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Arcade Fire in Hochform [0]

Berlin Von Werner Herpell, dpa - Es gab eine große Geheimniskrämerei um dieses Album. Vor der weltweit einheitlich geplanten Veröffentlichung des dritten Werks von Arcade Fire am 2. August sollte es für Journalisten lediglich «Listening Sessions» geben, also überwachtes Anhören in Räumen der Plattenfirma.

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Arcade Fire
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Arcade Fire besingen die Suburbs.
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Vorab-CDs oder Online-Bemusterung wie sonst üblich ­ Fehlanzeige. Zwei Songs wurden als sogenannte Appetitanreger veröffentlicht, aber das war's dann auch schon. Übergroß schien die Sorge der Musikmanager, dass das Album «The Suburbs» (City Slang/Universal) frühzeitig ins Internet gelangen und damit Verkaufseinbußen erleiden könnte.

Der ganze Aufwand nützte nichts. Die fanatische Fangemeinde von Arcade Fire fand Mittel, um an die mit Spannung erwarteten 16 neuen Songs heranzukommen und sie umgehend ins Netz zu stellen. Auch für die Medien wurde daraufhin Ende Juli der Schleier gelüftet. Und soviel kann man schon jetzt sagen: Dieses Album wird trotz der unerwünschten Gratis-Verbreitung seinen Weg machen ­ auf die Jahresbestenlisten der Kritiker, in die Charts und vermutlich auch live in die großen Stadien.

Nicht nur hält die vor acht Jahren gegründete Band aus Montréal das Niveau der gefeierten Vorgänger «Funeral» (2004) und «Neon Bible» (2007) ­ sie fügt dem ausgeklügelten Bombast-Sound sogar noch neue Facetten hinzu. Zwar wird diesmal nicht wieder eine riesige Kirchenorgel bemüht, um die für Arcade Fire so typischen Klang- Kathedralen zu errichten. Aber Sänger und Songwriter Win Butler, seine Ehefrau Régine Chassagne und ihre Mitstreiter haben noch eine Menge Tricks auf Lager, um «The Suburbs» zu einem Referenzwerk des Indie-Rock zu machen.

Der lässig dahinschlurfende Titelsong wirkt mit seinem hübschen Akustikgitarren-Motiv zunächst fast schon zu folkpoppig-freundlich, gibt aber das zwiespältige Hauptthema des Albums vor ­ das Pro und Contra eines Vorstadt-Lebens. Auch mit dem treibenden «Ready To Start» und «Modern Man» sind Arcade Fire noch auf eher konventionellen Pfaden in Sichtweite zum Mainstream unterwegs, ehe sich «Rococo» mit flirrenden Geigen, weiblichem Background-Gesang und wuchtigen E-Gitarren zum ersten Höhepunkt des Albums aufschwingt.

Danach ziehen die Kanadier alle Register: an Donna Summer erinnernde Disco-Beats und Bowie-Anleihen («Half Light II»), U2- Gitarrenriffs («City With No Children»), Western-Klampfen («Wasted Hours»), punkrockige Ausbrüche («Month Of May»), die Streichersätze des genialen Owen Pallett und vieles mehr. 70 spannende Minuten, die wie im Flug vergehen. Zumal Butler/Chassagne diesmal herzzerreißend schön singen und das Spröde, Schrille früherer Alben hinter sich lassen.

Anbiederung lässt sich die Band freilich nicht vorwerfen. «Unsere Musik ist genau so, wie wir sie haben wollen, es gibt da keine Kompromisse, keine falsche Poppigkeit», sagt Win Butler selbstbewusst im Interview der Zeitschrift «Musikexpress» (August). In den vergangenen Jahren habe Arcade Fire wohl «ein bisschen so getan, als wären wir immer noch eine kleine Band», räumt er ein. Damit ist nun definitiv Schluss.

Die Geheimhaltungspolitik rund um «The Suburbs» hätte auch Megastars Ehre gemacht. Das Album selbst wird dem Hype immerhin gerecht: Ein Opus Magnum von einer der großen Rockgruppen dieser Zeit.

Arcade Fire treten am 31. August im Berliner Tempodrom auf, am 28. November im Zenith in München und am 29. November in der Philipshalle in Düsseldorf.

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