung der aus Ellinghaus' Sicht schönsten, typischsten Annuals-Songs seit 2008. Nach dem Debüt «Be He Me» (2006) erscheint es zugleich als erstes Album der US-Band wieder offiziell in Europa.
Kreativer Kopf der Annuals ist Songwriter, Sänger und Multi-Instrumentalist Adam Baker, der die Band noch als Teenager gründete. Seine sympathische, klare Jungenstimme prägt schon den Album-Opener «Eyes In The Darkness», eine ehemalige Single-B-Seite. Afrikanisch angehauchte Gitarren und wuchtige Drums bei den Annuals gehen oft zwei Schlagzeuger gleichzeitig zu Werke tragen einen herrlichen Song, für den die ungleich bekannteren Vampire Weekend vermutlich ihre edle Poloshirt-Kollektion hergeben würden.
Mit der Erfolgsband aus Brooklyn ist ein Bezugspunkt genannt, wobei die Annuals erstens früher an diesem weltoffenen, frischen Sound gebastelt und zweitens die prächtigeren Melodien haben. «Springtime» schwingt sich aus melancholischen Piano-Tupfern zu einer euphorischen Frühlings-Hymne auf. «The Giving Tree» verbindet kongenial zarte Akustikgitarren, Bläser, Sitar, eine Art Spinett und immer wieder diese virtuosen, treibenden Drums. Bei «Always Do» kommen unter anderem Streicher und eine schluchzende Country-Gitarre zum Einsatz, «Holler And Howl» lebt von einem modernisierten Charleston-Rhythmus.
Die üppige Vielschichtigkeit solcher Songs legt neben Vampire Weekend auch den Vergleich mit Arcade Fire oder den Flaming Lips nahe, ohne dass deren inhaltliche Tiefe und Ernsthaftigkeit angestrebt wird. Die Annuals verzaubern vielmehr mit jugendlichem Südstaaten-Charme und einer stilistischen Unbefangenheit, die «Count The Rings» zu einer jederzeit spannenden Entdeckungsreise für Pop-Gourmets macht. Bleibt nur zu hoffen, dass die Band nach dem hoffnungsvollen Start vor vier Jahren und dem Karriereknick in der Heimat mit diesem tollen Compilation-Album nun in Deutschland und Europa neu durchstartet.




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